André Schürrle: Der Mann für die besonderen Momente

 

(Text für „ECHT“, Ausgabe 117)

Eckfahne möchte man auch nicht sein!

86 Minuten und 21 Sekunden waren gespielt im Champions-League-Klassiker zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid, als Christian Pulisic den Ball vom rechten Strafraumeck gefühlvoll in die Mitte löffelte. Vier Sekunden später, bei 86:25, zappelte das Leder im Netz. André Schürrle hatte den Ball mit der linken Klebe buchstäblich in den Winkel genagelt, war Richtung Südost-Eckfahne gerannt und hatte die bedauernswerte Kunststoffstange mit einem Kung-Fu-Tritt umgelegt. Es war ein typischer André-Schürrle-Moment. Also nicht der Tritt – sondern das Tor!

„Ganz ehrlich“, sagt Schürrle, „von so einem Moment hatte ich geträumt, seit ich im Sommer beim BVB unterschrieben habe. Wenn du zum ersten Mal in dieses Stadion einläufst, die Südtribüne hinaufblickst und einfach nur noch Gelb siehst, dann denkst du: Was muss das für ein geiles Gefühl sein, vor dieser Wand ein wichtiges Tor zu schießen!“ Sein Tor gegen Real war zweifelsfrei ein ganz wichtiges. Es war das 2:2. Es war das schwarzgelbe Signal an die Königsklasse: Wir sind wieder da! Nach einem Jahr Tingeltangel-Tour nach Wolfsberg, Odds, Qäbäla und Krasnodar spielen wieder im Konzert der Top-Klubs mit. Und wir sind auf diesem Top-Niveau konkurrenzfähig!

Dass ausgerechnet André Schürrle – Spitzname „Schü“ – den Ausgleich gegen den Champions-League-Rekordsieger und -Titelverteidiger erzielte, war alles andere als überraschend. Denn wer die Laufbahn des gebürtigen Ludwigshafeners verfolgt, der weiß: Schürrle ist ein Mann für entscheidende Situationen, für die „Magic Moments“. Während andere, gleichfalls hochveranlagte Profis immer wieder abtauchen, wenn’s wirklich wichtig wird, macht er in solchen Spielen häufig den Unterschied.

Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2014 im Achtelfinale gegen Algerien von einer Verlegenheit in die nächste stolperte, war es André Schürrle, der das Spiel in der Verlängerung mit einem Zaubertor auf Sieg stellte. Und als beim Endspiel gegen Argentinien alle schon die Salzstangen als Nervennahrung fürs Elfmeterschießen griffbereit stellten, war es wiederum Schürrle, der auf der linken Seite Fernando Gago stehen ließ, Javier Mascherano abhängte, Pablo Zabaleta gar nicht mehr in den Zweikampf kommen ließ und den Ball mit links millimetergenau auf Mario Götze schaufelte.

Der Rest ist Fußball-Geschichte.

BVB-Trainer Thomas Tuchel weiß um diese ganz besondere Qualität von André Schürrle. Deshalb wollte er ihn im Sommer 2016 unbedingt von Wolfsburg nach Dortmund locken. Schürrle ist eben nicht nur schnell. Er hat nicht nur einen exzellenten linken Fuß und einen formidablen Wumms. Er ist nicht nur vielseitig einsetzbar – rechts wie links und auch zentral in der Spitze. Er ist nicht nur torgefährlich. Er ist vor allem dann torgefährlich, wenn’s drauf ankommt. Woran das liegt: „Vielleicht gelingt es mir einfach besonders gut, mich auf solche Momente zu konzentrieren“, sagt Schürrle. „Ich freue mich auf diese Spiele, bei denen du vorher schon weißt, dass sie durch Kleinigkeiten entschieden werden. Und ich vertraue mir da auch selbst, weil ich weiß, dass es in mir steckt, in entscheidenden Situationen eine entscheidende Aktion zu initiieren.“ Schon mit seinen beiden allerersten Bundesliga-Toren drehte er 2009 für Mainz 05 einen 1:2-Halbzeitrückstand beim VfL Bochum in einen 3:2-Sieg.

