Die Advents-WM 2022 in Katar: Eine Wutrede!

(Beitragsbild: Screenshot http://www.fifa.com)

Um das eingangs gleich mal klar zu machen: Das eigentlich Fatale an der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar ist nicht, dass sie nun im Herbst/Winter stattfinden wird. Das eigentlich Fatale ist nicht, dass die Ligen weltweit und die Profiklubs, die in ihnen spielen, durch die Verschiebung vor Billionen Probleme gestellt werden, deren Bewältigung sie Millionen Euro kosten wird. Das eigentlich Fatale ist nicht einmal, dass Trainer und Spieler die Fehlplanung letztlich ausbaden müssen. Es ist auch nicht fatal, dass Public Viewings statt bei Pils und Pommes unter sommerlicher Sonne nun wohl bei Glühwein und Lebkuchen unter schweren Schneewolken stattfinden müssen. Denn seien wir mal ehrlich: Die Interessen der Fans spielen in den Planungen des Fußball-Weltverbandes schon lange keine Rolle mehr. Fans sind ein notwendiges Übel. Betonung auf „Übel“.

Nicht der Zeitpunkt ist das Fatalste, sondern die Vergabe an sich

Nein, das wirklich Fatale an der WM 2022 ist und bleibt, dass sie in Katar stattfindet. In einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt. Das Arbeiter ausbeutet, um seine größenwahnsinnigen Phantasien auszuleben; sie auf Baustellen zu Tode quält. Ein Land, das Menschen ausgrenzt, weil sie einer anderen Religion als dem Islam angehören; weil sie als Frau statt als Mann zur Welt kamen; weil sie schwul oder lesbisch sind. Ein Land, das von freiheitlich-demokratischen Grundsätzen so weit entfernt ist wie die Menschheit von der Besiedelung des Mars‘. Ein Land, so klein wie Hessen. Man erinnere sich an 2006 – an die Sicherheitsdiskussionen im Vorfeld der WM in Deutschland. An die Bedenken der Experten und ihre Angst vor dem räumlichen Zusammentreffen rivalisierender Anhänger aus Deutschland und Polen, aus England und den Niederlanden. In Katar werden sich die Anhänger schon deshalb auf der Pelle hocken, weil es anders gar nicht geht. Immerhin aber darf man davon ausgehen, dass die Sicherheitskräfte, geübt darin, Paare festzunehmen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit küssen, schon beim Verdacht aufkeimender Aggressionen bedingungslos und radikal eingreifen werden. Spätere Peitschenhiebe nicht ausgeschlossen.

Das Hitzeproblem „übersehen“? – Lächerlich! 

Es ist praktisch nicht möglich, über die WM 2022 zu schreiben, ohne dabei in Rage zu geraten. Wie kann ein Sportverband – und die Fifa ist bedauerlicherweise weder der erste noch der einzige – überhaupt ernsthaft in Erwägung ziehen, sein wichtigstes Turnier an ein solches Land zu vergeben?! Und wie können die Spitzenfunktionäre einer Ausdauer-Sportart wie Fußball „übersehen“, dass die Idee, eine WM in einem Land zu spielen, in dem zum Turnier-Zeitpunkt Außentemperaturen zwischen 40 und 50 Grad herrschen (wohlgemerkt: Celsius – nicht Fahrenheit), vielleicht nur mittelgut ist?! Sie können das nur – und das ist die allereinzigste aller denkbaren Erklärungen –, weil die Scheichs kübelweise Kohle ausgeschüttet haben.

Schon aus diesen Gründen gibt es nur eine Möglichkeit, mit der WM 2022 in Katar umzugehen: sie ignorieren!

