Und das Old Trafford sprach: Es werde Gott!

Im Champions-League-Halbfinale 1997 gegen Manchester United erlangte Jürgen Kohler seinen Legenden-Status. Durch eine aberwitzige Rettungsaktion und eine außerirdische Abwehrleistung.

Große Spieler prägen große Spiele. Helden und Legenden-Status aber erlangen auch die großen Spieler erst in den ganz großen Spielen. Dann, wenn es um Titel und Trophäen geht – und auf dem Weg dorthin. Jürgen Kohler war 1997 längst ein großer Spieler. Er war Welt- und Europameister, Deutscher und Italienischer Meister. Er musste sich und der Fußballwelt nichts mehr beweisen. Unsterblich aber machte sich Kohler am Abend des 23. April 1997. Auf der größten Bühne des Fußballs, im „Old Trafford“ von Manchester United, dem „Theatre of Dreams“, lieferte der Abwehrspieler eine außerirdische Leistung ab, die ihm bei den Fans den Beinamen „Fußball-Gott“ einbrachte. Seit einigen Wochen nun hat Kohler im schwarzgelben Fußball-Himmel einen zweiten Gott an seiner Seite: Sven Bender! Dass sich die Szenen, die man mit ihnen verbindet, extrem ähneln, ist kein Zufall, sondern sagt viel über den Charakter und die Persönlichkeit der beiden Spieler aus.

Meist sind es ja die Stürmer oder die Torhüter, die in großen Spielen zu Legenden werden. Auch in der Historie von Borussia Dortmund gibt es solche Heldengeschichten. Sie handeln von Stan Libuda, von Norbert Dickel und Lars Ricken, von Hans Tilkowski, Stefan Klos und Roman Weidenfeller. Zum Beispiel. Manchmal – und ganz besonders beim BVB – sind es aber auch die Verteidiger, die zur Legende werden. Das hat mit der Mentalität der Menschen im Ruhrgebiet zu tun. Damit, dass harte Arbeit hier besonders respektiert und wertgeschätzt wird. „Stopper“ Paul, „Hoppy“ Kurrat, „Knuuuuut“ Reinhardt und Günter „Kutte“ Kutowski sind solche Spieler.

Und Jürgen Kohler, Fußball-Gott!

Und „Manni“ Bender, Fußball-Gott!

Borussia Dortmund hatte das Hinspiel des Champions-League-Halbfinals 1997 gegen Manchester United durch ein Tor von René Tretschok mit 1:0 gewonnen. Stark ersatzgeschwächt. Stark ersatzgeschwächt trat das Team am 23. April auch zum Rückspiel im Old Trafford an. Und erhöhte bereits nach acht Minuten durch Ricken in der Addition auf 2:0. Drei Tore brauchte ManU, gespickt mit Stars wie Eric Cantona, David Beckham, Ryan Giggs und Paul Scholes, nun – und so spielte die Mannschaft von Alex Ferguson dann auch. Sie drehte auf. Sie drückte und drängte. Das Spiel wurde zur Abwehrschlacht. Und Jürgen Kohler wurde zum Turm.

Die Szene, die ihn zum „Fußball-Gott“ machte, ereignete sich in der 18. Minute. Ashley Cole brachte den Ball scharf vor das Tor, BVB-Keeper Stefan Klos bekam die Hand noch dazwischen, konnte aber nicht endgültig klären. Am langen Pfosten verlor Kohler das Gleichgewicht, fiel auf den Rücken – und Cantona musste nur noch einschieben. Eigentlich. Doch irgendwie brachte Kohler, auf dem Rücken liegend, den linken Fuß noch an den Ball. Eine irre Rettungstat, die stark an Benders gigantische Grätsche gegen Arjen Robbens Schuss im DFB-Pokal-Halbfinale erinnert.

„Dieses Spiel im Old Trafford war zweifellos eines der Highlights meiner Karriere“, sagt Jürgen Kohler rückblickend. „Es war ja auch nicht nur diese eine Szene. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den 90 Minuten in höchster Not habe retten müssen.“ Die Situation selbst hat er im Spiel kaum bewusst wahrgenommen. Wie Bender in München.

Sein Versuch einer Schilderung: „Ich schaue auf Cole und habe Eric Cantona aus dem Augenwinkel im Blick. Dann fälscht Stefan Klos die Hereingabe von Cole so ab, dass ich die Laufrichtung ändern muss. Ich strauchle und stürze. Ich liege am Boden. Ich sehe Eric Cantona über mir und denke: Versuch‘ irgendwas, um ihn zu irritieren und noch an den Ball zu kommen.“

Das Ergebnis war ein Wahnsinns-Reflex, der Borussia im Spiel hielt. Das 1:1 zu diesem Zeitpunkt hätte Old Trafford „explodieren“ lassen und dem Spiel vermutlich einen ganz anderen Spin gegeben. So aber verzweifelt ManU an Borussias Bollwerk und namentlich Eric Cantona an Jürgen Kohler und dessen Nebenmann Martin Kree. Am Ende, auch diese Erinnerung hat sich beim Fußball-Gott tief in die Festplatte seines Langzeit-Gedächtnisses eingebrannt, gab es fairen Applaus der englischen Fans für den Gegner aus Deutschland. „Wir wussten gar nicht recht, wie uns geschah“, sagt Kohler. „Die Engländer haben uns ihren Respekt bekundet.“

Für den Verteidiger, der aus der rustikalen Schule des SV Waldhof Mannheim hervorgegangen war und zuvor schon für große Klubs wie Bayern München und Juventus Turin gespielt hatte, wurde erst Dortmund zur Heimat und der BVB zur großen Liebe. Sieben Jahre lang, von 1995 bis 2002, spielte er für Borussia. „Ich war auf dem Platz nie ein Rastelli, sondern eher von der arbeitenden Zunft. Und ich bin ja nicht einmal im Ruhrgebiet geboren, aber ich habe dieselbe Mentalität wie die Menschen im Revier. Deshalb habe ich auch nie einen Gedanken daran verschwendet, noch einmal zu einem anderen Verein zu wechseln.“ Wichtiger, sagt Jürgen Kohler, sei ihm stets gewesen, etwas Bleibendes zu hinterlassen. „Diese Wärme, Wertschätzung und Zuneigung, aber auch diese Freude und Dankbarkeit, die ich in Dortmund gespürt habe, hätte ich an keinem anderen Ort dieser Welt vergleichbar noch einmal erleben können.“

Deshalb beendete Jürgen Kohler, der Fußball-Gott, seine Laufbahn 2002 beim BVB. Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Mit tränenüberströmtem Gesicht bei der Verabschiedung gegen Werder Bremen. Und mit einer frühen Roten Karte vier Tage später im UEFA-Cup-Endspiel in Rotterdam gegen Feyenoord. Borussia verlor das Spiel – doch niemand, kein einziger Fan, hat Jürgen Kohler jemals auch nur einen Promillepunkt der Verantwortung zugewiesen. Ganz im Gegenteil: Als die Mannschaft nach ihrer Rückkehr auf dem offenen Truck durch Dortmund rollte, um die Meisterschaft mit den Fans nachzufeiern, stand Jürgen Kohler im Zentrum der Ovationen.

Und wenn er heute nach Dortmund kommt, dann sei das nicht, als ob er nach Hause komme. „Ich komme dann nach Hause. Ohne ‚als ob‘!“

Advertisements

. . . und es hat BÄMMM!!! gemacht

Am 4. Dezember 1963 erzielte Franz Brungs drei Tore gegen Benfica – und sicherte sich einen Logenplatz in der Geschichte von Borussia Dortmund

Machen wir uns nichts vor: Über jenen 4. Dezember 1963 ist alles geschrieben. Alles doppelt, dreifach, x-fach. Dass es lausig kalt war und der Rasen im Stadion Rote Erde hart gefroren . . . geschrieben! Dass das natürlich ein Vorteil für die Malochertruppe von Borussia Dortmund war und ein krasser Nachteil für die fußballerischen Feinmotoriker von Benfica Lissabon . . . geschrieben! Dutzendfach beschrieben wurden in den 53 Jahren, die seither vergangenen sind, die legendären goldgelb glänzenden Seidenhemden, die der BVB trug, damit die Spieler bei der Fernsehübertragung in der ARD trotz des eher schummrigen Flutlichts gut zu erkennen waren. Dass sich Präsident Dr. Werner Wilms im Prämienpoker mit Mannschaftskapitän Aki Schmidt breitschlagen ließ, für das Erreichen der nächsten Runde 500 statt 250 D-Mark zu zahlen – und später verriet, er habe eben nicht ans Weiterkommen geglaubt: Auch das hat man wieder und wieder gehört und gelesen. Und doch wird es nie langweilig; und doch liest man es immer wieder gerne – wie auch die Geschichte von Franz Brungs, der sich an diesem Abend unsterblich machte.

