Buschmann & Dahlmann oder die QVCisierung des Fußballs

Hallo, Frank Buschmann, hallo, Jörg Dahlmann,

Sie haben gesagt: Kritik, okay – Schmähungen, Häme oder gar Hass aber gehen gar nicht. Volle Zustimmung. Deshalb hier 0,0 Schmähungen, 0,0 Häme und erst recht 0,0 Hass. Aber Kritik.

Kritik an einem Kommentar-Stil, für den Sie beide ja nicht erst seit Ihrer Sky-Konferenz-Premiere am vergangenen Wochenende verbal Keile beziehen. Sie, Jörg Dahlmann, werden für Ihre aufgedrehten und, mit Verlaub, bisweilen ins schwer Erträgliche überdrehten Kommentare ja schon seit einer gefühlten TV-Ewigkeit kritisiert. Und Sie, Frank Buschmann, schlagen sich über die sozialen Medien z.B. auch während und nach den NFL-Übertragungen mit Zuschauern herum, die es – sagen wir mal – verzichtbar finden, dass jeder halbwegs taugliche Pass über zehn Yards zur größten Sensation gehyped wird, seit der Gletscher den Ötzi ausgespuckt hat.

Warum aber gerade jetzt die Heftigkeit der Kritik? – Weil Ihr Kommentar-Stil, der auf manche Zuhörer wirken muss, als hätte der am Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom leidende Nachbarsjunge sein Ritalin nicht bekommen und werfe deshalb seit einer halben Stunde pausenlos die Frisbeescheibe gegen den Holzgartenzaun, genau das symbolisiert, was sehr vielen und zunehmend mehr Fußball-Fans extrem auf den Keks geht. Nennen wir es die Disneysierung oder auch QVCisierung des Fußballs. Was Sie dem Sport durch Ihre Art der Kommentierung antun, ist auch nicht so viel anders als eine DFB-Pokal-Pausenshow mit Helene Fischer.

Sie blasen den Fußball auf, indem sie ihn 90 Minuten lang künstlich unter Maximal-Emotion setzen. Alles ist Superlativ, alles ist so . . . WOW . . . und . . . BÄMMM . . . und . . . ALTAAAH, ICH WERD‘ VERRÜCKT!!! Sie benutzen den Fußball als Vehikel, um in 90 Minuten möglichst viele kunterbunte Sprachbilder abzusetzen. Sie machen aus einem ganz normalen Kick die ganz große Show – so als wäre es „The Wall“ oder „Schlag den Raab/den Star“. Sie wirken auf mich wie Amy Sedaris, die nervtötende Wäsche-Expertin aus der TV-Werbung,  die mir auf dem Verkaufskanal QVC ein Brillenputztuch als Seidengeschmeide anpreist. Oder wie eines dieser Clickbaiting-Portale im Internet. „100 Gründe, warum Hoffenheim gegen Augsburg das geilste Spiel aller Zeiten ist. Auf den 99. Grund wären Sie nie gekommen . . .“ HIIIIILFEEE!!!

Viele Fans – ich behaupte sogar: die meisten Fans – wollen das nicht. Sie wollen einen kompetenten Kommentar von Experten, die über beide Mannschaften bestens informiert sind, die Taktik und Strategie lesen und erkennen können, die Umstellungen bemerken und einordnen – kurz: Die eine fundierte Analyse liefern. Das Ganze gerne auch emotional. Aber bitte emotional an den Stellen, die das auch hergeben – und nicht 90 Minuten nonstop am Puls-Anschlag.

Zwischendurch einfach mal durchschnaufen. Nicht „Atemlos“ durch die Übertragung hetzen. „Atemlos“ ist ja schon Helene Fischer.

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2 Kommentare zu “Buschmann & Dahlmann oder die QVCisierung des Fußballs

  1. Der Kommentar ist sehr passend. Dahlmann
    ist schon ewig so, Buschmann auch. Nicht
    erst seit Schlag den Raab – da fand ich es
    durchaus lustig.
    So langweilig z.B. Uli Potowski ist, so viel
    mehr überdreht sind diese Beiden.
    Tja – und nu??

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