Högschd verantwortungslos!

Mein Maserati fährt 210,
schwupp,  die Polizei hat’s nicht geseh’n.
Das macht Spaß!
Ich geb‘ Gas, ich geb‘ Gas!
. . . Will nicht spar’n,
will nicht vernünftig sein,
tank‘ nur das gute Super rein.
Ich mach‘ Spaß!
Ich geb‘ Gas, ich geb‘ Gas!
. . . Ich schubs die Enten aus dem Verkehr,
ich jag‘ die Opels vor mir her.
Ich mach‘ Spaß! Ich mach‘ Spaß,
ich mach‘ Spaß!
Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, fand das alles offenbar eher lustig. Der Bundestrainer, versuchte er zu beschwichtigen, sei ja schließlich kein Raser. Und überhaupt werde man demnächst darauf achten, dass Joachim Löw nur noch Dienstwagen mit Tempomat fahre.
Selten so gelacht!
Löw selbst stellte sich den Fragen der Journalisten lieber nicht. Auf die Berichterstattung darüber, dass er wegen wiederholten Überschreitens von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Handytelefonierens am Steuer für sechs Monate den Führerschein abgeben und sich irgendwann nach der WM einem „Idiotentest“ stellen muss, ließ er lediglich verlauten: „Ich habe meine Lektion gelernt und werde mein Fahrverhalten ändern.“
 Foto
Widerspruch, Herr Bierhoff! Und mindestens mal ernsthafte Zweifel, Herr Löw!
Denn erstens: Wer den Führerschein – übrigens zum zweiten Mal nach 2006 – verliert, weil er im Laufe der Zeit sage und schreibe 18 (in Worten: ACHTZEHN!!!) Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei angesammelt hat, der ist sehr wohl ein Raser und Verkehrsrowdy. Und zwar ein notorischer.
Und bevor die Bibelfesten jetzt mit dem obligatiorischen „Wer noch nie . . ., der werfe den ersten Stein“ kontern, sei gesagt: Na klar, jeder von uns ist schon einmal zu schnell gefahren. Auch ich habe ein paar Schwarz-Weiß-Fotos von mir, auf denen ich doof gucke, weil vorher niemand „Cheeeeeese!“ oder „Spagheeeeetiiiiie! gerufen hat. Aber in den 27 Jahren, die ich nunmehr Auto fahre, habe ich es auf EINEN Punkt in Flensburg gebracht. Nicht auf ACHTZEHN! Um diese Punktzahl zu erreichen, muss man in der Fußball-Bundesliga nur sechs Spiele gewinnen – im Straßenverkehr hingegen sehr häufig gegen die Regeln verstoßen. Löw scheint es also egal zu sein, dass er nicht nur sich selbst, sondern auch andere durch sein högschd verantwortungsloses Verhaltenin Lebensgefahr bringt. Gerade das Handytelefonieren ist inzwischen eine der häufigsten Unfallursachen – und mehr noch: Es ist häufig Ursache für besonders schwerwiegende Unfälle. Das Land Niedersachsen fährt genau deshalb gerade eine groß angelegte Aufklärungskampagne.
Und zweitens: Dass Löw seine Lektion gelernt hat, muss man ihm vorerst nicht glauben. Er hat sie ja auch nach dem ersten Führerscheinentzug (damals behauptete er noch: Jürgen Klinsmann habe ihn zur Eile getrieben!) nicht gelernt. Er hat sie nach den ersten Punkten auf seinem Flensburg-Konto nicht gelernt. Und nicht nach den nächsten Punkten. Auch noch nicht nach den übernächsten. Erst jetzt, da die Fleppe weg und die Angelegenheit an die Öffentlichkeit geraten ist, gibt er sich kleinlaut.
Konsequenzen muss Joachim Löw offensichtlich nicht befürchten. Niemand fordert seinen Rücktritt. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach liest ihm nicht die Leviten. Jedenfalls nicht öffentlich. Nur zur Erinnerung: Margot Käßmann, die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, musste seinerzeit unter dem Druck der Öffentlichkeit von allen Ämtern zurücktreten, als sie mit 1,54 Promille Alkohol im Blut hinter dem Steuer erwischt wurde. Nun kann man mit Recht sagen: Alkohol am Steuer – das ist noch einmal eine ganz andere Qualität! Aber ist wiederholte Raserei so viel weniger schlimm?
Letztlich geht es in solchen Diskussionen über Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens immer um zweierlei: die Vorbildfunktion und die Glaubwürdigkeit. Als Vorbild taugt Löw, dem man ja manchmal ein paar Ecken und Kanten in seinem aalglatten Auftreten wünschen würde (aber doch nicht solche!), nur noch bedingt. Und glaubwürdiger ist er auch nicht unbedingt geworden, wenn er zum Beispiel Max Kruse erklärt, dass Frauenbesuch auf dem Zimmer eines Nationalmannschafts-Hotels unerwünscht ist. Oder wenn er Kevin Großkreutz (übrigens mit Recht) maßregelt, weil der im besoffenen Kopf eine Hotellobby mit dem stillen Örtchen verwechselt hat.
Konsequenzen muss Löw nicht fürchten? – Vielleicht doch. Denn die Führerschein-Nummer hat sein Standing und seine Autorität geschwächt. Löw-Gegner, die sich ob der starken Position des Bundestrainers bisher allenfalls halbherzig aus dem Gebüsch getraut haben, werden künftig mutiger agieren. Und auch wenn das Eine mit dem Anderen letztlich nichts zu tun hat: Sollte es bei der WM nicht so laufen wie erhofft, wird seine üppige Punktausbeute Löw noch in Abstiegsgefahr bringen. Und das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch.
Advertisements

2 Kommentare zu “Högschd verantwortungslos!

  1. Hat dies auf Buchlounge rebloggt und kommentierte:
    Den Artikel reblogge ich gerne, denn ich finde es unmöglich, wie man beim DFB damit umgeht.

    Die jungen Spieler werden öffentlich kritisiert, in dem man ihnen sagt, dass sie Vorbildfunktion haben, aber wenn der Trainer wegen eine Menge Vergehen den Führerschein verliert, täuscht man mit einem blöden Grinsen darüber hinweg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s