Einfach mal danke sagen. Danke, Herr Klopp!

. . . ist das Spiel gewonnen, dann kann man es versteh’n,
der BVB, der BVB wird niemals untergeh’n!

Machen wir’s kurz: Wer heute in der Erwartung ins fliggwerk gekommen ist, die wahrscheinlich eintausendneunhundertundneunte Einschätzung zu Jürgen Klopps Abschied aus Dortmund zu erhalten, kann bei null weiterklicken. Drei, zwei, eins . . . Schön, das Ihr vorbeigeschaut habt. Uuuund Tüss!

Ganz recht: Ich kneife!
Ich drücke mich um eine Meinung herum. Weil ich nämlich keine habe. Keine klare. Was weiß denn ich, ob es nun besser oder vielleicht doch gar nicht mal so gut ist, dass Klopp am Ende dieser zähen Saison nach sieben mehrheitlich überragenden Jahren, nach dem verflixten siebten Jahr also, vorzeitig geht.
Objektiv betrachtet, spricht manches dafür, dass der Trainer in seiner finalen Entscheidung richtig liegen könnte.
Subjektiv fühlte sich der Tag heute scheiße an.
Objektiv betrachtet ist es völlig korrekt, dass Borussia Dortmund seine Pressemitteilung mit „BVB erfüllt Jürgen Klopps Wunsch nach vorzeitiger Vertragsbeendigung“ überschreibt. Pressemitteilungen sind so. In Pressemitteilungen muss selbst „Fukushima“ wie „Erdbeeren mit Schlagsahne“ klingen.
Subjektiv liest sich die Pressemitteilung so:

Klopp. Wirft! Hin!!!
Die. Fetten. Jahre. Sind. Vorbei.
DieWeltgehtunter.DieApokalypsekommtüberdenschwarzgelbenTeilderMenschheit.NiewiederwirdüberdemWestfalenstadiondieSonneaufgehen!

Nur eine einzige Meldung könnte noch schlimmer sein als diese:
„Jürgen Klopp neuer Trainer bei Rasendingsbums Leipzig“
Aber das ist natürlich Unfug, kompletter!

Gottlob kann man an Tagen wie diesem auch noch etwas anderes tun als „Scheiße“ brüllen. Zum Beispiel: Einfach mal „danke“ sagen. Danke, Jürgen Klopp, für eine großartige Zeit! Danke für sechs Jahre Vollgasfußball. Danke für sieben Jahre voller Emotionen. Danke dafür, dass Sie uns Borussen die Idee von der Fußball-Romantik vorgelebt haben. Danke für eine Meisterschaft, ein Double, zwei Supercup-Siege, ein Champions-League-Finale.

Dankenswerterweise, ich habe das verschiedentlich schon erzählt und geschrieben und verzichte deshalb auf neuerliche Details, durfte ich all das auch noch gemeinsam mit meinen Söhnen erleben. Der Große war elf, der Kleine neun Jahre alt, als Borussia 2011 den ersten Titel unter Klopp gewann. Wir waren dabei. Wir waren dabei, als der BVB im Jahr darauf das Double gewann. Das Pokalfinal-Wochenende in Berlin als Papa-Sohn-Ausflug; im Jahr darauf Wembley als Papa-Sohn-Ausflug. Wir waren kein Stück enttäuscht nach dem verlorenen Champions-League-Finale, sondern stolz, das schwarzgelbe Trikot zu tragen. Wir haben zweimal Real Madrid aus dem Stadion gebrüllt, sind gegen Málaga komplett durchgedreht. Wir haben Meisterrasen ausgegraben – und hegen und pflegen ihn noch heute in einem Kübel auf der Terrasse. Wenn meine Jungs irgendwann einmal auf ihre Kindheit zurück blicken, wird Jürgen Klopp darin immer wieder vorkommen. Und vielleicht auch ich. Es werden gute Erinnerungen sein. Die Zeugnisse dieser Erlebnisse hängen als Fotocollagen in unserem Treppenhaus. Meine Frau wollte das erst nicht. Nun ja, sie ist EINE Frau – wir sind DREI Männer.

