Ciro Immobile: Keine Spielchen – außer auffem Platz

Zuvorderst: keine Wortspielereien mit seinem Namen! Die sind alle durch. Von „Ciro d’Italia“ über das „Cirokonto“ bis „Immobilescout22.de“ – wobei die Zahl als Anspielung auf jene 22 Treffer zu verstehen ist, die Ciro Immobile in der abgelaufenen Saison für den italienischen Serie-A-Klub FC Turin erzielte und sich damit zum Torschützenkönig krönte.

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Gewiss, ein Fußballprofi mit Nachnamen Immobile – da ist was doof gelaufen. Als Zahnarzt heißt man ja auch nicht gerne Bohrer. Immobile bedeutet übersetzt „unbeweglich“. Weil der 24-jährige Angreifer, der am Montagnachmittag einen Fünf-Jahres-Vertrag bei Borussia Dortmund unterschrieb, jedoch exakt das Gegenteil davon ist, nämlich äußerst beweglich, also „mobile“, darf man die Wortkreationen, die in den vergangenen Wochen ins Kraut schossen und längst nur noch langweilen, getrost einfrieren. Zumindest so lange, bis Immobile – was hoffentlich nicht passieren wird – seinem Namen verletzungsbedingt mal Ehre macht. Zu erwarten ist freilich das Gegenteil: dass Marcel Reif, Fritz von Thurn und Taxis & Co-Kommentatoren den Sommer über einen ganzen Stenoblock mit Immobile-Sprachblüten voll schreiben, um ihn mit Anpfiff des ersten Testspiels aufzuklappen und Eintrag für Eintrag akribisch abzuarbeiten.

Kann er Lewandowski ersetzen? – Nein, kann er nicht, aber . . .

Die alles entscheidende Frage ist doch ohnehin: Kann der 1,85 Meter große, physisch starke Stürmer den zum FC Buyern München wechselnden Bundesliga-Torschützenkönig Robert Lewandowski ersetzen? Klare Antwort: Kann er nicht! Jedenfalls nicht eins zu eins. Kann aber auch kein anderer. Mit dem Unterschied, dass viele der anderen, die es auch nicht können, noch einmal deutlich teurer gewesen wären als Ciro Immobile. Und der war mit einer Ablösesumme in undementierter Höhe von 19 Millionen Euro plus/minus ein bisschen schon der drittteuerste Transfer der BVB-Vereinsgeschichte. Noch tiefer griffen die Schwarzgelben allein für Henryk Mkhitaryan und Marcio Amoroso in die Tasche.

. . . die anderen, die es auch nicht können, sind mehr als doppelt so teuer!

Wer ist in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht alles als potenzieller Lewandowski-Nachfolger gehandelt worden: Mario Mandzukic, Diego Costa, Karim Benzema, Luis Suarez, Romelu Lukaku und – weil er vor laufender Kamera mit BVB-Trainer Jürgen Klopp gescherzt hat – natürlich auch Zlatan Ibrahimovic. Doch ganz abgesehen von der Frage, ob Klopp einen der Genannten überhaupt hätte haben wollen, ist, abgesehen vielleicht von Lukaku, keiner von ihnen für Borussia Dortmund finanzierbar. Wer in dieser Kategorie mitbieten will, steigt bei der Ablösesumme unter 40 Millionen Euro gar nicht erst ein. Für etwa diesen Betrag wird Diego Costa zum CL-Finalisten Atletico Madrid zum FC Chelsea wechseln. Und auch Immobiles Marktwert könnte schon während der WM in Brasilien weiter steigen. Deshalb war es wichtig und richtig, dass der BVB den Transfer noch vor Turnierbeginn wasserdicht gemacht hat.