Hinzu kommt: Schürrle ist ein Kaltstarter. Die geschilderten Tore gegen Real, Algerien und Argentinien erzielte er allesamt als Einwechselspieler. Auch das ist eine außergewöhnliche Fähigkeit – und die kann Schürrle sehr gut erklären: „Natürlich“, sagt er, „möchte ich grundsätzlich immer von Anfang an spielen. Ich sehe mich nicht als ‚Joker‘. Aber ich gehöre auch nicht zu den Spielern, die in ihrer Ehre gekränkt sind und Frust schieben, wenn sie mal nicht in der Start-Elf stehen.“ Sein Credo lautet vielmehr: „Wenn du 20 oder auch erst 15 Minuten vor dem Ende eingewechselt wirst, musst du eben versuchen, in diesen 20 oder 15 Minuten etwas zu bewegen. Denn es geht hier nicht um dich persönlich, sondern um den Erfolg der Mannschaft und des Vereins.“

Nicht zaudern. Zupacken! Nicht lamentieren. Loslegen! Positiv sein. Ein Mix aus „Carpe Diem!“ und „Think pink!“ Mit dieser Einstellung wird André Schürrle in Dortmund den Nerv der Fans treffen. Dortmund und die Fans haben seinen Nerv längst getroffen. Im Grunde auf Anhieb. „Ich hatte ja schon viel über den BVB gehört – von Marco Reus und Mario Götze, auch von Mats Hummels. Und als sich die Möglichkeit ergab, nach Dortmund zu wechseln, haben alle in meinem Umfeld gesagt: Wahnsinn, das musst Du auf jeden Fall machen!“

Die Realität hat ihn dann aber doch noch einmal mehr geflasht, als er es für möglich gehalten hat. „Alles in dieser Stadt ist auf Borussia ausgerichtet. Die Menschen leben den BVB, sie laufen selbst im Alltag im Trikot herum. Bei Auswärtsspielen erwarten uns hunderte Menschen vor den Hotels, selbst in Asien drehen die Leute im positiven Sine durch. Das alles habe ich doch etwas unterschätzt.“ Klar, auch der FC Chelsea sei ein großer Klub mit langer Tradition, „aber die Fankultur hier in Dortmund – das ist noch einmal eine ganz andere Nummer“, sagt er.

André Schürrle ist im Pott angekommen. Die Mannschaft habe ihn „toll aufgenommen“. Dass er mit Marco Reus und Mario Götze eng befreundet ist, hat natürlich geholfen. Dass er mit beiden auch um die Positionen in der Offensive konkurriert, mit Reus mehr noch als mit Götze, findet er „überhaupt nicht problematisch, weil das im Fußball das Normalste auf der Welt“ sei. Dass er unter Trainer Thomas Tuchel mit der Mainzer U19 Deutscher Meister wurde und den Sprung in die Bundesliga schaffte: Ja, auch das sei ein Argument für den Wechsel nach Dortmund gewesen. Aber eben, und das ist ihm wichtig, nur  e i n  Argument. Eines von vielen. „Eine solche Entscheidung, die auf Jahre angelegt ist, fällst du ja nicht nur, weil du mit dem Trainer gut klarkommst.“ Da gehört schon mehr dazu. Insbesondere die sportliche Perspektive. Der Kick, den Duelle wie das gegen Real Madrid vermitteln. Das mit nichts zu vergleichende Gefühl, vor der Gelben Wand ein wichtiges Tor zu erzielen. „Davon bekommst du nie genug“, sagt André Schürrle. „Wenn du das einmal erlebt hast, dann willst du es wieder und wieder erleben.“

Nur zu. Die Fans des BVB haben ganz sicher nichts dagegen!

Schon zwei Titelgewinne  g e g e n  den BVB

André Schürrle hat als Fünfjähriger beim Ludwigshafener SC mit dem Fußballspielen begonnen. Mit 15 Jahren wechselte er zum 1. FSV Mainz 05, mit dem er 2009 Deutscher Meister wurde – unter Trainer Thomas Tuchel und gegen den BVB. Noch im selben Jahr feierte er sein Debüt in der Fußball-Bundesliga. Über Bayer Leverkusen kam der Offensivspieler 2013 zum englischen Topklub FC Chelsea, für den er gleich in seiner ersten Saison acht Treffer erzielte. Als die Londoner 2015 Meister wurden und den Liga-Pokal gewannen, war André Schürrle allerdings schon in Wolfsburg. Zur Titelfeier lud Chelseas Trainer José Mourinho in dennoch ein. Schürrle musste absagen – wegen des DFB-Pokalfinals, das er mit dem VfL Wolfsburg gewann. Gegen den BVB.

Übrigens: Seit seinem 2:2 gegen Real Madrid ist André Schürrle der einzige deutsche Fußballer, der in der Champions League für vier Klubs getroffen hat: Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, FC Chelsea und Borussia Dortmund.

Das neue Ziel: Titelgewinne  m i t  dem BVB!