Pyrotechnik und Platzsturm
Natürlich könnte man investigativ an dieses „Jahrhundert-Spiel“ des BVB (für Benfica war’s eher eine Jahrhundert-Schmach) herangehen. Man könnte versuchen, herauszufinden, was seinerzeit die Stadion-Bratwurst kostete. Ob der Becher Bier noch im Pfennig-Bereich lag oder schon über einer Mark. Man könnte versuchen, zu ermitteln, wie viele Frauen und Kinder wohl im Stadion waren (Vermutung: sehr wenige). Oder wie viele der Männer im Stadion Mantel und Hut trugen (Vermutung: sehr viele). Man könnte die Geschichte auch an der Lautsprecher-Durchsage kurz vor dem 2:0 aufziehen: „Liebe Zuschauer, ich darf noch einmal wiederholen: Bitte unterlassen Sie das Abfeuern von Raketen. Sie gefährden die Zuschauer und die Spieler.“ Man könnte die Anhänger zählen, die nach jedem Tor jubelnd auf den Rasen liefen und die vielen Tausend, die nach dem Schlusspfiff den Platz stürmten. Und dann könnte man ausrechnen, wie oft heute wohl die Südtribüne gesperrt werden würde . . . aber lassen wir das!

„Mein Durchbruch beim BVB“
Reden wir lieber über Franz Brungs. Das „Goldköpfchen“, wie die Fans ihn nannten, weil er erstens blond war und zweitens den Kopf nicht zuletzt zum Toreerzielen zwischen den Schultern trug. Jenen Franz Brungs, der im Sommer 1963 von der niederrheinischen zur westfälischen Borussia gewechselt war. Zum amtierenden Deutschen Meister. „Ich kam in eine intakte, eingespielte Mannschaft mit tollen Offensivspielern. Es war nicht einfach, mich durchzusetzen“, erinnert sich der heute 80-Jährige. „Das Spiel gegen Lissabon war dann praktisch mein Durchbruch beim BVB.“ Was für eine maßlose Untertreibung. Es war viel mehr als das. Es war ein Urknall, ein BÄÄÄM!!! mit drei Ausrufezeichen. Ein unsterbliches Kapitel schwarzgelbe Fußballgeschichte.

Das Hinspiel: Elf Portugiesen gegen Hans Tilkowski
Aber fangen wir von vorne an: Dieses Sport Lisboa e Benfica, auf das Borussia Dortmund im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister 1963/64 traf, war nichts weniger als die beste europäische Mannschaft ihrer Zeit. 1961 und ’62 hatte das Team um den genialen Eusebio den Wettbewerb gewonnen. „Ein Ausnahmeteam“, sagt Franz Brungs. Und genau so trumpften die Portugiesen im Hinspiel auch auf. „Das war ein Spiel auf ein Tor. Wir hätten uns über fünf oder sechs Gegentreffer nicht beschweren dürfen. Doch der Hans (Tilkowski/d. Red.) hat ein Riesenspiel gemacht. Was der alles gehalten hat, war unglaublich!“ Und weil Franz Brungs, der die einzige Aufgabe hatte, „gelegentlich für Entastung zu sorgen“, so viel rannte „wie nie zuvor und danach in meiner Laufbahn“; und weil Reinhold Wosab einen dieser Entlastungsangriffe mit einem Tor veredelte, hieß es nach 90 Minuten aus Dortmunder Sicht nur 1:2 – im Europapokal ein fast optimales Auswärtsergebnis.

Das Rückspiel: Dortmunder Vollgasfußball von Beginn an
Nur eben nicht gegen Benfica. Die Portugiesen galten auch vor dem Rückspiel in der Roten Erde als Favorit. Nur war dort der Boden hart gefroren. Und Eusebio war verletzungsbedingt nicht dabei. Dafür aber 42.000 anfangs erwartungsfrohe und von Minute zu Minute immer hemmungslosere Fans. Und eine Mannschaft von Borussia Dortmund, die Vollgas gab, als ob der Trainer schon damals Jürgen Klopp geheißen hätte und nicht Hermann Eppenhoff.

Gut eine halbe Stunde verteidigte Benfica das 0:0. Dann brach das schwarzgelbe Unheil über Lissabon herein.

  1. Minute: Flanke Willi Burgsmüller, Kopfball Timo Konietzka – 1:0.
  2. Minute: Steilpass Konietzka auf Franz Brungs – 2:0.
  3. Minute: Diesmal Reinhold Wosab auf Brungs – 3:0.

Drei Tore am 27. Geburtstag
Innerhalb von 180 Sekunden hatte der BVB die beste Mannschaft Europas in ihre Einzelteile zerlegt. Zwei Minuten nach der Pause erzielte Franz Brungs dann seinen dritten Treffer an diesem Abend; Wosab ließ nach Pfostenschuss von Willi Sturm das 5:0 folgen. Der Wahnsinn! „Niemand, der damals dabei war – als Spieler oder als Zuschauer ,– wird diesen Abend jemals vergessen“, sagt Franz Brungs, der Hauptdarsteller dieses Jahrhundert-Spiels. Dass er am Tag des Spiels auch noch seinen 27. Geburtstag feierte, macht die Geschichte endgültig zum Märchen. „An meinen Geburtstag hatte ich gar nicht mehr gedacht.“ Erst das Ständchen beim Bankett mit Bundestrainer Sepp Herberger rief ihn Brungs in Erinnerung.

Ein Europapokal-Abend als ganz großes Gefühlskino.

Von den Fans auf Schultern getragen
Selbst TV-Kommentator Ernst Huberty ließ sich in seiner Abmoderation zu so etwas wie einem emotionalen Ausbruch hinreißen: „Alle Menschen stürmen in die Mitte, um ihre Borussen auf den Schultern vom Rasen zu tragen. Und ich glaube, das ist ein schönes Bild zum Abschied aus dem Stadion Rote Erde hier in Dortmund.“ Auch Brungs verließ den Rasen nicht auf seinen eigenen Beinen. Auch er wurde getragen von restlos begeisterten Fans.

Franz Brungs hat als Fußballer weitere Erfolge gefeiert: den DFB-Pokalsieg mit dem BVB (1965), die Meisterschaft mit dem 1. FC Nürnberg (1968). Aber nie wieder hat er solche Emotionen erlebt wie am Abend des 4. Dezember 1963 in der Roten Erde. Er hat das abgespeichert auf der Festplatte in seinem Langzeitgedächtnis – und ruft es immer wieder gerne ab, wenn er nach seinen Erinnerungen gefragt wird.

„Der BVB ist in der europäischen Spitze angekommen!“
Inzwischen ist Franz Brungs 80 Jahre alt. Er ist in Nürnberg hängen geblieben, hat viele Jahrzehnte lang ein Lotto-Toto-Geschäft betrieben. Der Verlust seiner Ehefrau hat ihn vor einigen Jahren schwer getroffen. Aber seine beiden Söhne „kümmern sich toll um mich“; auch jetzt, da sein Herz manchmal unrund schlägt. Die beiden Enkel, sagt er, geben seinem Leben einen Sinn. Und natürlich der Fußball. Bei den Heimspielen des „Club“ ist er fast immer im Stadion. Und den BVB verfolgt er aus der Ferne mit Begeisterung. „Was in Dortmund in den letzten Jahren gewachsen ist, ist großartig. Der Klub ist in der europäischen Spitze angekommen.“ Noch nicht ganz dort, wo Benfica Lissabon Anfang der 60er stand – aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Die alte Dame klingelte zur falschen Zeit

Juve also. Juventus Turin vs. Borussia Dortmund. Ein Europapokal-Klassiker der 1990er Jahre erlebt im Achtelfinale der Champions-League-Saison 2014/15 einen frischen Aufguss. Jener Klub, der seinerzeit im italienischen Fußball das Maß aller Dinge war und es nach (Bestechungs-)Skandalen, Zwangsabstieg und Wiederaufstieg inzwischen wieder ist, fordert jenen Klub heraus, der ihn damals fast leer gekauft hat. Stefan Reuter, Andreas Möller, Julio Cesar, Jürgen Kohler, Paulo Sousa – sie alle wechselten in der ersten Hälfte der 90er Jahre von Juventus zur Borussia. Mit dem einen, dem schönen Ergebnis, dass der BVB die „alte Dame“ Juve im CL-Finale 1997 besiegte. Und mit dem anderen, dem unschönen Ergebnis, dass Borussia wenige Jahre später quasi pleite war.

Die Geschichte der UEFA-Cup-Endspiele 1993 zwischen Juve und dem BVB könnt Ihr, reich bebildert, in meiner Westfalenstadion-Hommage „Jetzt muss ein Wunder her – Die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB“ nachlesen. Bestellen könnt Ihr das Buch unter den folgenden beiden Links. Wem die nackte Version reicht, der muss hier nur weiterlesen . . .

http://goo.gl/QLOC52

http://goo.gl/0WKSn5

Bor. Dortmund – Juventus Turin 1:3 (1:2)

(5. Mai 1993, UEFA-Pokal-Finale, Hinspiel)

Lediglich zweimal war Dortmunds Fußball-Oper in vier Jahrzehnten Schauplatz eines europäischen Endspiels. Das erste und einzige mit Beteiligung von Borussia Dortmund stieg am 5. Mai 1993. Es war zugleich der Auftakt zu einer Trilogie zwischen dem BVB und Italiens alter Dame Juventus Turin.

93 – 95 – 97

Im Rhythmus von zwei Jahren standen sich die beiden Klubs Mitte der 1990er dreimal auf höchstem Niveau gegenüber. 1993 setzte Juve sich in den damals noch zwei Finalspielen des UEFA-Cups, dem Vorgänger der heutigen Europa League, deutlich durch. 1995 im Halbfinale desselben Wettbewerbs war es erheblich enger. Und wieder hieß der Sieger Turin. Doch aller guten Dinge sind bekanntlich drei – und so entschied der BVB 1997 das hochwertigste der drei Duelle, das Endspiel der Champions League, für sich.

