105 Jahre BVB – eine Erinnerung an das Geburtstagsspiel: Heiße Schauer bei klirrender Kälte

Am 19. Dezember 2014 wird Borussia Dortmund 105 Jahre alt. Und während ein Team um Marc Quambusch, Jan-Henrik Gruszecki und Gregor Schnittker gerade die Dreharbeiten für den Film um Gründer Franz Jacobi abgeschlossen hat („Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“, Premiere Mitte März 2015, Info: http://franz-jacobi.de, Kino-Trailer: http://goo.gl/cLk35h), möchte ich noch einmal an das 100-Jährige am 19. Dezember 2009 erinnern. Ich habe das Kapitel aus meinem Buch „Jetzt muss ein Wunder her – die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB“ als Blogbeitrag eingestellt. Das ganze Buch gibt’s hier:

http://goo.gl/QLOC52 und hier

http://goo.gl/0WKSn5

Und jetzt viel Spaß beim Lesen!

Borussia Dortmund – SC Freiburg 1:0 (1:0)g

(19. Dezember 2009, 17. Bundesliga-Spieltag)

„Kalt“ wäre nun wirklich nicht das richtige Adjektiv. Es war nicht kalt am 19. Dezember 2009. Es war schweinekalt. Oder noch genauer: oberschweinekalt. Die Quecksilbersäule im Thermometer zeigte bei Spielbeginn zwölf Grad. Minus zwölf Grad. Bei Spielende mag es noch etwas kälter gewesen sein, und in der Erinnerung der 80.100 Zuschauer, die live dabei waren, als der ruhmreiche BVB am Tag seines 100. Geburtstages den SC Freiburg empfing, kommt mit jedem Jahr ein weiteres Minusgrad hinzu.

Rückblende:

Ein Jubiläumsspiel hatte sich die Borussia auf den Tag genau vier Monate vorher, am 19. August 2009, bei deutlich milderen Temperaturen gegönnt. Gegen Real Madrid. 75.000 Zuschauer bildeten dabei die größte Freundschaftsspiel-Kulisse der Bundesliga-Geschichte. Esteban Granero (3.), Arjen Robben (48.), Gonzalo Higuain (73.), Kaka (76./Foul-11m) und Cristiano Ronaldo (89.) sorgten für einen 5:0 (1:0)-Kantersieg der Spanier, in deren Reihen der Ex-Dortmunder Christoph Metzelder bei seiner Rückkehr an die Strobelallee gefeiert wurde. Es war, bevor er das königsblaue Trikot des FC Schalke 04 überstreifte.

Nun also das echte Jubiläums-, das Geburtstagsspiel. Es war oberschweinekalt, und das erste Duell war bereits entschieden, bevor Schiedsrichter Peter Sippel die beiden Mannschaften um 15.30 Uhr auf den Platz führte: Die Rasenheizung hatte es gegen den Frost verloren. Das Spielfeld war knüppelhart gefroren, ein reguläres Fußballspiel im Grunde gar nicht möglich. An jedem anderen Tag wäre die Partie vermutlich abgesagt worden – aber wer hätte es wagen wollen, d i e s e s Spiel abzusagen?! An d i e s e m Tag. Bei d i e s e m Programm, an dem die Fangruppen und der BVB im Vorfeld monatelang getüftelt und gewerkelt hatten.

Insbesondere den Mitgliedern von „Jubos“ und „The Unity“ war es zu verdanken, dass die Fans an diesem Tag trotz klirrender Kälte wieder und wieder heiße Schauer überliefen. Monate vorher hatten sie damit begonnen, Spenden zur Finanzierung einer Choreographie historischer Güte einzusammeln. Seit August hatten sie in hunderten Arbeitsstunden gemalt, geklebt, gebastelt. Das Ergebnis war spektakulär – und unmittelbar vor Spielbeginn zu bestaunen. Zu den Klängen von „Leuchte auf mein Stern Borussia“ zogen die Anhänger eine riesige Plane mit dem BVB-Logo über die gesamte Breite und Höhe der Südtribüne. Und dann zogen sie an einer Seilkonstruktion vor der Silhouette der Stadt Dortmund eine überdimensionale Ansammlung schwarz-gelber Helden hinter dem Tor in die Höhe. Darunter Gründervater Franz Jacobi, Spieler wie August Lenz, Lothar Emmerich, Norbert Dickel und Michael Zorc – Lars Rickel reckte den Champions-League-Pokal in die Höhe, „Aki“ Schmidt den DFB-Pokal, Wolfgang Paul den Europacup der Pokalsieger, und über allen schwebte gleichermaßen, mit der Meisterschale in der Hand, Alfred „Adi“ Preißler.