Weltmeister ist er schon. Deutscher Meister noch nicht. Deutscher Meister will er werden. „Das ist der Traum jedes Fußballers“, sagt André Schürrle. Das steht auch auf seiner persönlichen Wunsch- und Prioritätenliste ganz weit oben. Und „Schü“ ist überzeugt: „Hier in Dortmund geht das. Der Klub und die Mannschaft haben das Potenzial, Großes zu erreichen.“ Er habe, sagt der Neuzugang, „vom ersten Training an ein gutes Gefühl gehabt. In unserem Kader ist unglaublich viel Talent vereint, alle Positionen sind doppelt besetzt“. Zwar habe man „in den ersten Saisonspielen ein bisschen was liegen lassen“, nicht zuletzt aufgrund des personellen Umbruchs und etlicher Verletzungen, von denen auch er selbst betroffen war. „Aber wenn wir jetzt unsere Top-Form finden und Konstanz entwickeln“, sagt André Schürrle, dann sei mit diesem Team einiges möglich. „Auch schon in dieser Saison!“

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Mario Götze: Zurückgekommen, um voran zu gehen!

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(Text für „ECHT“, Ausgabe 113)

Warschau. Mittwoch, 14. September. Der polnische Meister Legia empfängt am 1. Spieltag der Champions-League-Saison 2016/17 den deutschen Vizemeister Borussia Dortmund. Es läuft die siebte Spielminute. Ousmane Dembélé flankt den Ball vom linken Flügel zentral vor das Tor. Zwischen Guilherme und Vadis Odjidja-Ofoe schraubt sich Mario Götze in die Höhe. Der Dortmunder platziert den Kopfball zum 1:0 flach ins linke Eck. Götze dreht ab, läuft Arm in Arm mit Christian Pulisic in Richtung BVB-Fankurve, die Arme ausgebreitet, die rechte Hand zur Faust geballt, im Gesicht ein Strahlen wie aus einer Zahnpasta-Werbung. In derselben Sekunde läuft die Echtzeitmaschinerie der Online-Medien und Social-Media-Kanäle an. Götzes zwölftes Champions-League Tor. Das erste mit dem Kopf. Sein erster CL-Treffer für den BVB seit dem 2:0 gegen Donezk am 5. März 2013. Sein erstes Tor überhaupt für den BVB seit dem Doppelpack in Fürth vor exakt 1250 Tagen. Was man halt so wissen muss. ZDF-Reporter Boris Büchler möchte nach dem Spiel von Mario Götze wissen: „Auch ein Tor gegen die Kritiker?“ – „Nein, nein“, winkt der 24-Jährige amüsiert und lässig ab. „Ein Tor für die Mannschaft, für den Verein, für einen guten Start in die Champions-League. Das ist mir definitiv wichtiger!“

Zwei Tage zuvor in Hörde. Wir treffen Mario Götze am Phönix-See, einem der Vorzeigeprojekte für gelungenen Strukturwandel im Ruhrgebiet. „Wahnsinn, was hier in den letzten drei Jahren entstanden ist“, sagt er mit staunendem Blick. Und meint: In den drei Jahren, in denen er nicht in Dortmund war. Als er 2013 ging, war der Phoenix-See schon ein See – aber drumherum war noch nicht viel. Lehmberge, Schotter und Schlammpfützen vornehmlich, dazwischen Bagger und Baukräne. Inzwischen ist hier ein attraktives Wohn-, Büro- und Naherholungsgebiet entstanden; mit Hafen, Bootsanleger, Uferpromenade und Gastronomie. Und immer noch wird weiter gebaut.

 

Ein bisschen ist es am Phoenix-See wie bei der Borussia. Auch die ist im Spätsommer 2016 „under construction“. Eine Baustelle. Die zentrale Achse hat den Klub verlassen. Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henryk Mkhitaryan sind Geschichte. Acht neue Spieler sind zum Kader von Trainer Thomas Tuchel gestoßen – allesamt mit großer Perspektive. Sie sind die Zukunft des BVB, so, wie der Phoenix-See die Zukunft Dortmunds ist. Und Mario Götze ist einer von ihnen. Der spektakulärste wahrscheinlich. Denn was ihn von den anderen sieben Neuzugängen unterscheidet: Götze ist auch ein Stück schwarzgelbe Vergangenheit. Ein starkes Stück. Meister 2011. Double-Sieger 2012. Aber darüber wollen wir heute gar nicht reden. Sondern über die Zukunft. Seine eigene und die des vielleicht spannendsten Projektes im europäischen Fußball – wie einige Experten den BVB 2016/17 nennen.

