19,09 Gründe, warum der BVB ins Pokalfinale einzieht!

DFB-Pokal-Halbfinale, Part I: FC Bayern München – Borussia Dortmund. Manch einer sagt: der deutsche Clásico. Andere würden, wäre da nicht schon #MayweatherPacquiao in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai (schnell den Sky-Frühbucherrabatt sichern!!!), vom „Kampf des Jahrhunderts“ sprechen. Jedenfalls: Es kann nur einen geben. Den BVB!

1. Die Hose, die Jürgen Klopp heute Abend tragen wird, hat – kaum sichtbar, aber doch vorhanden – am linken Bein ein kleines Loch.

2. Für den – kaum zu erwartenden – Fall, dass der FC Bayern den BVB ins Elfmeterschießen zwingen sollte, hat Borussias Zeugwart einen hölzernen Klappstuhl mitgenommen.

3. Batman und Robin.

4. Sämtliche zehn Pokalspiele mit Mitch Langerak im Tor hat Borussia Dortmund gewonnen.

5. Mit Mitch Langerak im Tor ist der BVB gegen den FC Bayern München ungeschlagen.

6. Der kleine Philipp muss um 22 Uhr aus dem Bälleparadies abgeholt werden.

7. Der kleine Mario muss um 22 Uhr aus dem . . .

8. Die Blumen, die Kalle Rummenigge eigentlich für den Abschied von Jürgen Klopp gedacht hat, finden so als Glückwunsch-Strauß zum Finaleinzug doch noch Verwendung.

9. Den Pokal braucht Borussia als Blumenvase.

10. Ein Endspiel zwischen dem FC Audi München und dem VfL Golfsburg würde die Krise im VW-Konzern weiter verschärfen.

11. Dante.

12. Ein Schuss, kein Tor – die Bayern. DIE BAYERN!

13. Ulla liebt Jürgen, aber niemand mag Matthias.

14. Robben können gar nicht Fußball spielen.

15. Die Vitrine von Bastian Schweinsteiger ist voll – in der von Marco Reus ist noch reichlich Platz.

16. FC Bayern 2012/13 = 3 Titel. FC Bayern 2013/14 = 2 Titel. FC Bayern 2014/15 = 1 Titel (und der steht schon fest).

17. Nur ein Pokalsieg des BVB gewährleistet, dass der FC Bayern auch 2015 wieder den Supercup verdaddelt.

18. Nur ein BVB-Erfolg in München garantiert, dass Markus Lanz in seiner Talkrunde komplett durchdreht.

19,09. Der Ball ist rund und der Pokal hat seine eigenen Gesetze!

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Einfach mal danke sagen. Danke, Herr Klopp!

. . . ist das Spiel gewonnen, dann kann man es versteh’n,
der BVB, der BVB wird niemals untergeh’n!

Machen wir’s kurz: Wer heute in der Erwartung ins fliggwerk gekommen ist, die wahrscheinlich eintausendneunhundertundneunte Einschätzung zu Jürgen Klopps Abschied aus Dortmund zu erhalten, kann bei null weiterklicken. Drei, zwei, eins . . . Schön, das Ihr vorbeigeschaut habt. Uuuund Tüss!

Ganz recht: Ich kneife!
Ich drücke mich um eine Meinung herum. Weil ich nämlich keine habe. Keine klare. Was weiß denn ich, ob es nun besser oder vielleicht doch gar nicht mal so gut ist, dass Klopp am Ende dieser zähen Saison nach sieben mehrheitlich überragenden Jahren, nach dem verflixten siebten Jahr also, vorzeitig geht.
Objektiv betrachtet, spricht manches dafür, dass der Trainer in seiner finalen Entscheidung richtig liegen könnte.
Subjektiv fühlte sich der Tag heute scheiße an.
Objektiv betrachtet ist es völlig korrekt, dass Borussia Dortmund seine Pressemitteilung mit „BVB erfüllt Jürgen Klopps Wunsch nach vorzeitiger Vertragsbeendigung“ überschreibt. Pressemitteilungen sind so. In Pressemitteilungen muss selbst „Fukushima“ wie „Erdbeeren mit Schlagsahne“ klingen.
Subjektiv liest sich die Pressemitteilung so:

Klopp. Wirft! Hin!!!
Die. Fetten. Jahre. Sind. Vorbei.
DieWeltgehtunter.DieApokalypsekommtüberdenschwarzgelbenTeilderMenschheit.NiewiederwirdüberdemWestfalenstadiondieSonneaufgehen!

