Freistoß Sahin. Kopfball Hummels. TOOOR! Eigentlich.

Zwei Jahre nach dem Pokalfinale 2014 brechen der Ball und die Torlinie endlich ihr Schweigen

Der 17. Mai 2014 war schon tagsüber fies. Oben an der Spree. Es war ungemütlich kalt in Berlin. Nasskalt. Immer wieder schauerte es. Und als am Abend im Olympiastadion der BVB und Bayern München auf der letzten Rille um den DFB-Pokal kämpften, da kübelte es phasenweise sogar wie aus Eimern. Eines aber hatte das Wetter an diesem Endspielabend nicht im Repertoire: Nebel! Das Flutlicht schien hell und die Fernsicht war exzellent, als die 64. Spielminute anbrach. Als Mats Hummels den Ball im Flug artistisch aufs Tor und ins Tor hinein köpfte. 76.197 Zuschauer sahen das auch. Nur die beiden Zuschauer auf den besten Plätzen – die sahen es nicht: Schiedsrichter Florian Meyer und sein Assistent an der Linie. Jetzt, zwei Jahre später, melden sich erstmals zwei Kronzeugen zu Wort, die bislang beharrlich geschwiegen haben: Der Ball. Und die Torlinie.

Mal Hand aufs Herz, Ball, wie war das damals – wie hast Du die Szene gesehen?

Der Ball: Aus allernächster Nähe. Ich war ja quasi mittendrin. Also erst im Geschehen und dann im Tor.

Der Reihe nach . . .

Der Ball: Es gab Freistoß für Borussia. Ein ruhender Ball also. Wobei: Wer hat sich eigentlich diesen Begriff ausgedacht: ruhender Ball. Wisst Ihr, wie nervös ich war. . .?! Aber egal, ich schweife ab. Der Nuri Sahin streichelt mich also mit dem linken Fuß in den Strafraum. Herrlich! Wenn ich daran denke, krieg‘ ich heute noch ’ne Lederhaut. Dann fliegen Lewandowski und dieser Dante mit seiner Stromschlag-Frisur auf mich zu. Oder ich auf sie. Egal. Lewi lässt mich so gerade eben über den Scheitel rutschen. Dann geht alles sehr schnell. Ich faaaaalleeeee – plötzlich ist der Mats da, der Hummels. Bäääm!

Wie jetzt – bäääm?!

Der Ball: Ja, bäääm eben! Der Mats liegt waagerecht in der Luft. Ziemlich verdreht, wenn ihr mich fragt. Aber irgendwie erwischt er mich mit dem Kopf. Ich fliege also Richtung Tor, sehe unter mir die Torlinie vorbeirauschen, sehe vor mir das Netz. Ich denke noch: Genau da musst Du hin. Ins Netz! Ihr wisst ja, das Runde, ich also, muss ins Eckige. Alte Fußball-Weisheit.

Und dann?

Der Ball: Das Nächste, was ich spüre, ist der Fuß von diesem Dante. Der tritt mich mit voller Wucht aus dem Tor. Aber war ja wurscht. Ich war ja vorher schon drin. Ätschibätsch, du Dante! Dachte ich. Ich bin dann ja auch direkt im hohen Bogen Richtung Mittelkreis geflogen. Zum Anstoß. Aber als ich da ankam, nahm mich niemand, um mich auf den Anstoßpunkt zu legen. Das Spiel lief einfach weiter.

Und Du, Torlinie, wie hast Du den Treffer gesehen?

Die Torlinie: Eher zufällig, um ehrlich zu sein. Schlechte Sicht. Es hat ja Bindfäden geregnet. Von der Latte prasselten ständig Wassertropfen auf mich herab. Ich wollte mir gerade die Brille putzen, als plötzlich der Ball über mir auftaucht und über mich hinweg fliegt. „Tooor!“, will ich also pflichtgemäß rufen . . .

. . . aber?

Die Torlinie: Aber da latscht dieser Dante mit seinem rechten Fuß voll auf mich drauf, bohrt seine Eisenstollen in mich hinein und schlägt mit links den Ball aus der Kiste.

ECHT: Ein regulärer Treffer also?

Ball und Torlinie (irritiert): Ist die Erde rund?

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Ein Kommentar zu “Freistoß Sahin. Kopfball Hummels. TOOOR! Eigentlich.

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