 

Mal angenommen, Mario, wir treffen uns in zehn Jahren wieder hier. Im September 2026. Du bist 34 Jahre alt, hast gerade Deine Laufbahn beendet – was sollen die Menschen über Dich sagen, was die Medien über Dich berichten?

 

Götze grübelt einen Moment. Aber nicht sehr lange. „Dass ich durch und durch ein professioneller Fußballer war. Ein gewissenhafter Sportler, der immer alles gegeben und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt hat.“ Und klar, ein paar Titel sollen in der Aufzählung über seine Erfolge auch noch hinzukommen. „Dafür machst du letztlich Sport. Du willst gewinnen, jedes einzelne Spiel und am Ende der Saison natürlich die wichtigen.“ Die, in denen es um Schalen und um Pokale geht.

 

Aber Mario Götze wünscht sich durchaus mehr. Er wünscht sich, dass die Menschen ihn „als starke Persönlichkeit“ wahrnehmen und respektieren. Als jemand, „der Verantwortung übernimmt und vorweg geht“. Und in der Tat wirkt er, während wir um den Phoenix-See spazieren, über Dortmund, den Strukturwande, Fußball, das Leben und die Zukunft plaudern, nicht wie jemand, der erst noch erwachsen werden muss. Er ist es. Ein junger Mann, der denkt, bevor er redet – und der dann auch was zu sagen hat. Etwa über seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

 

„Ich bin mit 17 Jahren ins kalte Wasser geworfen worden, habe in sehr jungen Jahren sehr schnell sehr viel erlebt.“ Vor allem aber steht er seit sieben Jahren unter Dauer-Beobachtung. So intensiv bisweilen, dass Thomas Tuchel sich unlängst den Hinweis erlaubte, da würden „Grenzen überschritten“. Man merke ja, „wie Mario immer wieder unter das Brennglas gelegt wird. Das tut nicht nur alles gut. Das beschäftigt einen Menschen. Niemand von uns kann sich vorstellen, wie sich das anfühlt“. Niemand außer Götze selbst. Der sagt: „Jeder bildet sich seine Meinung über mich und darf sie öffentlich verbreiten.“ Als Vorwurf will er das aber gar nicht verstanden wissen. „Manchmal ist es anstrengend, manchmal auch ärgerlich, aber im Grunde ist es okay, denn man wächst ja auch an der Auseinandersetzung mit Kritik. Entscheidend ist doch, dass man solche Erfahrungen richtig ummünzt.“

 

Wir sind inzwischen auf der Kulturinsel am Kai angekommen. Die Sonne brennt vom tiefblauen Himmel. Bei diesem Wetter ist der Phoenix-See Dortmunds „Place to be“. Dutzende Radfahrer, Jogger und Inine-Skater sind unterwegs. Spaziergänger drehen sich um und tuscheln: „Guck mal, das ist doch Mario Götze!“ Einige trauen sich, ihn anzusprechen. Ein Vater, der seine kleine Tochter Huckepack trägt, bittet um ein Selfie mit dem BVB-Star. Ein behinderter Junge fährt mit dem Elektro-Rollstuhl auf ihn zu und sagt schüchtern: „Herr Götze, ich habe heute Geburtstag und wollte mal fragen, ob Sie Zeit für ein Foto hätten.“ Eigentlich hat er die nicht, die Zeit, denn wir brauchen noch Fotomotive für die Story, in 40 Minuten ist schon wieder Training, und für die Fahrt vom Phoenix-See nach Brackel muss man um diese Uhrzeit locker 20 Minuten einkalkulieren. Und doch nimmt er sie sich, die Zeit. Hat für jeden ein Lächeln, ein nettes Wort, erfüllt die Wünsche der Fans gerne.

 

Apropos Fans: Auch diesem Thema weicht Mario Götze nicht aus. Der BVB-Anhang war sauer, als der Jungstar den Klub 2013 verließ. Stinksauer. Schließlich war er das Gesicht des bezaubernden Vollgasfußballs. Die Projektionsfläche für schwarzgelbe Fußball-Träume. Der mit dem Ball tanzte. Die außergewöhnlich heftige Ablehnung, die Götze nach seinem Wechsel von einem Teil der Anhängerschaft entgegenschlug, war letztlich nichts anderes als Ausdruck der außergewöhnlichen Zuneigung, die er zuvor genossen hatte. Enttäuschte Liebe ruft die krassesten Emotionen hervor.

