Vier Helden-Stories von B wie Blackout bis W wie Weltmeister

Sie waren tragende Säulen der schwarzgelben Wiederaufstiegsmannschaft von 1976: Peter Geyer und Hans-Joachim Wagner. Leistungsträger auch in den ersten Bundesligajahren danach. 185 Spiele hat der eine für den BVB bestritten, sogar 221 der andere. Zwei schillernde Figuren waren sie obendrein – jeder auf seine Weise. Komplettiert wird das Quartett, an das wir heute im Rahmen unserer „Helden“-Serie erinnern, durch Friedhelm Schwarze und Ernst Savkovic.
Stell dir vor, deine Mannschaft feiert endlich den ganz großen Erfolg – und du selbst liegst beim Abpfiff im Krankenhaus. Roman Weidenfeller wäre es 2012 um ein Haar so ergangen, als Borussia Dortmund den FC Bayern München mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion ballerte und zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokalsieg gewann. Weidenfeller hatte sich in der ersten Halbzeit verletzt, musste ins Krankenhaus gebracht werden, war aber pünktlich zur Pokalübergabe wieder bei seinen Teamkollegen. Glück gehabt!

Peter Geyer war dieses versöhnliche Ende am 23. Juni 1976 nicht vergönnt. Der BVB-Stürmer, der mit 13 Saisontoren maßgeblichen Anteil an der langersehnten Rückkehr ins Oberhaus hatte, war bereits in der Anfangsphase des Qualifikations-Rückspiels gegen den 1. FC Nürnberg mit seinem Gegenspieler Manfred Rüsing zusammengerasselt – und zwar so heftig, dass Geyer buchstäblich Sternchen sah. Der damals 23-Jährige wurde vom Feld geführt, neben der Außenlinie behandelt. Er wankte zurück auf den Rasen, erzielte in der 23. Minute den 1:0-Führungstreffer und ging – es war brütend heiß im Westfalenstadion – nach einer halben Stunde endgültig k.o. Als Schiedsrichter Ferdinand Biwerski zur Pause pfiff, befand sich Geyer bereits auf dem Weg zur Unfallklinik, wo er – inzwischen wieder bei Bewusstsein – keinerlei Erinnerung hatte. „Tor? Ich weiß von nichts!“, soll Geyer gestammelt haben. Klassischer Fall von Blackout! Die medizinische Diagnose lautete: schwere Gehirnerschütterung. Derweil triumphierten die Mannschaftskameraden mit 3:2 über den „Club“, stürmten die Fans den Rasen, knallten die Sektkorken, floss das Aufstiegsbier in Strömen.

Es sind diese Anekdoten, die Spieler zu Helden machen, zu schwarzgelben Legenden für die Ewigkeit. Für Peter Geyer, der mit Hans-Werner Hartl (18 Treffer) und Gerd Kasperski (15) den 46-Tore-Sturm des BVB bildete, war der Aufstieg noch aus einem anderen Grund etwas ganz Besonderes. Der Gegner in den Entscheidungsspielen, der 1. FC Nürnberg, war sein Heimatverein. Geyer wurde 1952 in Nürnberg geboren, der „Club“ war von 1971 bis ’74 auch seine erste Station im Profibereich, ehe er zu Tennis Borussia Berlin in die Bundesliga wechselte. Nach dem Abstieg mit TeBe kam Geyer 1975 an die Strobelallee, wo er auf Anhieb zum Leistungsträger und Torjäger avancierte und insgesamt sechs Jahre spielte. In dieser Zeit absolvierte er auch sieben Einsätze für die deutsche B-Nationalmannschaft.

Für großes Aufsehen sorgte Geyer noch einmal Anfang der 90-er Jahre, als er gegenüber Medien einräumte, dass er und zahlreiche Profi-Kollegen regelmäßig das Aufputschmittel Captagon eingenommen hätten. Captagon steht auf der Dopingliste der verbotenen leistungsfördernden Präparate. Verständlich, dass Geyer sich mit seinem späten Geständnis keine Freunde machte . . .

FC Schalke 04 – Borussia Dortmund – Rot-Weiss Essen. Die drei großen Traditionsklubs im Ruhrgebiet. Es gibt nur ganz wenige Fußballer, die für alle drei gespielt haben. Hans-Joachim Wagner ist einer von ihnen. 1955 in Essen geboren, ging er in der Jugend von Kray 09 über die Stadtgrenze zu den Knappen. Als der Abwehr- und defensive Mittelfeldspieler 1974 der A-Jugend entwuchs, lockte der BVB ihn an die Strobelallee, wo man – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – gerade auf der jugendlichen Welle ritt. Auch Spieler wie Lothar Huber und Mirko Votava wechselten zu jener Zeit als Rohdiamanten zu den Schwarzgelben.

In die Saison 1975/76 startete Wagner als 20-Jähriger. Und bereits als Stammspieler. 36 Einsätze absolvierte er in der Aufstiegssaison für den BVB; drei Tore erzielte er dabei. Eine Korsettstange in der Deckung, ein echter Stabilisator. Und der blieb er über Jahre hinweg auch in der Bundesliga, wo Wagner 149-mal für die Borussia auflief. Erst in der Saison 1981/82 unter Branko Zebec und später unter Kalli Feldkamp kam er nicht mehr regelmäßig zum Zuge. Und so folgte im Jahr darauf der Wechsel zum dritten Traditionsklub, zu Rot-Weiss Essen.

Friedhelm Schwarze und Ernst – eigentlich: August – Savkovic waren Nebenleute von Wagner im schwarzgelben Defensivverbund. Schwarze, Spitzname „Fitsche“, war bereits 1970 als 17-Jähriger von seinem Heimatverein SG Castrop zur Borussia gekommen und brachte es im Aufstiegsjahr 75/76 auf 20 Einsätze. In der Bundesliga kamen dann aber nur noch zwei hinzu. Sein Debüt im Oberhaus feierte er am 8. Spieltag der Saison 76/77 beim 3:3 gegen den FC Bayern München. Da Trainer Otto Rehhagel nicht mehr auf ihn baute, Schwarze aber eine relativ hohe Ablösesumme festgeschrieben hatte und lange keinen anderen Verein fand, verlor er zwei Jahre seiner Laufbahn durch unfreiwillige Untätigkeit, ehe er in die Schweiz zum FC Zug wechselte. Ein finanziell lukratives Angebot der San Diego Sockers musste Schwarze wegen einer Verletzung ausschlagen.

Für Ernst Savkovic war der BVB eine Zwischenstation – wiewohl eine ausgesprochen erfolgreiche. Beim FC Sportfreunde Heppenheim groß geworden, kam er 1974 über den MSV Duisburg, mit dem er Deutscher A-Jugendmeister geworden war, nach Dortmund. Von 1974 bis ’76 absolvierte Savkovic 52 Spiele für die Schwarzgelben. Er feierte nicht nur den Wiederaufstieg mit ihnen, sondern während seines BVB-Engagements 1975 auch Militär-Weltmeister – an der Seite so namhafter Profi-Kollegen wie Ronny Worm, Dieter Burdenski, Klaus Toppmöller, Ditmar Jakobs und Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel. Nach Stationen bei Tennis Borussia Berlin und Rot-Weiß Oberhausen beendete Savkovic bereits 1980 seine Laufbahn. Von 2010 bis 2012 trainierte er den Oberhausener Kreisligisten Grün-Weiß Holten.

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