Ganzkörpergänsehaut.

Das Spiel, das der BVB in goldfarbenen Trikots bestritt, die den „Flutlicht-Trikots“ vom legendären 5:0 über Benfica Lissabon aus dem Jahr 1963 nachempfunden waren, hatte nicht den Heizwert des Drumherum. Kevin Großkreutz scheiterte in der elften Minute mit der ersten klaren Chance an Freiburgs Keeper Simon Pouplin. In der 19. Minute war es abermals der Ur-Evinger, der mit Marcel Schmelzer Doppelpass spielte, und die präzise Flanke des Linksverteidigers köpfte Lucas Barrios aus fünf Metern Entfernung zum 1:0 ins Tor. Viel mehr passierte nicht. In der zweiten Halbzeit waren ein nicht gegebener Elfmeter nach Foul von Pouplin an Großkreutz und das Comeback von Dede nach mehrwöchiger Verletzungspause schon die Höhepunkte. Immerhin: Durch den Sieg kletterte die Borussia zu Weihnachten auf Platz fünf der Tabelle und damit in die Europa-League-Ränge. Exakt dort lief das Team von Jürgen Klopp auch bei Saisonende ein und qualifizierte sich für den internationalen Wettbewerb.

Warm ums Herz und sogar in den zwischenzeitlich eingefrorenen Zehenspitzen wurde den Fans wieder nach dem Schlusspfiff. Unter einem gigantischen weißen Ballon, der über dem Mittelkreis schwebte und als Projektionsfläche für eine Lasershow mit historischen Szenen diente, sang der eigens gecastete BVB-Jahrhundertchor, spontan verstärkt durch Kevin Großkreutz, die eigens komponierte Jubiläumshymne:

Das Fußballherz schlägt hier – Bee-vau-bee,

schon seit hundert Jahren;

in Schwarz und Gelb steh’n wir,

hier steh’n wir – Bo-rus-siaaa!“

Ganzkörpergänsehaut

Pyrotechnik, Funkensprühen, Feuerwerk – und dann wurde es noch einmal laut, als die ganze Mannschaft zum Chor stieß und die 80.100 mit wahrer Inbrunst „Heja, BVB!“ anstimmten.

Ist das Spiel gewonnen,

dann kann man es versteh’n;

der BVB, der BVB

wird niemals untergeh’n.“

Ganzkörpergänsehaut

Für einige Tausend Fans waren die Geburtstagsfeierlichkeiten damit noch lange nicht beendet. Sie wechselten vom Signal Iduna Park direkt in die Westfalenhalle zur 100-Jahr-Gala mit vielen ehemaligen BVB-Stars, mit Comedian Atze Schröder, Entertainer Udo Jürgens. Mit noch einmal „Leuchte auf mein Stern Borussia“ und noch einmal dem Jahrhundertchor. Ein Abend mit Momenten, die vielen Fans Tränen der Rührung in die Augen trieben. Ein Abend mit ohne Ende . . .

. . . Ganzkörpergänsehäuten

Wie Borussias Fans die 100-Jahr-Feier im Stadion empfunden haben.

(Quelle: Kommentare zum Video, das schwatzgelb.de bei Youtube hochgeladen hat)

„Mein Gott, ist das toll. 😮 Wahnsinn!“

(Marvelous Effect)

„Das war der geilste Moment in meinem BVB-Leben!!!“

(bvb190998)

„Gott, war das kalt an diesem Tag. Minus 12 Grad. Aber nach der Show war mir warm wie sau.“

(Schass)

„Von diesem Tag werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen. 100 Jahre echte Liebe.“

(borussiabvb09)

„Das ‚Heja, BVB!’ am Ende war einfach nur saulaut und emotional.“

(DaShaker1000)

„Schade, dass ich die 200 nicht mehr miterlebe.“

(Dustin S)

Advertisements

Ein Kommentar zu “105 Jahre BVB – eine Erinnerung an das Geburtstagsspiel: Heiße Schauer bei klirrender Kälte

  1. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 51 in 2014 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2014

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s