Im Mai 1993 war der BVB, der sich durch die Vizemeisterschaft gleich im ersten Jahr unter Trainer Ottmar Hitzfeld für den Wettbewerb qualifiziert hatte, letztlich nicht bereit für eine Herausforderung dieser Größenordnung. Das Team kroch personell auf dem Zahnfleisch. Matthias Sammer, im Winter von Inter Mailand an die Strobelallee gekommen, war international noch nicht für Borussia spielberechtigt. Stammlibero Ned Zelic war verletzt und musste durch Amateur Uwe Grauer ersetzt werden. Der war in den zehn UEFA-Cup-Spielen bis zum Finale zwar schon dreimal zum Einsatz gekommen – allerdings in Summe gerade einmal 22 Minuten: sechs gegen Celtic Glasgow, eine gegen AS Rom, 15 gegen AJ Auxerre. Und nun sollte er gegen eine der spielstärksten Offensivreihen Europas eine Abwehr organisieren, die völlig neu formiert war. Denn auch Michael Schulz und Günter Kutowski fehlten. „Kutte“ war vom europäischen Verband gleich für beide Finals gesperrt worden, weil er im Halbfinale gegen AJ Auxerre zunächst seine zweite gelbe Karte im Wettbewerb und anschließend auch noch Gelb-Rot gesehen hatte. Da Hitzfeld in der Offensive auch Flemming Povlsen ersetzen musste, sanken die Chancen auf den ersten internationalen Titel seit 1966 schon im Vorfeld auf ein rechnerisches Minimum.

Jammerschade, denn der BVB hatte bis dahin eine wirklich tolle Europapokal-Saison gespielt und sich den Finaleinzug redlich verdient. Dem standesgemäßen Erstrundensieg gegen die maltesischen Feierabend-Kicker des FC Floriana (1:0/A, 7:2 H) folgten ein umkämpftes Duell gegen Celtic Glasgow (1:0/H, 2:1/A) und ein Drittrunden-Erfolg gegen Real Saragossa, der letztlich souveräner war, als es die Ergebnisse (3:1/H, 1:2/A) zum Ausdruck brachten. Im Viertelfinale gegen AS Rom (mit dem deutschen Nationalspieler und späteren Dortmunder Thomas Häßler) drehte Borussia die 0:1-Auswärtsniederlage im Rückspiel vor eigenem Publikum mit 2:0 um (Tore: Michael Schulz, Thomas Sippel). Im Halbfinale schließlich legten sie gegen AJ Auxerre ein 2:0 vor. Steffen Karl (59.) und Michael Zorc (88.), der wenige Minuten zuvor noch mit einem Elfmeter am französischen Schlussmann Bruno Martini gescheitert war, schossen die Tore.

Das Rückspiel entwickelte sich zu einem der größten Dramen der schwarz-gelben Europacup-Historie. Auxerre ging früh in Führung und erzwang in der zweiten Halbzeit die Verlängerung. In der flog erst Günter Kutowski mit Gelb-Rot vom Platz (98.), neun Minuten später erwischte es auch AJ-Akteur Raphaël Guerreiro. Tore fielen auch bei Zehn-gegen-Zehn nicht mehr. Elfmeterschießen also – und auch das musste, nachdem die ersten zehn Schützen allesamt verwandelt hatten (Karl, Stephane Chapuisat, Knut Reinhardt, Schulz und Zorc für den BVB) in die Verlängerung. Dort traf Michael Rummenigge für die Westfalen, und Torwart Stefan Klos parierte gegen Stephane Mahé. Riesenjubel bei den Dortmundern, Riesenjubel auch in Dortmund, wo 20.000 Fans den Elfmeter-Krimi vor einer Großleinwand auf dem Friedensplatz verfolgten.

Und nun also Juventus Turin. Mit Trainerfuchs Giovanni Trapattoni. Mit dem Ballkünstler Roberto Baggio, den die UEFA später zu Europas Fußballer des Jahres 1993 kürte. Mit Dino Baggio. Mit Gianluca Vialli. Zwar nicht mehr mit Stefan Reuter, der ein Jahr zuvor bereits zum BVB gewechselt war. Dafür aber mit drei Spielern, die in den folgenden Jahren ebenfalls noch zum BVB wechseln sollten: Andreas Möller, Julio Cesar, Jürgen Kohler. Borussia Dortmund und Juventus Turin – das war in den 1990er Jahren nicht nur eine sportliche Rivalität, sondern auch eine florierende Geschäftsbeziehung. Der BVB-Vorstand Niebaum/Meier kaufte gerne bei den Norditalienern ein.

Das Duell wurde zu einer einseitigen Auseinandersetzung. „Wir hätten auch in Bestbesetzung Probleme gehabt“, räumte Ottmar Hitzfeld später ein. Das Improvisationstheater-Ensemble, das er im Hinspiel vor 37.000 Zuschauern auf den Platz schicken musste, hatte aber nicht nur Probleme. Es hatte Riesenprobleme. Wobei: nicht von Anfang an. Im Gegenteil. Der BVB erwischte einen Blitzstart, ging nach nur 61 Sekunden und feiner Vorarbeit von Reinhardt durch Rummenigge in Führung, setzte seinen Sturmlauf auch danach noch eine Weile fort. Wer weiß, ob Juve sich von dem Schock erholt hätte, wenn Michael Lusch das 2:0 gelungen wäre – der Ball strich um Zentimeter am linken Pfosten vorbei.

Hätte – wäre – wenn. Tatsächlich reichten den gnadenlos abgezockten Italienern drei Minuten, um das Finale zu ihren Gunsten zu kippen. Dino Baggio glich aus (27.), Roberto Baggio, mit seinem Namensvetter übrigens weder verwandt noch verschwägert, brachte die Gäste nach einer halben Stunde in Führung und legte eine Viertelstunde vor Schluss nach – 1:3. Der Drops war damit im Grunde schon gelutscht. „Die beiden Super-Baggios waren einfach nicht zu halten“, schwärmte die „Gazzetta dello Sport“. Und während Bundestrainer Berti Vogts höflich konstatierte, „ein 2:2 wäre auch gerecht gewesen“, gaben sich die Schwarz-Gelben realistisch. „Juve war eine Nummer zu groß“, sagte Torwart Klos. Manager Meier hatte Turin „eine Klasse besser“ gesehen. Und Trainer Hitzfeld musste einräumen: „Wir sind eiskalt ausgekontert worden.“

Vor dem Rückspiel im Stadio delle Alpi mussten dann auch Zorc und Chapuisat verletzungsbedingt passen. Noch vor der Pause erwischte es zudem Rummenigge. Es fehlte nicht viel, und Hitzfeld hätte Fußlahme mit Gehhilfe oder Rollator einwechseln müssen. Allerletzte Zweifel am Sieger räumte Dino Baggio nach nur fünf Minuten aus; kurz vor der Pause erhöhte er auf 2:0 – und ausgerechnet Möller, der Ex- und Bald-wieder-Dortmunder, setzte den Schlusspunkt (65.). Den 4.000 mitgereisten Fans war’s wurscht. Auch der Dauerregen störte sie nicht. Sie feierten trotzdem.

1:3 + 0:3 = 1:6. Die Endspiel-Gleichung war beinahe schon Mitleid erweckend. „Wir haben Juventus Turin, diese absolute Klassemannschaft, mit unserem ersatzgeschwächten Team definitiv zum falschen Zeitpunkt erwischt“, haderte Hitzfeld, der sich sein erstes ganz großes Finale natürlich anders vorgestellt hatte.

Als der BVB 1994/95 im UEFA-Cup-Halbfinale erneut auf Turin traf, hatten nach Reuter auch Möller und Cesar die Seiten gewechselt. Allein Kohler spielte noch für Juve. Möller war es auch, der Borussia im Hinspiel in Italien in der 71. Minute mit 2:1 in Führung brachte; Kohler glich zwei Minuten vor dem Schlusspfiff aus. Im Rückspiel war Cesar zum zwischenzeitlichen 1:1 für Dortmund erfolgreich. Doch wiederum war es Roberto Baggio, der mit seinem 2:1-Siegtor Juve ins Finale und Borussia aus dem Wettbewerb schoss. Und so fehlt der UEFA-Cup bis heute im Trophäenschrank des BVB.

Weidenfeller, Langerak und das Leistungsprinzip

Es ist noch keine sechs Wochen her, da machten ein paar Medien einfach mal ein Fass auf: Der BVB, so die Stoßrichtung, plane bereits die Zeit nach Roman Weidenfeller – und liebäugle daher mit einer Verpflichtung von Kölns Keeper Timo Horn. Oder von Frankfurts Keeper Kevin Trapp. Oder von Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler. Oder von Hoffenheims Keeper Oliver Baumann. Oder von Freiburgs Keeper Roman Bürki. Oder . . . oder . . . oder. Als (fast) alle Zeitungen, TV-Kanäle und Online-Plattformen das Thema, das keines war, ordentlich durchgenudelt hatten, war so ziemlich jeder Torwart mit dem BVB in Verbindung gebracht worden, der glücklicherweise zwei Hände mit jeweils fünf Finger hat und obendrein über das motorische Geschick verfügt, sich Handschuhe darüber zu ziehen.