Noch weit gravierender aber ist dies: Profis, die einmal bei einem der Scheich- oder Oligarchen-Klubs wie Paris, Monaco, Chelsea, ManU, ManCity, bei Real Madrid, dem FC Barcelona oder den Buyern als Leistungsträger unter Vertrag standen, ziehen unter 10 Millionen Euro Jahresgage morgens gar nicht erst die Schlafzimmer-Jalousie hoch. Mit einem solchen Gehalt würde sich der BVB sein Gefüge total zerschießen. Vor Michael Zorcs Bürotür würden aktuelle Leistungsträger wie Hummels, Reus, Mkhitaryan u.v.a. Schlange stehen und nachverhandeln wollen – getreu dem Motto: „Wenn der Neue so viel kriegt, will ich auch!“

Kommt auch noch Ginter, investiert der BVB 50 Millionen Euro in den Kader

Kurzum: Das ist nicht Borussias Preisklasse! Immobile bewegt sich schon im Grenzbereich. Zumal der BVB zuvor bereits rd. 10 Mio. € für seinen künftigen Sturmpartner Adrian Ramos (Hertha BSC) und 7 Mio. € für Rückkehrer Nuri Sahin (Real Madrid) überwiesen hat. Den Augsburger Dong-Won Ji gab’s ablösefrei; dafür wird noch einmal ein hoher einstelliger Millionenbetrag fällig, wenn es Sportdirektor Michael Zorc gelingen sollte, Defensivtalent Matthias Ginter in Freiburg loszueisen. In diesem Fall hätte der Vizemeister in der laufenden Wechselperiode fast 50 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Man darf Vorstandschef Hans-Joachim Watzke also getrost attestieren, dass er die angekündigte Transferoffensive in die Tat umgesetzt hat. Das ist durchaus eine Kampfansage – und es setzt Trainer und Team durchaus unter Druck.

Hinzu kommt: Anders als in den vergangenen Jahren (Sahin, Kagawa, Götze) stehen den Ausgaben diesmal keine nennenswerten Transfereinnahmen gegenüber. Jedenfalls bislang nicht. Was sich wiederum auf das Geschäftsergebnis auswirken und den einen oder anderen Aktionär vielleicht eher missmutig stimmen wird. Es sei denn, Borussia refinanziert die Investitionen über sportliche Erfolge, mit denen wiederum die Einnahmen steigen.

Mit Immobile/Ramos flexibler und variantenreicher 

Rein sportlich, so weit lehne ich mich aus dem Fenster, könnte der BVB mit dem Duo Immobile/Ramos am Ende sogar besser, weil flexibler und schwerer ausrechenbar, funktionieren als mit dem Duo Lewandowski/Schieber, das aufgrund fehlender Klasse und Torgefahr bei Schieber doch eher ein Solo war.

Ciro Immobile – diverse youtube-Videos leisten da gerne Aufklärungsarbeit – ist ein echter Vollstrecker mit Killerinstinkt. Keiner wie Lewandowski, der die 50-Meter-Pässe von Hummels, Sokratis oder Sahin mit dem Rücken zum Tor annimmt, behauptet und entweder selbst verarbeitet oder klug weiterverteilt. Der Italiener hält sich im „letzten Drittel“ des Spielfeldes auf. Seine Tore erzielt er mit rechts wie links, gerne aus der (Halb-)Distanz, aber auch per Kopf. Ein antrittsschneller Typ, der sich im Zweikampf robust behauptet. Mit Nebenleuten wie Reus und Mkhitaryan sollte er wunderbar harmonieren können und für den wieder genesenen Ilkay Gündogan ein dankbarer Passabnehmer sein.

Warum eigentlich Immobilie ODER Ramos?

Adrian Ramos hingegen ist ein Pressing- und Konterstürmer mit ausgewiesenen Stärken im Kopfballspiel, also auch bei Standards, bei denen der BVB zwar auch bisher schon gefährlich war – allerdings eher selten durch Lewandowski. Beide, Immobile und Ramos, sind in ihrer Spielweise so unterschiedlich, dass man sie sich nicht zwingend alternativ vorstellen muss. Sie könnten in einem 3-5-2 oder 4-4-2 auch neben- und miteinander funktionieren. Jürgen Klopp hat gegen Ende der Saison 2013/14 taktisch schon einige Male variiert. Möglich, dass er in Zukunft situations- und gegnerbezogen vom erfolgreichen, von den meisten Gegnern inzwischen aber gut analysierten 4-2-3-1, abweicht – und sei es, um im laufenden Spiel neue, zusätzliche Impulse zu setzen und den Gegner zur Reaktion zu zwingen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Von mir aus könnte es morgen schon wieder los gehen! (Auch) dank Ciro Immobile herrscht in Dortmund „anticipazione massima„. Maximale Vorfreude.

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