Nur eine einzige Meldung könnte noch schlimmer sein als diese:
„Jürgen Klopp neuer Trainer bei Rasendingsbums Leipzig“
Aber das ist natürlich Unfug, kompletter!

Gottlob kann man an Tagen wie diesem auch noch etwas anderes tun als „Scheiße“ brüllen. Zum Beispiel: Einfach mal „danke“ sagen. Danke, Jürgen Klopp, für eine großartige Zeit! Danke für sechs Jahre Vollgasfußball. Danke für sieben Jahre voller Emotionen. Danke dafür, dass Sie uns Borussen die Idee von der Fußball-Romantik vorgelebt haben. Danke für eine Meisterschaft, ein Double, zwei Supercup-Siege, ein Champions-League-Finale.

Dankenswerterweise, ich habe das verschiedentlich schon erzählt und geschrieben und verzichte deshalb auf neuerliche Details, durfte ich all das auch noch gemeinsam mit meinen Söhnen erleben. Der Große war elf, der Kleine neun Jahre alt, als Borussia 2011 den ersten Titel unter Klopp gewann. Wir waren dabei. Wir waren dabei, als der BVB im Jahr darauf das Double gewann. Das Pokalfinal-Wochenende in Berlin als Papa-Sohn-Ausflug; im Jahr darauf Wembley als Papa-Sohn-Ausflug. Wir waren kein Stück enttäuscht nach dem verlorenen Champions-League-Finale, sondern stolz, das schwarzgelbe Trikot zu tragen. Wir haben zweimal Real Madrid aus dem Stadion gebrüllt, sind gegen Málaga komplett durchgedreht. Wir haben Meisterrasen ausgegraben – und hegen und pflegen ihn noch heute in einem Kübel auf der Terrasse. Wenn meine Jungs irgendwann einmal auf ihre Kindheit zurück blicken, wird Jürgen Klopp darin immer wieder vorkommen. Und vielleicht auch ich. Es werden gute Erinnerungen sein. Die Zeugnisse dieser Erlebnisse hängen als Fotocollagen in unserem Treppenhaus. Meine Frau wollte das erst nicht. Nun ja, sie ist EINE Frau – wir sind DREI Männer.

Jedenfalls, danke für das alles, Jürgen Klopp

Natürlich fragen wir uns seit Saisonbeginn, warum es plötzlich nicht mehr läuft. Wir fragen uns, was passiert ist mit Klopp und mit der Mannschaft und zwischen Klopp und der Mannschaft. Wir fragen uns, wie das alles begann – und wissen es nicht. Aber wir wissen, WANN es begann. Es begann in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 2014 im Berliner Kraftwerk. Wenige Stunden zuvor hatte Borussia Dortmund das DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern München mit 0:2 nach Verlängerung verloren. Wobei: Um der vollen Wahrheit die Ehre zu geben – der BVB hatte gar nicht verloren. Er hatte 1:0 gewonnen. Durch einen Kopfball von Mats Hummels, den alle im Stadion außer den Schiedsrichtern dort gesehen hatten, wo er war: hinter der Linie.
Man hatte den BVB also um den Pokalsieg betrogen, und entsprechend war die Stimmung, als Jürgen Klopp mit der Mannschaft zu vorgerückter Stunde auf die Bühne des Kraftwerks stieg. Mit letzter Kraft hielt der Trainer eine große, eine großartige, aufrüttelnde Trotzrede. Doch wer in die Gesichter der Spieler blickte, der wusste: Die Enttäuschung über diese Niederlage saß so tief, dass es lange, sehr lange dauern würde, sich davon zu erholen. Wahrscheinlich wusste auch Klopp das, und vielleicht hat er sich seither immer wieder mal gefragt, ob er nicht doch einem der Angebote aus England hätte folgen sollen. Jedenfalls: Seither wirkten Trainer und Mannschaft nie wieder als die unzertrennbare Einheit, die sie jahrelang gebildet hatten. Und irgendwie fehlte auch Klopp seither der Zauber, die Magie. Irgendwie hatte man seither das Gefühl, dass er einfach nur ein guter Trainer ist.