Zorc: „Ich weigere mich, eine Torwart-Diskussion zu führen“

Seit dem vergangenen Freitag wird eine andere, eine neue Diskussion geführt. Am vergangenen Freitag nämlich, im so-called „Schicksalsspiel“ gegen die TSG 1899 Hoffenheim, lief der Tabellenletzte Borussia Dortmund mit Mitch Langerak anstelle von Roman Weidenfeller auf. Jener Langerak, der in den Phantasiegeschichten der Vorwochen übrigens nur die Nebenrolle eines ewigen zweiten Mannes gespielt hatte, dem die Verantwortlichen von Borussia Dortmund wohl kaum zutrauten, jemals die Nummer eins zu werden. Das ging so lange, bis der „Kicker“ Ende November in der ihm eigenen Unaufgeregtheit den BVB-Sportdirektor Michael Zorc mit dem Satz zitierte, er weigere sich, eine Torwart-Diskussion zu führen, weil man ja schließlich „zwei der besten Torhüter der Liga unter Vertrag“ habe. Das Fachmagazin vermeldete sogar – und das macht der „Kicker“ für gewöhnlich nur, wenn er sich sehr sicher ist –, dass der 26-jährige Langerak den 34-jährigen Weidenfeller mittelfristig beerben soll.

Dass der Australier gegen Hoffenheim plötzlich zwischen den Pfosten stand, weil Jürgen Klopp „sein Lächeln auf dem Platz haben“ wollte (mit anderen Worten“: auf seine positive Ausstrahlung setzte), bedeutet noch lange nicht, dass aus dem „mittelfristig Beerben“ ein „sofort Beerben“ wird. Genau die Diskussion aber erhitzt seit Tagen die Gemüter. „Weidenfeller aufs Altenteil?“ – „Weidenfeller ausgemustert?“ – „War’s das für Weidenfeller?“ – so lauten die klick-trächtigen Schlagzeilen. Zudem wird heftigst darüber debattiert, ob es hygienisch in Ordnung war, dass Klopp seinen Weltmeister nicht unter vier Augen, sondern erst in der Mannschaftssitzung informiert hat. Kann man führen, diese Diskussion. Allerdings sollte sie dann nicht von ehemaligen Durchschnitts-Torhütern wie Gerry Ehrmann geführt werden, der am BVB ungefähr so nah dran ist wie Gibraltar an der Qualifikation für die EM 2018. Und auch nicht von Peter Neururer, der  . . . ach, lassen wir das. Der Peter hat’s gerade heute schon schwer genug.

Sportlich war der Wechsel richtig

Eine Diskussion, die man nicht nur führen KANN, sondern führen MUSS, ist die sportliche – und die kommt einmal mehr zu kurz. War der Torwartwechsel gegen Hoffenheim gerechtfertigt? Die Antwort lautet: allemal! War er vielleicht sogar nötig? Die Antwort lautet: offenbar ja! Denn Klopps Hinweis, Weidenfeller sei „nichts vorzuwerfen“, ist nett. Aber falsch.

Richtig ist: Roman Weidenfeller spielt bisher keine gute Saison. Auch wenn sein „Kicker“-Notendurchschnitt mit 2,96 (zum Vergleich: in den Meisterjahren 2010/11 und 11/12 lag er bei 2,76 bzw. 2,80) immer noch vergleichsweise okay ist. Nicht falsch verstehen, der Routinier ist ein toller Torwart. Auf der Linie sowieso. Im Duell Mann-gegen-Mann war er in den vergangenen Jahren einer der besten in ganz Europa. Sein Anteil an den Erfolgen von Borussia Dortmund in der Ära Jürgen Klopp ist maximal. In den beiden Meisterjahren war er der Rückhalt, und ohne Weidenfeller hätte der BVB das Champions-League-Endspiel 2013 wohl nicht erreicht. Dass Bundestrainer Joachim Löw, der dem Dortmunder lange Jahre die kalte Schulter gezeigt hatte, irgendwann nicht mehr an ihm vorbei konnte und ihn sogar als Nr. 2 in den WM-Kader berief, spricht für sich. Nur zur Erinnerung: Als sich Manuel Neuer im DFB-Pokal-Finale 2014 verletzte und eine zeitlang nicht ganz klar war, ob er rechtzeitig fit werden würde, sah es sogar so aus, als würde die DFB-Elf mit Roman Weidenfeller im Tor zumindest in das Turnier starten. Und wenn ich mich recht erinnere, gab es niemanden, der bei dem Gedanken daran sonderlich nervös geworden wäre.

Weidenfeller wirkt, als sei er mit den Gedanken noch auf der Fähre

So weit, so gut. Doch das alles ist Vergangenheit – und Fußball wird in der Gegenwart gespielt. Die Krise des BVB ist derzeit sogar allgegenwärtig. Und die Krise des BVB ist ein bisschen auch die Krise des Roman Weidenfeller, die ihren Ursprung möglicherweise ausgerechnet in der erfolgreichen Weltmeisterschaft hat. Denn seit Manuel Neuer in Brasilien das Torwartspiel neu erfunden hat, meinen alle deutschen Torhüter (in der Premier League und der Primera Division gibt es diesen Effekt nicht), sie müssten ihren Arbeitsort um 20 Meter nach vorne verlegen. Dort hin also, wo man den Ball, auch als Torwart, nicht mehr in die Hand nehmen darf. Dort, wo man ihn also mit dem Fuß spielen muss. Das kann der Manuel Neuer gut. Roman Weidenfeller nicht so. Weil er’s trotzdem ständig tut, entsteht Unruhe und Unordnung in der Defensive. Das Vertrauen der Mitspieler in den letzten Mann leidet. Und wenn der dann auch noch so gravierend patzt wie vor dem entscheidenden 1:2 in Köln und dem 0:2 in Frankfurt, dann gerät eben auch ein Weltmeister in die Kritik. Weidenfeller wirkt, um es auf den Punkt zu bringen, seit der WM unkonzentriert und fahrig. So, als pendele er mit den Gedanken immer noch mit der Fähre zwischen dem Campo Bahia und dem Festland.

Entscheidungsgrundlage: das Leistungsprinzip 

Wenn Jürgen Klopp sich vor dem Hoffenheim-Spiel gegen Weidenfeller und für Langerak entschieden hat, dann nicht nur aus einem „Bauchgefühl“ heraus. Auch nicht, weil der australische Sonnyboy so fröhlich lächelt. Sondern weil das Leistungsprinzip aktuell für diesen Wechsel sprach. Wohlgemerkt: aktuell – nicht für alle Ewigkeit. Weidenfeller hat eine schwächere Phase, die erste seit Jahren, eine Phase, wie auch Top-Top-Torhüter sie mal haben, aber Borussia Dortmund wird seine Klasse und Erfahrung noch brauchen. In die Zukunft gedacht, gibt es allerdings keinen einzigen Grund, anzunehmen, dass Mitch Langerak den Job im Kasten des BVB nicht mindestens genau so gut erledigen würde wie Horn, Baumann, Bürki, Zieler, Trapp . . .

AKTUALISIERUNG (11.12., 14:00):

In der Pressekonferenz zum Spiel in Berlin hat BVB-Trainer Jürgen Klopp gerade angekündigt, dass Mitch Langerak – „sofern nichts Außergewöhnliches passiert“ – bis zur Winterpause die Nummer eins im Tor von Borussia Dortmund bleiben wird. „Ich hatte gestern“, so Klopp, „ein langes und gutes Gespräch mit Roman Weidenfeller und bin die bisherige Saison mit ihm durchgegangen. Wir arbeiten seit vielen Jahren gut und vertrauensvoll zusammen, und er hat jetzt schon damit begonnen, den Kampf um den Platz im Tor aufzunehmen. In der Wintervorbereitung geht’s von vorne los!“

(Beitragsbild: Screenshot Sport1/facebook)

Links zum Thema:

http://www.sueddeutsche.de/sport/nationaltorwart-beim-bvb-klopp-opfert-weidenfeller-1.2257916

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/617003/artikel_weidenfeller_eine-frage-des-stils.html

http://www.kicker.de/news/video/1541463/video_klopp-sauer-wegen-weidenfeller-debatte.html

http://www.derwesten.de/sport/fussball/bvb/klopp-hat-mit-der-t-frage-beim-bvb-probleme-geschaffen-id10125279.html

Die Gründe für Borussias „Gala“-Gala – und was das für die Liga bedeutet

BVB – FC Arsenal 2:0

RSC Anderlecht – BVB 0:3

Galatasaray – BVB 0:4

Drei Champions-League-Spiele, drei Siege, dreimal ohne Gegentor. Die Null steht – und vorne läuft’s. Warum nur in der Liga der Besten, warum nicht auch in der Liga der Weltmeister? Da lief’s vorne bislang nicht wie aus den Vorjahren gewohnt, davon, dass die Null steht, kann schon gar nicht die Rede sein.

Will sagen: Nun geht sie wieder los, die Debatte über die zwei Gesichter von Borussia Dortmund. Darüber, ob die Mannschaft nur in der Königsklasse, nicht aber im Bundesliga-Alltag voll motiviert, voll konzentriert, kurz: voll gallig sei. Eine Diskussion, die am Kern der bisherigen Saison allerdings so weit vorbei zischt wie mancher Distanzschuss am Tor.

Nein, es gibt keine zwei Borussias, sondern zwei Sportarten. Die Sportart in der Champions League heißt FUßBALL. Die Sportart in der Bundesliga heißt 11 GEGEN DIE GUMMIWAND. Fußball kann der BVB. Gummiwand kann er nicht so gut.