Aber auch aus anderen, untergeordneten Gründen. Die ergeben sich aus dem unfassbar kreativen Ausweg, den eine Expertenkommission jetzt nach einer sechsmonatigen (!) Phase intensivsten Nachdenkens empfohlen hat: der Verlegung der WM vom Sommer in den Herbst/Winter. Vom 26. November bis zum 23. Dezember 2022 soll das Turnier demnach stattfinden. Bedeutet: Um die übliche und zweifelsfrei auch notwendige dreiwöchige Vorbereitung der Nationalmannschaft zu gewährleisten, müssen Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal Ende Oktober den Spielbetrieb einstellen. Bedeutet aber auch: Die sieben Wochen, die dann fehlen, müssen die Ligen und Verbände irgendwie wieder reinholen – also vorziehen oder hinten dran hängen. Bedeutet wiederum: Entweder beginnt die Saison 2021/22 nach verkürzter Sommerpause deutlich früher als sonst – was zur Folge hätte, dass viele, viele Fans noch in den Sommerferien sind. Oder sie dauert deutlich länger als sonst – was bedeutet, dass viele, viele Fans schon in den Sommerferien sind. Oder man verzichtet auf die Winterpause – was den WM-Teilnehmern allerdings nicht zuzumuten ist. Andererseits: Schließt sich an die WM-Pause auch noch eine Winterpause an, hätten die Nicht-WM-Teilnehmer von Ende Oktober bis Ende Januar drei Monate spielfrei. Mitten in der Saison. Das ist gaga!

König Fußball stürzt auch andere Sportarten in Probleme

Zu den Terminproblemen der Fußballer kommen Terminprobleme, die sich für andere Sportarten durch die Überschneidungen ergeben. Biathleten, Bobfahrer, Skiläufer und -springer und deren Sponsoren werden schwer begeistert sein, wenn das Fernsehen im November/Dezember 2022 flächendeckend Fußball überträgt und seine Zuschauer in Sachen Wintersport auf die Livestreams im Internet verweist. Und was ist mit den unteren Spielklassen. Spielen zweite und dritte Liga und Amateure weiter – dann vermutlich vor leeren Rängen, weil die Zuschauer lieber WM gucken?

Advent: Zeit der Besinnung und der Elfmeterschießen

Und schließlich: Der Dezember ist Adventszeit. Zeit, die viele Menschen in der christlichen Welt gerne mit der Familie verbringen. Eine Zeit, in der es heute schon schwer fällt, dem Stress ein paar Stunden der inneren Einkehr und Besinnung abzutrotzen. Ich freue mich jetzt schon auf die Diskussionen in den Familien, wenn Frau und Kinder über den Weihnachtsmarkt bummeln wollen und Papa sagt: „Geht leider nicht – bei der WM spielt der Iran gegen Nigeria.“ Warum eigentlich haben sich die Kirchen zum Mega-Schwachsinn einer Dezember-WM noch nicht geäußert. Warum hat der Papst, der sonst ja nicht einmal davor zurückschreckt, Tipps zur Kindererziehung zu geben, noch nicht Alarm geschlagen? Das würde zwar auch nichts ändern, weil Gott ja allenfalls ein abhängig Beschäftigter des allmächtigen Fifa-Chefs Sepp Blatter ist. Aber hören möchte man es doch!

Bevor mein Blutdruck deutlich über den oberen Grenzwert hinaus schießt: Es gibt nur einen Weg, mit dieser WM 2022 umzugehen. Man muss sie ignorieren!

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2 Kommentare zu “Die Advents-WM 2022 in Katar: Eine Wutrede!

  1. Gibt’s einen Teilnahmezwang? Wie wär es, wenn die Mitgliedsverbände der UEFA diese Wüsten-WM einfach aus Ihrem Terminkalender streichen. Aber das bleibt wohl Utopie. Am Ende werden Sie alle, weil es eben um Kohle geht, doch in Katar kicken und ein paar Krokodilstränen wegen der ach so schlimmen Menschenrechtsverletzungen vergießen. Ein Tor (das passt ja!), wer an so einen Boykott glaubt…

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