 

„Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Fans sauer waren“, sagt er. Und ja, natürlich habe er in den ersten Wochen nach seiner Rückkehr das eine oder andere Mal „ein mulmiges Gefühl“ gehabt, weil er nicht einzuschätzen wusste, wie die Anhänger reagieren würden. „Ich konnte ja nicht im Ernst erwarten, dass mich alle mit offenen Armen aufnehmen würden.“ Inzwischen aber, sagt Götze, habe sich das mulmige Gefühl gelegt. Er hat Schritte auf die Fans zu gemacht. Und es sieht sehr danach aus, als bekomme er die faire Chance, die er sich erhofft hat.

 

Alles Weitere, das weiß er, liegt bei ihm. Er möchte die Zuneigung der Zuschauer durch Leistung zurückgewinnen. Möchte Integrationsfigur sein, gerade auch für die vielen jungen und neuen Spieler. Möchte das Vertrauen der Verantwortlichen rechtfertigen und weiter lernen. Von Thomas Tuchel und seinem Trainerstab, die „den Fußball so ganzheitlich verstehen, wie ich das überhaupt noch nie erlebt habe“. Taktik, Training, Ernährung, Sportwissenschaft, Psychologie – nichts werde dem Zufall überlassen. „Im Ernst“, sagt der Rückkehrer, „da ist so viel Professionalität im Spiel, dass das zwangsläufig zum Erfolg führen m u s s!“

 

Mit ihm, Mario Götze, als einer der Schlüsselfiguren.

 

Mario Götze. Zur Person.

Mario Götze wurde am 3. Juni 1992 in Memmingen (Allgäu) geboren. Über den Umweg Houston (Texas) kam er als Fünfjähriger mit seiner Familie nach Dortmund. Götze spielte in der Jugend zunächst beim Hombrucher FV, ehe er in die Nachwuchsabteilung von Borussia Dortmund wechselte. Mit der U17-Nationlmannschaft wurde er 2009 Europameister, erhielt 2009 und 2010 jeweils die Fritz-Walter-Plakette in Gold für den besten Nachwuchsspieler seines Jahrgangs. Noch mit 17 Jahren debütierte Mario Götze unter Trainer Jürgen Klopp in der Bundesliga. Bis heute hat er für den BVB und den FC Bayern München 157 BL-Spiele absolviert und dabei 44 Tore erzielt. Hinzu kommen 58 Länderspiele (14 Tore), 44 Champions-League- (11 Tore), 4 Europa-League- (2 Tore) und 18 DFB-Pokal-Einsätze (9 Tore). Götzes Titelsammlung umfasst u.a. 5 Deutsche Meisterschaften, 3 DFB-Pokalsiege sowie den Gewinn des UEFA-Supercups und der FIFA-Klub-WM. 2014 schoss Mario Götze Deutschland im WM-Finale gegen Argentinien zum Titel. Seither steht er in einer Reihe mit Legenden wie Helmut Rahn, Gerd Müller, Andreas Brehme, Zinedine Zidane, Ronaldo und Andres Iniesta, die ebenfalls „Game-winning goals“ in WM-Endspielen erzielten.

Mario Götze über . . . Heimat . . .

„Mit dem Heimatbegriff ist das so eine Sache. Fußballprofis sind ja fast das ganze Jahr unterwegs. Trainingslager, Asientour, Auswärtsspiele in der Bundesliga, Europapokal-Reisen, Reisen mit der Nationalmannschaft. Wirklich zu Hause bist du nur an ein paar Tagen im Jahr. Dann habe ich noch Großeltern im Allgäu, mein Bruder Felix spielt in München. Und doch ist Dortmund für mich der Ort, der mir am vertrautesten ist. Ich habe 16 meiner 24 Jahre hier in Dortmund verbracht, bin hier zur Schule gegangen, kenne hier mehr Menschen als irgendwo sonst. Der alles entscheidende Punkt aber ist: Ich fühle mich hier sehr wohl!“

Mario Götze. Unter Freunden.

Sepp Herberger. Der Geist von Spiez. „Elf Freunde müsst ihr sein!“ Fußball-Romantik anno 1954 – und ein Erfolgsrezept bis heute. Rosige Aussichten also für den BVB. Denn Mario Götze und Andre Schürrle sind gut befreundet. Götze und Marco Reus auch. Unvergessen, die Szene nach dem WM-Endspiel, als der Finaltorschütze das Trikot des verletzten Teamkollegen in die Kamera hielt. Reus wiederum scherzt gerne mit Pierre-Emerick Aubameyang, der hat Ousmane Dembele unter seine Fittiche genommen. Und so weiter… – „Das Teamgefüge passt. Wir unternehmen schon jetzt viel miteinander“, sagt Mario Götze. „Und das wird bestimmt noch mehr werden.“