Im Klartext: Die Gegner in der Königsklasse spielen mit. Der FC Arsenal definiert sich seit Jahren über technisch versierten, kombinationsfreudigen Ballbesitzfußball. Der RSC Anderlecht war naiv genug, die Flucht nach vorne anzutreten, und „Gala“ musste nach nur einem Punkt aus zwei Partien bereits ein gewisses Risiko eingehen. Hinzu kommt: Alle Mannschaften in der CL, selbst Borissow, Maribor und Ludogorets, spielen in ihren Heimatligen eine dominante Rolle. Sie sind es gewöhnt, selbst initiativ zu werden. Sie sind nicht geübt darin, sich hinten reinzustellen. Das kommt einem Team wie dem BVB, der für sein blitzschnelles Umschaltspiel Räume benötigt, natürlich entgegen.

Punkt zwei: Von wegen Jürgen Klopp hat keinen Plan B! Der Trainer, der nach dem Köln-Spiel schwer enttäuscht und für den Moment auch ein wenig ratlos wirkte, hatte eben doch Rat. Weil die etatmäßigen Linksverteidiger Marcel Schmelzer und Erik Durm verletzt sind und die erste Alternative Kevin Großkreutz zuletzt etwas überspielt wirkte, nahm Klopp in Istanbul eine Anleihe bei Bundestrainer Joachim Löw. Der war mit dem Schalker Benedikt Höwedes, einem gelernten Innen- und Gelegenheits-Rechtsverteidiger, auf der linken Außenverteidigerposition Weltmeister geworden. Klopp verlieh seiner zuletzt wackligen Viererkette in Istanbul mit Sokratis auf Links deutlich mehr Stabilität. Der Grieche ist – genau: gelernter Innen- und Gelegenheits-Rechtsverteidiger.

Zweite Überraschung in der Startelf: Nicht Ciro Immobile spielte in der Spitze und auch nicht Adrian Ramos, sondern Pierre-Emerick Aubamayang. Der Gabuner, seit Wochen in Topform, allerdings meist über den rechten Flügel kommend, spielte in vorderster Linie seine Schnelligkeit und seinen Torriecher aus und netzte in der Anfangsphase zweimal eiskalt ein. Hinter ihm agierte eine Reihe mit drei „Zehnern“: Kagawa in der Schaltzentrale, Reus links, Mkhitaryan rechts, wobei die drei viel rochierten und Galatasaray auch durch Tempowechsel das Verteidigen schwer machten.

Und was bedeutet das für die Partie am Samstag gegen Hannover 96: Leider NICHTS – sieht man einmal davon ab, dass die „Krise“ medial vorerst nicht zur drohenden Apokalypse aufgeblasen wird. Und sieht man außerdem davon ab, dass der klare Zu-Null-Erfolg natürlich ein Stück Sicherheit und Selbstvertrauen zurück gibt. Letztlich aber wird am Samstag wieder 11 GEGEN DIE GUMMIWAND gespielt. Diese andere Sportart. Weil sich die Niedersachsen, nach zuletzt drei Niederlagen selbst in der Mini-Krise, wie schon der HSV, Stuttgart und Köln mit zehn Mann um den eigenen Strafraum aufbauen, auf Dortmunder Fehler warten und auf gelegentliche Konter setzen werden. Der BVB, namentlich Spieler wie Kagawa, Reus und Mkhitaryan, aber auch Ilkay Gündogan, der in Istanbul im Zusammenspiel der Edeljoker das 4:0 durch Ramos brillant vorbereitete, wird Geduld haben und beizeiten den Türöffner finden müssen. Das gelang gegen eine taktisch so ausgerichtete Mannschaft in dieser Saison erst einmal: beim 3:1 gegen Freiburg.

Es wird höchste Zeit für den zweiten Heimsieg. Denn die nächsten Gegner heißen FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach. Wobei: Die spielen ja auch lieber Fußball als Gummiwand.

FC Schalke 04: Mit di Matteo aus dem Keller?!

Derbysiege sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Gerade zehn Tage ist es her, da besiegte der FC Schalke 04 den BVB in der Dreifach-Turnhalle am Berger Feld mit 2:1 und feierte sich als „Die Nr. 1 im Pott!“. Zwei Spiele später – ein tristes 1:1 in der Champions League gegen NK Maribor und ein fast schon erwartetes 1:2 in der Bundesliga bei der TSG 1899 Hoffenheim – war die Geduld der Klubführung am Ende. Vorstandschef Clemens Tönnies und Sportdirektor Horst Heldt setzten Trainer Jens Keller den Stuhl vor die Tür. Die Entwertung eines Derbysieges und der vorläufige Schlusspunkt unter ein letztlich unwürdiges Hick-Hack über Wochen und Monate hinweg. Dass der Entscheidung die branchenüblichen Beteuerungen („Wir führen keine Trainerdiskussion“ – „Wir stehen hinter Jens Keller“) vorausgegangen waren, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Was derlei Sätze wert sind, weiß man längst: nicht einmal die drei Euro fürs Phrasenschwein.

Keller wirkte stets wie „Jesus reloaded“

Noch am Sonntagabend hatte sich Jens Keller der Diskussion bei Sky90 gestellt. Vermutlich hatte er seinen Besuch nach dem Derbysieg zugesagt. In Erwartung eines Erfolges gegen Maribor und einer sportlich entspannten bis tendenziell erfreulichen Lage. Es kam anders. Die „Experten“-Runde nahm ihn ins Kreuzverhör; insbesondere die BILD, die ihn mit Detailkenntnissen aus internen Sitzungen konfrontierte. Keller leistete nur überschaubaren Widerstand. Bei jedem anderen Trainer hätte man nachher festgestellt: Das war ein vitaminarmer Auftritt. Bei Keller hieß es: Er war doch wie immer. Ruhig. Sachlich. Zurückhaltend. – Souverän und authentisch nennen das die einen. Die anderen werfen ihm seit jeher vor, ihm fehle es an Temperament, an Esprit, an Strahlkraft. Keller selbst sagt:  Er sei eben kein Kasper und werde sich nie, niemals verstellen.  Fakt aber ist: Der Trainer und Fußballlehrer, der fachlich womöglich exzellent ist, scheiterte auch an seiner fehlenden Bereitschaft, im Show-Biz Bundesliga angemessen mitzuspielen. Zumal in unmittelbarer Nachbarschaft, beim Erzrivalen BVB, mit Jürgen Klopp einer arbeitet, der genau diese Klaviatur perfekt beherrscht und mit seiner Hemdsärmeligkeit ins Revier passt als sei er genau hier und nicht im Schwarzwald geboren worden. Bei Jens Keller hingegen hatte man – und das bleibt das einzige Wortspiel mit seinem Namen – stets den Eindruck, er gehe zum Lachen in denselben. Meist wirkte er wie ein „Jesus reloaded“, auf dessen Schultern die gesamten Leiden und Beschwernisse Gelsenkirchens abgeladen wurden. Jürgen Klopp in der tiefsten Depression und Niedergeschlagenheit klingt noch zuversichtlicher und begeisterungsfähiger als Jens Keller im Siegestaumel.

Hier Keller – dort Klopp. Der Eine im Vorjahr nach der besten Rückrunde der Klubgeschichte mit Schalke Dritter – der Andere mit dem BVB Zweiter. Beide direkt für die Champions League qualifiziert. Beide mit dem Anspruch in die laufende Saison gestartet, dies erneut zu schaffen. Keller mit Schalke nach sieben Spieltagen Elfter (8 Punkte) – Klopp mit Borussia sogar nur 13. (7 Punkte). Und doch sitzt der eine so sicher im Sattel wie man in diesem Job nur sitzen kann, während der andere beim JobCenter sitzt und sich arbeitssuchend meldet. Das sagt viel. Über Keller. Über Klopp. Über den BVB – vor allem aber über den FC Schalke 04.

Schalke hat einen ganzen Haufen weiterer Probleme

Denn der hatte nicht bloß ein Keller-Problem. Er hat vielmehr einen ganzen Haufen Probleme. Das nächste heißt Horst Heldt. Der Sportdirektor ist für die Zusammensetzung des Kaders mindestens so verantwortlich wie der nun gefeuerte Coach. In Wahrheit, weil länger im Amt, trägt Heldt noch größere Verantwortung. Und dieser Kader passt eben nicht. Schalke ist, das wurde durch die Erfolge während der starken Rückrunde 2013/14 kaschiert, eine Ansammlung passabler bis sehr guter Einzelspieler, aber keine Mannschaft. Während Borussia Dortmund – was die aktuelle sportliche Situation ein wenig erträglicher macht – zumindest fightet, gegen Stuttgart nach 0:2-Rückstand noch einen Punkt rettete und auch beim kläglichen 0:1 gegen den HSV unermüdlich anrannte; obendrein in der CL mit sechs Punkten und 5:0 Toren aus zwei schweren Spielen voll auf Achtelfinalkurs liegt, wirken die Auftritte der Königsblauen bisweilen merkwürdig leblos. Starken Leistungen gegen Bayern (1:1) und in Chelsea (1:1) folgen in unschöner Regelmäßigkeit Auftritte, die man letztlich nur als Kollektivversagen bezeichnen kann.