Ganz gleich, was in den nächsten Wochen noch passiert: Der letzte Spieltag, das letzte Heimspiel des BVB gegen Werder Bremen, wird tränenreich. Wäre es ohnehin geworden, weil Sebastian Kehl nach 13 Jahren bei der Borussia seine Laufbahn beendet. Nun muss der „Capitano“ sich die Abschieds-Show teilen. Teilen mit Jürgen Klopp. Mir kommen bei dem Gedanken an den 23. Mai jetzt schon die Tränen. Dass an diesem Tag irgend jemand das Stadion ohne gerötete Augen verlassen wird, ist nicht vorstellbar.

Und dann: Kommt ein neuer Trainer. Und das Leben geht weiter. Und dieser neue Trainer wird Thomas Tuchel heißen. Hoffe ich jedenfalls. Weil nach meinem Dafürhalten nur zwei Trainer überhaupt in Frage kommen: Tuchel und Gladbachs Lucien Favre – doch der ist zurzeit nicht zu haben. Tuchel schon. Und Tuchel wäre eine gute Lösung. „Schwieriger Typ“ – sagen viele. Hallo!!! Welcher gute Trainer ist nicht schwierig?! Wer sagt, dass Klopp nicht schwierig ist? Oder Guardiola. Mourinho. Van Gaal. Oder früher: Weisweiler, Lattek, Happel, Rehhagel. Alle schwierig. Und Borussia Dortmund ist ja auch ein schwieriger Verein. Aber eben auch einer, der schwierige Phasen meistert. Das hat der BVB immer wieder bewiesen. Das steht ja sogar in seinem Vereinslied:

. . . aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n,
Borussia Dortmund wird nie untergeh’n!

Der BVB und die Relativitätstheorie

Erfolg ist messbar. Jedenfalls im Sport. Doch auf dem Weg zum Erfolg ist vieles RELATIV – und noch mehr relativiert sich im Laufe einer Spielzeit.

Vom FC Augsburg etwa erzählte man sich unlängst noch, er spiele eine überragende Saison. Die fand Anfang Februar mit dem 1:0 beim kriselnden BVB ihren vorläufigen Höhepunkt. Das Team von Markus Weinzierl kletterte auf Rang vier – punktgleich mit dem Tabellendritten Borussia Mönchengladbach. Von Champions League war plötzlich die Rede. Nicht in Augsburg, wohlgemerkt. Aber um Augsburg herum. Seither hat der FCA aus neun Spielen schlappe 6 von 27 Punkten geholt. Fünf von ihnen, was RELATIV gut ist, gegen Spitzenteams: Wolfsburg, Leverkusen und Schalke. Von Champions League spricht dennoch längst niemand mehr. Nicht in Augsburg und auch nicht mehr um Augsburg herum. Längst ist sogar die Europa League in Gefahr. Ganz gleich, wie’s ausgeht: Am Ende wird der FCA eine starke Saison gespielt haben – eine „überragende“ aber wohl eher nicht.

Von Werder Bremen erzählte man sich unlängst noch, das Team sei nach mehreren vergeblichen Anläufen 2014/15 endgültig und todsicher reif für die zweite Liga. Wie zum Beweis, rutschten die Hanseaten am 16. Spieltag durch ein 1:4 in Gladbach auf den letzten Tabellenplatz ab. Trainer Robin Dutt hatte man zu diesem Zeitpunkt schon geschasst; Victor Skripnik hatte übernommen. Er feierte gegen Aufbaugegner BVB den ersten Sieg, legte gegen Hertha, in Hoffenheim, gegen Leverkusen und Augsburg nach und verlor auch auf Schalke nicht – 16 von 18 Punkten aus sechs Spielen. Plötzlich sprach man an der Weser wieder von der Europa League und tut es noch – auch wenn längst so etwas wie Normalität eingekehrt ist (5 von 18 Punkten aus den letzten sechs Spielen; zuletzt ein RELATIV unglückliches 2:3 beim Schlusslicht Stuttgart). Egal, wie’s ausgeht: Am Ende werden sie in Bremen mit der Saison RELATIV zufrieden sein.

