Danke, Lewi!

Das Ende der Fußball-Saison 2013/14 rückt näher. Mit ihm der buchstäblich finale Höhepunkt: das Endspiel um den DFB-Pokal zwischen dem ruhmreichen BVB und dem FC Buyern. Mehr als 30.000 Borussen werden im Berliner Olympiastadion live dabei sein, weitere 15.000 beim Public Viewing auf dem Messegelände, weitere gut 30.000 beim Rudelgucken daheim in der Westfalenhalle, auf dem Friedens- und dem Hansaplatz. Und so weiter und so weiter. Seit dem Halbfinalerfolg gegen Golfsburg befindet sich ganz Dortmund im Final-Modus. Das Fieber steigt minütlich.

Aber auch die Wehmut. Denn ein Abschied rückt näher, der mehr schmerzen wird als viele Abschiede vor ihm. Beim Heimspiel am Samstag gegen Hoppenheim wird Robert Lewandowski zum letzten Mal im Westfalenstadion auflaufen. Jedenfalls zum letzten Mal in den Farben, die ihm zweifelsfrei am besten stehen: schwarz und gelb.

Nun sind die besten Fans der Liga, die Fans von Borussia Dortmund, nicht eben dafür bekannt, dass sie einzelnen Spielern übermäßig huldigen. Im Gegenteil: In Dortmund gilt die Losung: Spieler kommen und gehen – der BVB bleibt! Seltene Ausnahmen, die diese Regel bestätigen, waren Publikumslieblinge wie Flemming Povlsen, Paul Lambert, Julio Cesar. Und zuletzt Dédé, dessen tränenreicher Abschied die Meisterfeierlichkeiten 2011 in einem Meer von Salzwasser zu ertränken drohte.

Robert Lewandowski hat den Status dieser schwarzgelben Heroen nie erlangt. Dazu war er zu kühl, zu distanziert. Lewandowski ist kein Fan-Tribun. Er klopft nicht mit der Faust aufs Klublogo oder schickt Herz-Grüße Richtung Südtribüne. Er ist als Fußballer einfach professionell – das allerdings in einem Maße, das ihn, neben seiner sportlichen Klasse, weit über die meisten seiner Berufskollegen erhebt.

Was waren das für aufgeregte Diskussionen, als die BVB-Führung Lewandowskis Wunsch, den Wechsel zum FC Buyern bereits im Sommer 2013 zu vollziehen, von vorneherein unterband und so auf eine hohe Ablösesumme verzichtete. Mal ganz abgesehen davon, dass die Münchener nie ein Kaufangebot abgegeben haben, fragten viele „so called“ Experten: Macht das Sinn, einen Spieler gegen seinen Willen zu halten? Sitzt der dann nicht bloß lustlos seine Zeit ab?

Durchaus legitime Fragen, die Robert Lewandowski jedoch so eindrucksvoll beantwortete, wie ein Sportler dies nur tun kann – mit Topleistungen und, nicht ganz unwichtig bei einem Stürmer, Toren am Fließband. Lewandowski ist ein Ausnahmefußballer. Und das gilt auch für seinen Charakter.

Mehr als 100 Pflichtspieltreffer sind es letztlich in vier Jahren BVB geworden. Eine tolle Bilanz, aber letztlich nur eine Zahl. Was wirklich fasziniert an dem Polen, der als Niemand zum BVB kam und nun als Weltklassestürmer geht, ist die Art und Weise, wie er Fußball SPIELT. Wie er schwierigste Bälle in höchstem Tempo verarbeitet. Wie er intuitiv und teils spektakulär seine Mitspieler in Szene setzt. Wie er mit dem Rücken zum Tor hohe Pässe annimmt, behauptet und weiterverteilt. Wie er Ellenbogen-Checks, Kopfnüsse und andere Provokationen wegsteckt (erinnert sei nur an das CL-Rückspiel 2012/13 gegen Real Madrid, als Sergio Ramos ihn buchstäblich gefoltert hat).