Eine Ansammlung von Einzelspielern, aber keine Mannschaft

Es gibt einen Leader, der dauerverletzt ist (Benedikt Höwedes); einen, der stets und ständig fordert, aber selbst kaum etwas zeigt (Klaas-Jan Huntelaar); einen, der sich als Leader sieht, aber keine entsprechenden Leistungen zeigt (Kevin-Prince Boateng). Es gibt zwei, die die zentrale Position 10 für sich beanspruchen (Boateng und Julian Draxler) und mindestens einen (Draxler), der vielleicht auch deshalb in seiner Entwicklung stagniert. Es gibt viele ungesund große Diskrepanzen im Gehaltsgefüge. Es gibt eine Vielzahl von Mitläufern im Team und es gibt, das sei zur Ehrenrettung der sportlich verantwortlichen als mildernder Umstand angeführt, einen Haufen verletzter Leistungsträger.

Das Resultat sind schlechte Resultate – und während der Nachbar BVB nach dem 0:1 gegen den HSV von der Südtribüne als Zeichen des maximalen Schulterschlusses minutenlang lautstark getröstet und aufgemuntert wurde, gab es auf Schalke nach dem 1:1 gegen Maribor Pfiffe.

Der wirtschaftliche Druck ist groß

Die sportliche Situation ist gleichwohl nicht die einzige Baustelle am Berger Feld. Auch wirtschaftlich hat Schalke Druck. Bei rund 180 Millionen Euro Verbindlichkeiten und angesichts eines der teuersten Kaders der Liga sind das Überwintern in der Champions League und die erneute CL-Qualifikation beinahe Pflicht. Zumal der DFB-Pokal als zusätzliche Einnahmequelle für diese Saison nach dem Erstrunden-Aus in Dresden bereits versiegt ist. Und auch das Verhältnis zwischen Klubführung und Fans hat in den vergangenen Jahren gelitten. Der Streit um den Vertrag mit den Ticket-Abzockern von „viagogo“. Die zum Teil heftig geführten Diskussionen um eine Satzungsänderung für mehr Transparenz und Demokratie im Klub. Der Offene Brief von Fans gegen einen Besuch beim russischen Präsidenten Vladimir Putin. der umstrittene und ungeliebte Hauptsponsor „Gazprom“. Das alles trägt nicht dazu bei, das Klubmotto „Wir leben Dich“ wirklich zu leben. Was Schalke fehlt, ist ein Fantribun – wie Rudi Assauer einst einer war. Wie Jürgen Klopp es beim BVB ist. Und auch Michael Zorc, der zwar als Typ auch nicht den Vortänzer spielt, ob seiner sportlichen Erfolge mit Borussia Dortmund und seiner über jeden Zweifel erhabenen Verbundenheit zum Klub aber dennoch als Identifikationsfigur dient. Oder Lars Ricken. Nobbie Dickel . . .

Und nun: Von wegen Thomas Tuchel . . .

Und nun also Roberto di Matteo. Nicht der Ex-Mainzer Thomas Tuchel. Über den so viel diskutiert wurde in den vergangenen Monaten. Der wie ein Schattenmann im Hintergrund auf Kellers Demission zu lauern schien. Der auf Schalke angeblich schon einen Vertrag ab Sommer 2015 unterzeichnet haben sollte. Alles Quatsch – weiß man jetzt. Denn di Matteo hat bis 2017 unterschrieben und würde sich als Zwischenlösung für ein paar Monate ganz sicher auch nicht hergeben. Immerhin war er mit dem FC Chelsea 2012 Champions-League-Sieger. In München. Gegen München. Seither war er im Wartestand und auf den ersten Blick passt der gebürtige Schweizer mit italienischem Pass nach Gelsenkirchen wie Pep Guardiola nach Berlin-Marzahn. Das aber sind Äußerlichkeiten. Es gibt keinen Grund für eine Vorverurteilung. Soll er erst einmal arbeiten, der neue Mann. Leicht wird’s nicht.

1 Immobile + 1 Ramos = 4 Lewandowski

image

Pflichspieltore Robert Lewandowski 2 (Bundesliga 2 – Champions League 0 – DFB-Pokal 0 – Supercup 0)

Pflichtspieltore Ciro Immobile 3 (Bundesliga 1 – Champions League 2 – DFB-Pokal 0 – Supercup 0)

Pflichspieltore Adrian Ramos 5 (Bundesliga 2 – Champions League 2 – DFB-Pokal 1 – Supercup 0)

Immobile + Ramos = 4 Lewandowski

So viel vorweg: Dieser Beitrag ist eigentlich Quatsch. Weil es Quatsch ist, den ehemaligen BVB- und jetzigen Bayern-Torjäger Robert Lewandowski mit seinen Nachfolgern Ciro Immobile und Adrian Ramos zu vergleichen. Weil Dortmunds Trainer Jürgen Klopp immer gesagt hat. „Immobile kann Lewandowski nicht ersetzen. Ramos kann Lewandowski nicht ersetzen. Unser Ziel muss sein, Roberts Abgang im Verbund zu kompensieren.“

Warum also dennoch viele Worte um großen Quatsch? – Weil die Diskussion geführt wird. Spätestens nach der Niederlage im Derby auf Schalke als Negativschlusspunkt unter einer schwarzgelbe Gruselwoche mit nur einem kargen Punkt aus den Duellen in Mainz (0:2), gegen Stuttgart (2:2) und in der Dreifachturnhalle zu Gelsenkirchen wurde sie geführt. Zumal Ramos im Derby vor dem 0:2 auch noch ein kapitaler Schnitzer in de Defensive unterlaufen war. Zumal die Offensivmacht BVB schon zweimal (gegen Leverkusen und in Mainz) torlos geblieben war. Da muss man doch allmählich mal die Frage diskutieren: Taugen Immobile und Ramos für höhere und gar für höchste Ansprüche?

Quatsch! Die Frage bedarf genau so wenig einer intensiveren Betrachtung wie jene, ob Robert Lewandowski möglicherweise nicht ins Bayern-System passt. Ob er beim Rekordmeister scheitern könnte – wie so viele vor ihm. Zur allgemeinen Be(un)ruhigung: Wird er nicht! Lewandowski ist ein so herausragender Fußballer, dass Trainer Pep Guardiola ein kompletter Dilettant sein müsste, um seine Qualitäten nicht zum Wohle der Mannschaft wirksam werden zu lassen. Aber selbst ein solcher Weltklassemann braucht ein Mindestmaß an Um- und Eingewöhnung. Er muss das Guardiola-System verinnerlichen – so, wie Ramos und noch mehr Immobile als Liga-Neuling das Klopp-System verinnerlichen müssen. So, wie auch Lewandowski das Klopp-System verinnerlichen musste. So, wie auch Pierre-Emerick Aubameyang das Klopp-System verinnerlichen musste. Aktuell ist der Gabuner übrigens mit sieben Pflichtspieltreffern – 3 in der Liga, 2 im DFB-Pokal, je 1 in Champions League und Supercup – erfolgreichster Torschütze, darüber hinaus in überragender Form, arbeitet ungleich mehr als in seiner Premierensaison defensiv mit und leistet seinen ganz erheblichen Beitrag dazu, den Lewandowski-Verlust im Verbund zu kompensieren.

Aber auch die Bilanz von Immobile und Ramos ist beachtlich. Die Tore des Italieners waren bereits sieben Punkte wert. Gegen Arsenal und Anderlecht erzielte er jeweils das Game-Winning Goal, gegen Stuttgart den späten Ausgleich. Ramos zeichnete für den Siegtreffer gegen Augsburg verantwortlich. Macht in Summe zehn Punkte durch Immobile/Ramos-Treffer. Demgegenüber steht ein einziger Zähler, den Lewandowski seinem Arbeitgeber bislang sicherte – durch sein Tor beim 1:1 der Bayern auf Schalke. Sind Immobile/Ramos am Ende also sogar besser als Lewandowski? – Quatsch! Sie sind anders. Anders gut.

Die Ausbeute des neuen BVB-Sturmduos ist um so bemerkenswerter, weil sie – wie Klopp völlig zurecht anmerkt – „zurzeit die ärmsten Schweine überhaupt“ sind. Will sagen: Ihr Integrationsprozess leidet unter den vielen verletzungsbedingten Ausfällen bei der Borussia. Bislang bestand kaum Gelegenheit, Automatismen einzuüben, Laufwege abzustimmen, Passfolgen zu trainieren. So erklären sich auch spielentscheidende Fehler wie der von Ramos gegen den HSV. Zentrale Figuren wie Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Marco Reus und Henrykh Mkhytarian fehlten zumeist oder fehlen bislang gänzlich. Darunter leidet die Spieleröffnung, die Spielentwicklung. Dem BVB-Spiel fehlt viel Kreativität. Der Ball kommt häufig gar nicht dort an, wo Immobile und/oder Ramos ihn verwerten könnten. Klopp sieht das. Und er weiß auch: Das wird in den nächsten Wochen besser.

Die Fans dürfen sich also durchaus freuen. Auf weitere Tore von Ramos, Immobile und Aubameyang, zu denen sich Tore von Reus, Kagawa und Mkhytarian, auch von Kuba und Ji gesellen werden. Nicht die allerschlechteste Perspektive also

Den Fußball quälen die Geister, die er rief

 Folgende Rechnung:

Der Fußballprofi Michael Mustermann gewinnt in einer Saison mit seinem Klub und der Nationalmannschaft alles, was es zu gewinnen gibt und kommt dabei in jedem Spiel zum Einsatz. Er bestreitet also 34 Bundesliga- und 6 DFB-Pokalspiele, dazu 13 Champions-League-Duelle und 17 Länderspiele. Er steht im nationalen und europäischen Supercup-Finale auf dem Platz und muss zweimal bei der Klub-WM ran. Macht 74 Einsätze. Inklusive Test-/Freundschaftsspielen in der Sommer- und Wintervorbereitung, einige davon sogar in Übersee, kommt er schließlich auf 80 bis 85 Partien.

