Die Gründe für Borussias „Gala“-Gala – und was das für die Liga bedeutet

BVB – FC Arsenal 2:0

RSC Anderlecht – BVB 0:3

Galatasaray – BVB 0:4

Drei Champions-League-Spiele, drei Siege, dreimal ohne Gegentor. Die Null steht – und vorne läuft’s. Warum nur in der Liga der Besten, warum nicht auch in der Liga der Weltmeister? Da lief’s vorne bislang nicht wie aus den Vorjahren gewohnt, davon, dass die Null steht, kann schon gar nicht die Rede sein.

Will sagen: Nun geht sie wieder los, die Debatte über die zwei Gesichter von Borussia Dortmund. Darüber, ob die Mannschaft nur in der Königsklasse, nicht aber im Bundesliga-Alltag voll motiviert, voll konzentriert, kurz: voll gallig sei. Eine Diskussion, die am Kern der bisherigen Saison allerdings so weit vorbei zischt wie mancher Distanzschuss am Tor.

Nein, es gibt keine zwei Borussias, sondern zwei Sportarten. Die Sportart in der Champions League heißt FUßBALL. Die Sportart in der Bundesliga heißt 11 GEGEN DIE GUMMIWAND. Fußball kann der BVB. Gummiwand kann er nicht so gut.

Im Klartext: Die Gegner in der Königsklasse spielen mit. Der FC Arsenal definiert sich seit Jahren über technisch versierten, kombinationsfreudigen Ballbesitzfußball. Der RSC Anderlecht war naiv genug, die Flucht nach vorne anzutreten, und „Gala“ musste nach nur einem Punkt aus zwei Partien bereits ein gewisses Risiko eingehen. Hinzu kommt: Alle Mannschaften in der CL, selbst Borissow, Maribor und Ludogorets, spielen in ihren Heimatligen eine dominante Rolle. Sie sind es gewöhnt, selbst initiativ zu werden. Sie sind nicht geübt darin, sich hinten reinzustellen. Das kommt einem Team wie dem BVB, der für sein blitzschnelles Umschaltspiel Räume benötigt, natürlich entgegen.

Punkt zwei: Von wegen Jürgen Klopp hat keinen Plan B! Der Trainer, der nach dem Köln-Spiel schwer enttäuscht und für den Moment auch ein wenig ratlos wirkte, hatte eben doch Rat. Weil die etatmäßigen Linksverteidiger Marcel Schmelzer und Erik Durm verletzt sind und die erste Alternative Kevin Großkreutz zuletzt etwas überspielt wirkte, nahm Klopp in Istanbul eine Anleihe bei Bundestrainer Joachim Löw. Der war mit dem Schalker Benedikt Höwedes, einem gelernten Innen- und Gelegenheits-Rechtsverteidiger, auf der linken Außenverteidigerposition Weltmeister geworden. Klopp verlieh seiner zuletzt wackligen Viererkette in Istanbul mit Sokratis auf Links deutlich mehr Stabilität. Der Grieche ist – genau: gelernter Innen- und Gelegenheits-Rechtsverteidiger.

Zweite Überraschung in der Startelf: Nicht Ciro Immobile spielte in der Spitze und auch nicht Adrian Ramos, sondern Pierre-Emerick Aubamayang. Der Gabuner, seit Wochen in Topform, allerdings meist über den rechten Flügel kommend, spielte in vorderster Linie seine Schnelligkeit und seinen Torriecher aus und netzte in der Anfangsphase zweimal eiskalt ein. Hinter ihm agierte eine Reihe mit drei „Zehnern“: Kagawa in der Schaltzentrale, Reus links, Mkhitaryan rechts, wobei die drei viel rochierten und Galatasaray auch durch Tempowechsel das Verteidigen schwer machten.

Und was bedeutet das für die Partie am Samstag gegen Hannover 96: Leider NICHTS – sieht man einmal davon ab, dass die „Krise“ medial vorerst nicht zur drohenden Apokalypse aufgeblasen wird. Und sieht man außerdem davon ab, dass der klare Zu-Null-Erfolg natürlich ein Stück Sicherheit und Selbstvertrauen zurück gibt. Letztlich aber wird am Samstag wieder 11 GEGEN DIE GUMMIWAND gespielt. Diese andere Sportart. Weil sich die Niedersachsen, nach zuletzt drei Niederlagen selbst in der Mini-Krise, wie schon der HSV, Stuttgart und Köln mit zehn Mann um den eigenen Strafraum aufbauen, auf Dortmunder Fehler warten und auf gelegentliche Konter setzen werden. Der BVB, namentlich Spieler wie Kagawa, Reus und Mkhitaryan, aber auch Ilkay Gündogan, der in Istanbul im Zusammenspiel der Edeljoker das 4:0 durch Ramos brillant vorbereitete, wird Geduld haben und beizeiten den Türöffner finden müssen. Das gelang gegen eine taktisch so ausgerichtete Mannschaft in dieser Saison erst einmal: beim 3:1 gegen Freiburg.

Es wird höchste Zeit für den zweiten Heimsieg. Denn die nächsten Gegner heißen FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach. Wobei: Die spielen ja auch lieber Fußball als Gummiwand.

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3 Kommentare zu “Die Gründe für Borussias „Gala“-Gala – und was das für die Liga bedeutet

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