Robert Lewandowski hat mir, im Verbund natürlich mit seinen Teamkollegen, ganz persönlich zwei Sternstunden beschert, die ich beide gemeinsam mit meinen Söhnen erleben durfte – und für die ich ihm immer dankbar sein werde:

  1. Den Dreierpack beim 5:2-Triumph über die Buyern im DFB-Pokalfinale 2012.
  2. Den Viererpack beim 4:1 im CL-Halbfinale gegen Real Madrid. Ein Spiel, von dem ich noch meinen Enkeln erzählen werde, so ich jemals welche bekomme. Ein Spiel, an dessen Ende ich keine Stimme mehr, dafür aber Tränen in den Augen hatte.

Und auch sein 1:0-Siegtor gegen die Buyern, mit dem er im April 2012 den Meistertitel quasi eingetütet hat, werde ich ihm nie vergessen. Danke dafür, Lewi!

Am Samstag also bestreitet Robert Lewandowski sein letztes Heimspiel für Borussia Dortmund. Ich wünsche ihm, dass die Fans ihm genau den Abschied bereiten, den er verdient hat. Einen rauschenden!

P.S.: Das Kapitel über „Die ultimative Robert-Lewandowski-Show“ beim 4:1 gegen Real Madrid findet Ihr hier: http://goo.gl/GKlMIF

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Jetzt bloggt er auch noch . . .

Ich wollte das erst gar nicht. Bloggen. Noch’n Blog. Braucht die Welt nicht, wo alle Welt doch schon bloggt. Und wo ich doch aus einer Zeit komme, als man Blog noch mit „ck“ schrieb. Bin ja praktisch mit Block und Bleistift groß geworden. Damals war ich Blocker.

Und heute? facebook wollte ich ja auch erst nicht. Oder Twitter. Und jetzt: 677 Freunde und 403 Follower. Tendenz steigend. Seien wir ehrlich: Wenn uns in der realen Welt ein einziger Mensch folgt, werden wir nervös. Wir fühlen uns belästigt. Dann bedroht. Wir zeigen ihn an. Er wird verurteilt, als Stalker! Und bei Twitter: 403 Verfolger und kein bisschen nervös. Im Gegenteil. Man freut sich über jeden, der neu hinzu kommt. Schräge Welt, diese virtuelle.

Gut, so richtig verstanden habe ich sie bis heute nicht. Mein technisches Verständnis reicht gerade aus, um den Computer morgens hoch- und abends wieder herunter zu fahren. Ich irre gewissermaßen durchs Netz. Taste mich voran, als hätte ich meine Brille verloren. Dazu muss man wissen: Ich bin stark kurzsichtig. 8,25 Dioptrin. Ich bin tasten gewöhnt.

Wenn man „Blog“ googelt, stößt man auf Begriffe wie „Permalink“, „Trackback“, „Pingback“, „Blogroll“, „Feed“ und „Aside“. Eine Sprache, in der ich mich genau so trittsicher bewege wie im Dialog mit den Ureinwohnern des Regenwaldes von Papua-Neuguinea. Keine Sprache, die ich auf dem Block habe. Auch keine, die ich in meinem Blog haben werde. Ich verwende deutsche Schriftsprache. Weil ich sie schön finde. Und weil sie es verdient, besser behandelt zu werden als sie von vielen behandelt wird.

Was ich hier will: Schreiben! Und lernen. „Du wirst alt wie ’ne Kuh und lernst immer noch dazu“, hat meine Oma immer gesagt. Kluge Frau.

Was ich hier nicht erwarte: Dass irgend jemand lesen will, was ich schreibe.

Was ich schreiben werde: Was weiß ich! Was mir gerade in den Sinn kommt, vermutlich. Wer mich kennt, der ahnt schon, dass ’ne Menge schwarzgelbes Zeug dabei sein könnte. Politik? Bestimmt auch mal. Und was mit Medien. Wetter? Eher nicht. Also grob gesagt: Mal gucken. Jetzt hab‘ ich ja schonmal was geschrieben. Der Anfang ist gemacht.