Ein Hammer-Pensum – das jetzt wieder die Kritiker auf den Plan ruft. Zu viele Länderspiele! So lautet ihre Diagnose. Aber stimmt die überhaupt? Eher nicht. Der langjährige Vergleich zeigt: Die Zahl der Begegnungen im Vereinsfußball ist stärker gestiegen als die der Ländervergleiche. Der Grund: Geld! Im Wesentlichen.

Doch der Reihe nach.

Pep Guardiola mag’s martialisch. Verbal, versteht sich. Erst warnte der Trainer des FC Bayern München, Neuzugang Xabi Alonso sei „in wenigen Wochen tot“, wenn er weiter so beansprucht werde. Dann holte der Katalane zum Rundumschlag gegen das System aus: „Wir killen die Spieler, wir verlangen zu viel von ihnen!“ Der Drei-Tage-Rhythmus, in dem viele Profis der Top-Klubs, die in Meisterschaft, Europacup, DFB-Pokal und Nationalmannschaften gefragt sind, auflaufen müssen, sei mörderisch. Guardiolas Forderung: „Die Spieler brauchen Zeit zum Atmen. Das gilt nicht nur für uns, sondern auch für Dortmund und Leverkusen.“

Die Flankendeckung aus Westfalen, selten genug, kam sogleich. Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp, der derzeit das vermutlich größte Lazarett der Klubgeschichte beklagt und nach jedem Spiel neue Ausfälle vermelden muss, leidet unter der häufigen Abstellung von Spielern an die Nationalmannschaften. Zumal ihr Fehlen den Trainingsbetrieb in den Klubs quasi lahmlegt. In Länderspielwochen haben Trainer wie Guardiola und Klopp bisweilen Mühe, eine Elf zusammen zu bekommen – geschweige denn zwei. Strukturiert trainieren, taktische Konzepte einstudieren, Automatismen einüben können sie nicht. Insbesondere das umstrittene Test-Länderspiel nach dem ersten Bundesliga-Spieltag ist dem BVB-Coach und den meisten seiner Kollegen ein Dorn im Auge. Klopp ahnt gleichwohl: „Das Rad drehen wir nicht mehr zurück.“ Jede Klage sei daher verpulverte Energie. „Das kann ich genau so gut meiner Mikrowelle erzählen.“

Ärger: ja! Gejammere: nein – in Dortmund. In München ist das etwas anders, denn in München gibt es Karl-Heinz Rummenigge. Und der hat sich offenkundig zum Ziel gesetzt, die haftbedingte Abwesenheit von Uli Hoeneß zu nutzen, um in dessen Rolle als Lautsprecher der Nation einen verbalen Kreuzzug gegen alles und jeden zu führen. „Die Belastung der Spieler hat ein gesundes Maß längst überschritten. Sie ist am absoluten oberen Limit angelangt. Dafür sind die Dachverbände mit ihrer Flut von Länderspielen verantwortlich“, kritisierte der Bayern-Vorstand unlängst im Vorwort des Klub-Magazins zum Paderborn-Spiel.

Rummenigge, in Personalunion auch Vorsitzender der Europäischen Klub-Vereinigung ECA fordert deshalb den Weltverband FIFA und die UEFA auf, „dieser Entwicklung dringend Einhalt zu gebieten“. Er appelliert, „den Fußball zugunsten der Spieler zu verbessern und dieser Hatz ein Ende zu setzen. Qualität und nicht Quantität muss das Ziel sein“.

Aber hat Rummenigge eigentlich Recht? Hat die Zahl der Länderspiele tatsächlich so dramatisch zugenommen?

Vergleicht man, wie der FCB-Boss, das Jahr 2014 mit den 70-er Jahren, in denen „ein Franz Beckenbauer (und übrigens auch ein Karl-Heinz Rummenigge/der Autor) im Schnitt 8,5 Länderspiele im Jahr“ bestritten hat, ist die Kritik berechtigt. In den vergangenen 25 Jahren aber hat sich die Anzahl der DFB-Einsätze nicht mehr oder zumindest nicht signifikant verändert.

Zwei Beispiele:

– Im Jahr der WM 1990 bestritt die Nationalmannschaft 15 Länderspiele, 1996 waren es 16, 2002 und 2006 je 18 (die Spitzenwerte) – 2014 sind es 17, inklusive der sieben Partien bei der WM in Brasilien.

– Signifikant weniger Spiele waren es früher vor allem im den ungeraden Jahren ohne Turniere. So trat die Nationalelf 1991 nur siebenmal an und 1997 neunmal. Aber: 1993 waren es elf Länderspiele – so viele wie 2003 und 2009 und nur eines weniger als 2007 und 2013.

Die Entwicklung seit 1990 im Überblick:

1990 15 Spiele (davon 7 WM) – 1991 7 Spiele – 1992 14 Spiele (5 EM) – 1993 11 Spiele – 1994 15 Spiele (5 WM) – 1995 12 Spiele – 1996 16 Spiele (6 EM) – 1997 9 Spiele – 1998 17 Spiele (5 WM) – 1999 13 Spiele (3 Confed-Cup) – 2000 12 Spiele (3 EM) – 2001 11 Spiele – 2002 18 Spiele (7 WM) – 2003 11 Spiele – 2004 16 Spiele (3 EM) – 2005 15 Spiele (5 Confed-Cup) – 2006 18 Spiele (7 WM) – 2007 12 Spiele – 2008 16 Spiele (6 EM) – 2009 11 Spiele – 2010 17 Spiele (7 WM) – 2011 13 Spiele – 2012 14 Spiele (5 EM) – 2013 12 Spiele – 2014 17 Spiele (7 WM).

Signifikant zugenommen hat weniger die Anzahl an Länder- als vielmehr die an Klubspielen.

In der Saison 1974/75 musste der FC Bayern gerade sieben Partien bestreiten, um den Europapokal der Landesmeister zu gewinnen. Beim HSV waren es 1983 inkl. Finale neun Begegnungen. Der erste Gewinner der UEFA Champions League, Olympique Marseille, holte den Titel mit dem 11. Spiel – ebenso vier Jahre später Borussia Dortmund. Heute sind es bis zum Titel 13 Spiele – immerhin hat man den Schwachsinn mit Vor- und Zwischenrundengruppen, der dazu führte, dass der FC Bayern 2000/2001 17 (!) Mal ran musste, ehe er den Pott in den Händen hielt, inzwischen wieder abgeschafft.

Immer schon deutlich aufwändiger war die Europa League. Als sie noch UEFA-Cup hieß, gewannen Borussia Mönchengladbach 1974/75, Bayer Leverkusen 1987/88 und der FC Schalke 04 1996/97 sie in jeweils zwölf Spielen – der FC Sevilla benötigte 2013/14 15 Begegnungen.

Dazu wurde aus dem früheren Weltpokal-Finale zwischen Champions-League-Sieger und Südamerikameister eine Klub-WM mit Halbfinale und Finale. Der nationale und der europäische Supercup sowie der nationale Vereinspokal runden das Tableau an Wettbewerben ab.

Das alles dient der Monetarisierung des Premiumprodukts Fußball. Umsatz- und Gewinnmaximierung. Damit die Fans möglichst viele Spiele live sehen können, das Produkt also noch besser vermarktet werden kann, werden die Spieltage auseinander gerissen. Früher spielte die Bundesliga samstags. Der Mittwoch war Europacup-Tag. Heute wird ständig und ohne jeden Rhythmus gespielt. In der Liga mal freitags, mal samstags, mal sonntags; in der Champions League mal dienstags, mal mittwochs – und in der Nationalmannschaft neuerdings irgendwann. Für die Klubs ist gerade die Champions League wie ein Sechser im Lotto. Wer weit kommt, kann 30, 40, sogar 50 Millionen Euro in nur einer Saison aus diesem Wettbewerb ziehen. Niemand beklagt sich darüber, dass er inkl. CL-Finale 13 Spiele bestreiten muss, wo die Bayern 74/75 doch nur siebenmal ran mussten.

Auch das gehört also zur Wahrheit über die zunehmende Belastung der Profis.

Und dies: Weil sie Märkte in Nordamerika und Asien erobert wollen, muten dieselben Klubverantwortlichen, die sich über zu viele Länderspiele echauffieren, ihrem kickenden Personal auch noch sportlich sinnlose und sportmedizinisch bedenkliche Ausflüge zu. So jettete der FC Bayern im Sommer mal eben für zwei Freundschaftsspiele in die USA. Wiederholung in 2015 ist sicher. Dann wird mutmaßlich auch der BVB in den Flieger steigen. Richtung Asien. Die wirtschaftlichen Interessen obsiegen – die Trainer beißen in die Tischkante, die Spieler ins Gras.

Und dies: Anderseits sind die Profis heute ganz anders trainiert als vor 30 oder 40 Jahren. Ihre Fitness wird permanent medizinisch und der Trainingsaufbau sportwissenschaftlich begleitet. Nichts wird dem Zufall überlassen. Kein Vergleich zur Ära Beckenbauer, als viele Spieler rauchten und die Kiste Bier nach dem Training selbstverständlich in die Kabine gehörte.

