Watzke gibt den Sammer. Nur sympathisch!

Es hätten mal wieder zwei dieser Schulterklopfer-Treffen werden können. So wie in den vergangenen Jahren, als die stets an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Ende November terminierten Versammlungen der Mitglieder von Borussia Dortmund und der Aktionäre der BVB KGaA im Überschwang sportlicher Erfolge und wirtschaftlicher Rekorde in voradventlicher Harmonie-Erbsensuppe ertranken.

Hätten. Werden. Können.

Schließlich steht der BVB in der Champions-League auf Platz eins der Gruppe und ist schon nach vier von sechs Spieltagen sicher für das Achtelfinale qualifiziert. Schließlich überwintern die Dortmunder auch im DFB-Pokal. Und schließlich – eine der größten Sportmanagement-Leistungen in Deutschland überhaupt – ist Borussia zehn Jahre nach der Quasi-Insolvenz vom Februar 2005 heute schuldenfrei und nicht nur das: Mit den neuen strategischen Partnern Puma, Evonik und Signal Iduna steht der Klub auch langfristig auf dem stabilsten Fundament ever. Everever!

Hätten. Werden. Können.

Wurden. Aber. Nicht.

Denn da gibt es ja dummerweise auch noch die Bundesliga. Das Kerngeschäft. Und da steht der BVB nach zwölf Spieltagen nicht auf Platz zwei oder drei. Auch nicht auf Platz 12 oder 13. Sondern auf Platz 16. Dem Relegationsplatz. Dem Platz, der nach 34 Spielen eine Saisonverlängerung bedeuten würde, die es zuletzt 1986 gab. Und auf die jeder verzichten kann.

Es gab also am Sonntag und heute in der Westfalenhalle keine Harmoniesuppe, sondern langen Hafer. Langen Hafer für die Mannschaft, die es nicht mehr kennt, auf so trockenem, spröden Zeug herum zu kauen. Der, der ihn verteilte, ist Vorstandsvorsitzender der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Er ist derjenige, der den BVB Ende 2004 gemeinsam mit Präsident Dr. Reinhard Rauball in nahezu aussichtsloser Situation übernahm und wieder in die nationale und sogar europäische Spitze führte. Er heißt Hans-Joachim Watzke – und er gab am Sonntag/Montag den Matthias Sammer. Den größten Kritiker in den eigenen Reihen. Den Mahner. Ein bisschen auch den Motzki. Nur in sympathisch. Watzke fand die richtigen Worte und – wichtiger noch – die richtige Tonlage. Wie man dem BVB-Boss überhaupt attestieren darf, dass er sich in den zurückliegenden Jahren zu einer echten „Rampensau“ entwickelt und – ob nun im Sport1-Doppelpass, ob im ZDF-Sportstudio oder bei Sky – durch seine sachlichen und humorvollen Auftritte viele Pluspunkte eingesammelt hat.

Einige KERNAUSSAGEN von Hans-Joachim Watzke . . .

. . . aus der MITGLIEDERVERSAMMLUNG

Zum Spiel in Paderborn:

„Es war gestern schon enttäuschend zu sehen, dass unsere Mannschaft in der ersten Halbzeit sehr souverän und sehr routiniert das Spiel bestimmt und dominiert hat und dann – und das ist ein Problem, darüber müsst Ihr (die Spieler/d. Autor) euch im Klaren sein –, möglicherweise in Erwartung eines sicheren Sieges so ein bisschen auf Verwaltungsmodus umschaltet. Das können wir uns in der jetzigen Situation als Borussia Dortmund an 15. Stelle einfach nicht leisten. Da müsst Ihr nachsetzen wie Ihr das früher gemacht habt. Dabei kann euch auch keiner helfen; kein Trainer, keiner von uns allen.“

Zur sportlichen Situation:

„Ich war diese Woche viel unterwegs, und auf jedem Flughafen der Welt sagen die Leute: ’Macht euch keine Gedanken. Ihr habt ’ne tolle Mannschaft, das wird schon wieder.’ – Glaubt das nicht, bitte! Denn wenn du nach zwölf Spieltagen in der Liga da stehst, wo wir jetzt stehen, waren das nicht bloß böse Mächte, sondern es war auch unser eigenes Verschulden.“

Zur Verantwortung der Mannschaft:

„Natürlich haben wir eine extrem gute Mannschaft, aber Ihr müsst es trotzdem jede Woche beweisen. Es muss für euch auch eine Verantwortung sein. Es muss für euch die Verantwortung sein, euch für uns alle, für euch, aber auch für alle bei Borussia Dortmund, wirklich die nächsten Wochen extremst zu konzentrieren, ganz konsequent zu sein. Denn wir müssen aus diesen Rängen der Bundesliga so schnell wie möglich raus!“

Zur Rückendeckung durch die Fans und Mitglieder:

„Und wenn Ihr, irgendwann, in absehbarer Zeit, der Eine oder Andere von euch, mal wieder mit dem Angebot eines anderen Vereins konfrontiert werdet, dann macht mal für einen Moment die Augen zu und denkt daran, wie ihr heute als Tabellenfünfzehnter von den BVB-Menschen empfangen worden seid.“

. . . aus der AKTIONÄRSVERSAMMLUNG

Zu aktuellen Misserfolgen und langfristigem Erfolg:

„Ich bin am Samstag mit einer gewissen Frustration aus Paderborn weggefahren, und das hat sich auch über Nacht nicht dramatisch verbessert. Aber dann habe ich zurückgeblickt auf das, was wir in den vergangenen zehn Jahren geschafft haben. Das ist ja zweifellos eine der größten Geschichten, die im Fußball je geschrieben wurden: von ganz, ganz unten, von Ground Zero nämlich, zu einem Klub zu werden, der wieder sportlichen Erfolg und keine Schulden mehr hat. Wenn man sich das vor Augen führt, gibt einem das doch wieder Kraft.“

Zur Mentalität von Borussia Dortmund:

„Der Weg des BVB war immer der Weg, den die Menschen im Ruhrgebiet generell gegangen sind. Er ist immer von mehr Schweiß getränkt worden als anderswo. Unser Fußball funktioniert über Laufbereitschaft und Kampfgeist. Wer glaubt, er müsse Fußball nur noch verwalten, der ist dann vielleicht an der falschen Stelle und muss woanders sein Glück suchen.“

(Beitragsbild: Screenshot vom Livestream auf bvb.de)

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2 Kommentare zu “Watzke gibt den Sammer. Nur sympathisch!

  1. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, hat ja schon ein ehemaliger BVB-Trainer namens Otto Rehhagel orakelt. Und damit lag und liegt er gar nicht so falsch.

  2. Pingback: Borussia Dortmund frisch zitiert #23 > Borussia Dortmund > Abstiegskampf, BVB, Champions League, Frisch zitiert, Hans-Joachim Watzke, Saison 20142015

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