Oder nehmen wir Hoffenheim: Tolle Offensive, dazu endlich auch defensiv stabilisiert. Ein Kandidat für Europa folglich – hieß es in der Anfangsphase der Saison und heißt es noch. Doch inzwischen sind’s schon wieder 45 Gegentore. RELATIV viele. Zuletzt gab’s drei in Köln. Formkurve fallend.

Irgendwo im Niemandsland der Tabelle, hinter Augsburg, Hoffenheim und Bremen, DERZEIT NOCH hinter Augsburg, Hoffenheim und Bremen: der BVB. Der spielt ohne jedes Wenn und Aber eine grausige Saison, und man darf trefflich darüber diskutieren, ob es denn überhaupt als Erfolg zu werten wäre, wenn sich das Team von Trainer Jürgen Klopp auf der Zielgeraden noch für die Europa League qualifizieren würde. Und doch winkt der Borussia ein RELATIV glimpflicher Ausgang einer Spielzeit, über die man eigentlich das Deckmäntelchen des Schweigens ausbreiten müsste.

Beim 1:3 in Mönchengladbach wirkte das Team zuletzt derart vitaminarm und blutleer, dass selbst dem sonst so besonnenen Sportdirektor Michael Zorc der Kragen platzte. Kapitän Mats Hummels patzte in Serie, Ilkay Gündogan trabte neben dem Spiel her als müsse er sich mental auf die TV-Übertragung von Derby ManU -ManCity am Tag darauf vorbereiten. Shinji Kagawa strahlte die Torgefahr einer Rolle Sushi aus – kurz: Es war ein Jammer. Mal wieder.
Trotzdem – und obschon es nach dem 0:1 gegen die Bayern die zweite Pleite in Folge und die 13. (!) insgesamt war – verschlechterte sich die Ausgangsposition nicht. Da auch die Klubs auf den Plätzen sieben bis neun allesamt patzten, beträgt der Rückstand der Borussia auf Rang sieben, der am Ende mutmaßlich für die Qualifikation zur Europa League reichen wird, nach wie vor vier Punkte. NUR vier Punkte. Das ist RELATIV wenig – und objektiv aufholbar, denn der BVB hat nur noch zwei Auswärts- (Hoffenheim!!! / Wolfsburg) bei noch vier Heimspielen gegen Paderborn, Hertha sowie die direkten Konkurrenten Frankfurt und Bremen. Und hätte die Klopp-Truppe in dieser Saison schon ein wenig öfter gezeigt, dass sie Willens und in de Lage ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, wäre man geneigt, ihr zu attestieren: Jungs, Ihr habt es selbst in de Hand!

Platz 7 am Ende – das wäre nach diesem Saisonverlauf RELATIV zufriedenstellend. Zufriedenstellender allemal als es Platz 6 für den FC Schalke 04 wäre. Denn der hat noch bis zum vergangenen Wochenende von der Champions League geträumt. Zufriedenstellender vielleicht sogar, als es Platz 8 für den FC Augsburg wäre. Und würde der BVB dann noch das DFB-Pokal-Finale erreichen (die Chance ist klein, aber der Pokal hat seine eigenen . . . – Ihr wisst schon!); und würde er es womöglich sogar gewinnen: Die Saison 2014/15 wäre im Rückblick eine RELATIV erfolgreiche gewesen. Und würde Borussia schließlich auch noch an Schalke vorbeiziehen, viele Fans würden das „RELATIV“ streichen und durch ein „ABSOLUT“ ersetzen.

Viele Konjunktive, zugegeben. Aber die gehören halt auch zur deutschen Sprache. Und zum Fußball. Jedenfalls so lange der Ball rund ist, ein Spiel 90 Minuten und eine Saison 34 Spieltage dauert.