Schließlich noch dies: Sind 60 bis 70 Spiele, die letztlich ja auch kein Spieler komplett absolviert, wirklich zu viel, wenn Athleten in den US-Major-Sportarten wie Eishockey und Basketball einschließlich Play-Offs an die 100 Partien bestreiten und dabei aufgrund der großen Inlands-Entfernungen auch noch gewaltige Reisestrapazen verkraften müssen?

Man könne das nicht vergleichen, werden Trainer wie Pep Guardiola und Jürgen Klopp anführen. Und sie haben Recht. Derlei Vergleiche hinken so heftig, dass sie zwar plakativ, aber auch unzulässig sind. Nur: Es sind letztlich die Geister, die der Fußball rief; die Geister, die letztlich die Klubs selber gerufen haben, die nun durch Kabinengänge, Rehazentren und Krankenstationen spuken.

#BVBAFC – die Nacht, die den Nebel vertrieb

Es war ein Fest. Ein rauschendes sogar. Eine Spätsommerparty für 65.851 Gäste.

65.851 – exklusive der 90 Minuten lang weitgehend geräuschlosen Anhänger des FC Arsenal. Stumme Zeugen der Demontage ihrer ohnmächtigen, vielleicht konzept-, jedenfalls aber an diesem Abend mittellosen Mannschaft, die vom erwarteten „Duell auf Augenhöhe“ deutlich weiter entfernt war als Dortmund von London. Man fragte sich allerdings auch, der kurze Schlenker sei erlaubt, warum diese „Fans“ (?) überhaupt mit über den Kanal gereist waren. Ihr Team zu unterstützen, war offensichtlich zu keinem Zeitpunkt ihr Plan. Vielleicht ist die englische Fankultur inzwischen aber auch so kaputt, dass man Anfeuerung gar nicht mehr erwarten kann. „You only sing, when you’re winning . . .“

65.851 – exklusive der Engländer also, dafür aber inklusive einiger hundert Journalisten. Die sind zwar von Berufs wegen zu Objektivität verpflichtet. Aber irgendwie eben auch Sport-Fans im Allgemeinen und Fußball-Fans im Besonderen. Will sagen: Das Spiel des BVB und die prickelnde Atmosphäre im Stadion ließen auch sie nicht kalt. Und wenn Sportjournalisten emotional einmal so richtig angefixt sind, berichten sie gerne von einer „Gala“, einem „Feuerwerk“, schreiben von „Perfektion“ oder gar von „Champagner-Fußball“.

Eine Nacht später, die Adrenalin- und Endorphin-Anteile im Blut haben sich auf Normalmaß herunter gepegelt, bleiben neben der Begeisterung einige nüchterne Erkenntnisse. Die zweifellos wichtigste: Borussia Dortmund 2014/15 ist eine Mannschaft mit ungeheuer großem Potenzial.

Bis Dienstag, bis zu diesem 2:0 über den FC Arsenal, war Nebel. Ein zäher, hartnäckiger Spätsommerfrühherbst-Nebel, gegen den sich die Sonne brutal quälte. Da war ein überzeugender 2:0-Erfolg im Supercup-Spiel gegen den FC Bayern München. Da war ein durchaus mühevoller, wenn auch letztlich souveräner Pokalsieg beim Drittligisten Stuttgarter Kickers (3:0). Da war der eher etwas ernüchternde Saisonstart gegen allerdings auch bärenstarke Leverkusener (0:2). Da waren zwei hart erarbeitete Siege in Augsburg (3:2) und gegen Freiburg (3:1) – zwei Gegner, die, bei allem Respekt, am Ende der Saison in der unteren Bundesliga-Tabellenhälfte zu suchen und zu finden sein werden.

Da waren nach fünf Pflichtspielen unterm Strich noch immer mehr Frage- als Ausrufezeichen.

Denn da waren ja auch noch haufenweise Widrigkeiten. Zuvorderst eine komplett strubbelige Saisonvorbereitung, beeinträchtigt durch das Fehlen der Weltmeister Mats Hummels, Roman Weidenfeller, Kevin Großkreutz, Erik Durm und Matthias Ginter. Zusätzlich beeinträchtigt durch die schwere Verletzung von Marco Reus, durch die langwierige Reha von Ilkay Gündogan. Und jedesmal, wenn man gerade das Gefühl hatte, langsam komplettiere sich der Kader und Trainer Jürgen Klopp könne endlich so etwas Ähnliches wie ein geregeltes Training aufnehmen, folgten neue Hiobsbotschaften: Nuri Sahin musste operiert werden. Mats Hummels‘ muskuläre Probleme, ein WM-Souvenir, erwiesen sich als so hartnäckig, dass er bis heute keine Einsatzminute zu Buche stehen hat. Marco Reus, kaum wieder fit und in Form, verletzte sich neuerlich bei der Nationalelf. Jakub Blaszczykowski, nach ausgeheiltem Kreuzbandriss auf dem Sprung zurück ins Team, erlitt einen muskulären Rückschlag. Neuzugang Dong-Won Ji ist ebenfalls seit Wochen verletzt, dazu Oliver Kirch . . . und so weiter und so weiter.

Haufenweise Fragezeichen. Und nur DIESES EINE Ausrufezeichen!

Die Rückkehr von Shinji Kagawa zum BVB, mit dem er 2012 vor seinem Wechsel zu Manchester United das erste Double der schwarzgelben Klubgeschichte gefeiert hatte, wurde zum gleißenden Hoffnungsstrahl im tiefen Dunkel all dieser Negativschlagzeilen gehyped. Dabei war es bei Licht betrachtet zunächst nicht mehr als die Rückholaktion eines Helden von gestern, der in der Premier League (mehr an den Umständen als an sich selbst) gescheitert war – und von dem nun alle hofften, dass sie ihn in der Nestwärme der BVB-Familie schnell wieder aufgepäppelt bekommen würden. Als Kagawa gleich bei seinem Comeback gegen Freiburg auf Anhieb das 1:0 brillant vorbereitete und das 2:0 selbst erzielte, ehe er nach gut einer Stunde unter Krämpfen und Jubelstürmen ausgewechselt wurde, war tagelang nur noch von Super-Shinji die Rede – und man musste fast den Eindruck gewinnen: Das sportliche Schicksal der Borussia liegt allein auf den schmalen Schultern des kleinen Japaners. Bei aller Wertschätzung für die neue Nummer 7 ehrlich gesagt keine Mut machende Perspektive.

Viele, viele Fragezeichen also vor der ersten echten Standortbestimmung gegen den FC Arsenal. Englisches Spitzenteam. Zum 17. Mal für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Gruppenkopf, aus Topf 1 gezogen. Favorit also, zumindest der Papierform nach. Allemal eine echte Herausforderung.

Und dann DIESES Ausrufezeichen. Ein 2:0-Sieg, der an sich schon überraschte. Mehr aber noch die Art und Weise, wie der BVB ihn erzwungen, herausgespielt, ihn sich verdient hatte. Mit Aggressivität, Tempo, Zweikampfhärte, konsequentem Pressing, Willenskraft, Geduld, blitzschnellem Umschaltspiel und hoher Kreativität. Eine Vorführung, die – mal abgesehen von der noch verbesserungsfähigen Chancenverwertung – nah an der Perfektion war. Eindrücke, sagte Trainer Jürgen Klopp später, die er sich „abheften“ werde. Und zwar im Aktenordner für die sehr, sehr guten Spiele.

Das alles OHNE Kagawa, der gegen Freiburg vermutlich ein wenig überpaced hatte. OHNE Adrian Ramos und Milos Jojic, die später von der Bank kamen. Und sowieso OHNE Hummels. OHNE Reus. OHNE Gündogan. OHNE Sahin. OHNE Piszczek. OHNE Kuba. OHNE Kirch. Stattdessen mit einer gegenüber dem Freiburg-Spiel auf fünf Positionen veränderten Aufstellung. Mit Erik Durm als Rechts-, statt Linksverteidiger. Mit einer echten Doppel-Sechs (Kehl/Bender) im zentralen Mittelfeld – also ohne eigentlichen „Achter“. Und mit einem Ciro Immobile in der Spitze, der nicht nur wegen seines grandiosen Sololaufs zum 1:0 all jene verstummen ließ, die vielleicht an seiner Bundesliga-Tauglichkeit gezweifelt hatten. Immobile hatte auch darüber hinaus zahlreiche gute Szenen; in der Offensive wie in der Defensive, wo er häufig mit aushalf. Der Italiener arbeitete unermüdlich, machte lange Wege, fraß Gras – so wird man in Dortmund zum Publikumsliebling.

Der besondere Zauber dieses Abends lag vermutlich darin, dass nur die Wenigsten dem BVB zum jetzigen Zeitpunkt angesichts der Personalsituation eine solche Leistung zugetraut hätten. Es war, als sei eine Wundertüte geplatzt – und habe lauter Hauptgewinne über den Rasen verstreut. Wie Weihnachten Mitte September. Irgendwie magisch.

Mit der geplatzten Wundertüte im Müll entsorgt wurden nach Spielende die vielen Fragezeichen. Das Arsenal-Spiel hat den hartnäckigen Herbstnebel durchbrochen und vertrieben. Seit Dienstagabend haben die BVB-Fans klare Sicht. Sie wissen jetzt: In dieser Mannschaft steckt – zumal dann, wenn sich in den nächsten Wochen nach und nach die Verletzten zurückmelden werden – schier unglaubliches Potenzial. Man stelle sich nur vor, die Spieleröffnung bei der Borussia beginnt wieder bei Hummels und Gündogan . . .