Jedenfalls, danke für das alles, Jürgen Klopp

Natürlich fragen wir uns seit Saisonbeginn, warum es plötzlich nicht mehr läuft. Wir fragen uns, was passiert ist mit Klopp und mit der Mannschaft und zwischen Klopp und der Mannschaft. Wir fragen uns, wie das alles begann – und wissen es nicht. Aber wir wissen, WANN es begann. Es begann in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 2014 im Berliner Kraftwerk. Wenige Stunden zuvor hatte Borussia Dortmund das DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern München mit 0:2 nach Verlängerung verloren. Wobei: Um der vollen Wahrheit die Ehre zu geben – der BVB hatte gar nicht verloren. Er hatte 1:0 gewonnen. Durch einen Kopfball von Mats Hummels, den alle im Stadion außer den Schiedsrichtern dort gesehen hatten, wo er war: hinter der Linie.
Man hatte den BVB also um den Pokalsieg betrogen, und entsprechend war die Stimmung, als Jürgen Klopp mit der Mannschaft zu vorgerückter Stunde auf die Bühne des Kraftwerks stieg. Mit letzter Kraft hielt der Trainer eine große, eine großartige, aufrüttelnde Trotzrede. Doch wer in die Gesichter der Spieler blickte, der wusste: Die Enttäuschung über diese Niederlage saß so tief, dass es lange, sehr lange dauern würde, sich davon zu erholen. Wahrscheinlich wusste auch Klopp das, und vielleicht hat er sich seither immer wieder mal gefragt, ob er nicht doch einem der Angebote aus England hätte folgen sollen. Jedenfalls: Seither wirkten Trainer und Mannschaft nie wieder als die unzertrennbare Einheit, die sie jahrelang gebildet hatten. Und irgendwie fehlte auch Klopp seither der Zauber, die Magie. Irgendwie hatte man seither das Gefühl, dass er einfach nur ein guter Trainer ist.

Ganz gleich, was in den nächsten Wochen noch passiert: Der letzte Spieltag, das letzte Heimspiel des BVB gegen Werder Bremen, wird tränenreich. Wäre es ohnehin geworden, weil Sebastian Kehl nach 13 Jahren bei der Borussia seine Laufbahn beendet. Nun muss der „Capitano“ sich die Abschieds-Show teilen. Teilen mit Jürgen Klopp. Mir kommen bei dem Gedanken an den 23. Mai jetzt schon die Tränen. Dass an diesem Tag irgend jemand das Stadion ohne gerötete Augen verlassen wird, ist nicht vorstellbar.

Und dann: Kommt ein neuer Trainer. Und das Leben geht weiter. Und dieser neue Trainer wird Thomas Tuchel heißen. Hoffe ich jedenfalls. Weil nach meinem Dafürhalten nur zwei Trainer überhaupt in Frage kommen: Tuchel und Gladbachs Lucien Favre – doch der ist zurzeit nicht zu haben. Tuchel schon. Und Tuchel wäre eine gute Lösung. „Schwieriger Typ“ – sagen viele. Hallo!!! Welcher gute Trainer ist nicht schwierig?! Wer sagt, dass Klopp nicht schwierig ist? Oder Guardiola. Mourinho. Van Gaal. Oder früher: Weisweiler, Lattek, Happel, Rehhagel. Alle schwierig. Und Borussia Dortmund ist ja auch ein schwieriger Verein. Aber eben auch einer, der schwierige Phasen meistert. Das hat der BVB immer wieder bewiesen. Das steht ja sogar in seinem Vereinslied:

. . . aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n,
Borussia Dortmund wird nie untergeh’n!

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3 Kommentare zu “Einfach mal danke sagen. Danke, Herr Klopp!

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