Wie VW die Bundesliga gefährdet und RedBull den DFB vorführt

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat ein Problem.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat ein Problem.

Und damit hat: der deutsche Fußball ein Problem!

Das Problem ist: Der zunehmende Einfluss großer Konzerne auf den Sport. Auf die strategische Ausrichtung von Fußball-Klubs. Auf ihre Transferpolitik. Auf ihre Eigentümerstruktur. Am Beispiel von FC Bayern München und VfL Wolfsburg wird das gerade überdeutlich. Und auch über RB Leipzig ist zu reden. Der mit österreichischer Dosenlimonade künstlich hochgezüchtete Retortenklub droht gerade die WM-Chancen der U20- und die EM-Chancen der U21-Nationalmannschaft zu schmälern, indem er seine Neuzugänge Davie Selke (Werder Bremen) und Willi Orban (1. FC Kaiserslautern) von der Teilnahme abhält. Offiziell verzichten beide natürlich freiwillig und „aus persönlichen Gründen“.

Aufgeweichte Schutzwälle

Noch verschließt die Deutsche Fußball-Liga die Augen vor dem Dilemma, in das sie immer tiefer hinein schliddert. Sie verweist auf die 50+1-Regelung, nach der – anders als u.a. in England – kein Kapitalanleger die Stimmenmehrheit in einem Profiklub übernehmen kann. Damit, sagt die DFL weiter, sei man vor Übergriffen geschützt. Doch erstens wurde 50+1 längst durch Ausnahmen aufgeweicht. So muss der Mutterverein keine Mehrheit mehr halten, wenn ein Unternehmen/Sponsor „den Fußballsport seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen und erheblich gefördert hat“. Durch dieses Hintertürchen, auch „Lex Leverkusen“ genannt, schlüpften bereits Bayer 04 Leverkusen, der VfL Wolfsburg und die TSG 1899 Hoffenheim. Hannovers bei den Fans umstrittener Präsident Martin Kind erwirkte die Streichung des Stichtages 1. Januar 1999.

Zweitens sieht auch die am 26. März 2015 von der Mitgliederversammlung der DFL beschlossene Beschränkung von Mehrfachbeteiligungen, nach der ein Investor maximal an drei Betreibergesellschaften beteiligt sein darf und an zwei davon mit höchstens zehn Prozent, einen prominenten Sonderfall vor: die Volkswagen AG. Deren Beteiligungen genießen „Bestandsschutz“ und bergen erhebliche Brisanz. Weniger deshalb, weil mit dem FC Ingolstadt ein weiterer Klub in die Bundesliga aufgestiegen ist, bei dem VW über Audi Karten im Spiel hat. Vielmehr deshalb, weil der aktuelle Meister FC Bayern und sein Vize und frischgebackener DFB-Pokalsieger VfL Wolfsburg durch Audi/VW mitgelenkt werden. Und das sogar in Personaleinheit!

Der doppelte Herr Winterkorn

Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns mit Sitz in Wolfsburg, ist nicht nur VfL-Boss, sondern auch Bayern-Aufsichtsrat. Als solcher muss er natürlich maximales Interesse daran haben, dass die Münchener die bestmögliche Mannschaft auf den Platz bringen, um ihrem Anspruch, nicht nur national, sondern auch in Europa die erste Geige zu spielen, gerecht werden zu können. Er muss also beispielsweise ein Interesse daran haben, dass Kevin de Bruyne, Topscorer der abgelaufenen Bundesliga-Saison und zurzeit einer der interessantesten Akteure auf dem weltweiten Spielermarkt, von Wolfsburg nach München wechselt. Schließlich befiehlt das „Mia san mia“ der Bayern geradezu, auf jeder Position die stärksten Akteure zur Verfügung zu haben. Und in der Liga gibt es gerade keinen Besseren als de Bruyne.

Blöd nur: Als Boss der 100-prozentigen VW-Tochter VfL Wolfsburg kann Winterkorn natürlich überhaupt kein Interesse daran haben, dass ihm seine mit unfassbar großem Geldeinsatz zusammengebastelte Mannschaft, kaum, dass sie sich anschickt, den immensen Aufwand durch erste sportliche Erfolge wieder einzuspielen, prompt auseinander bröselt. Schließlich hat sich Wolfsburg für die Champions League qualifiziert und will auch dort bestehen. Andererseits hat der VfL in den vergangenen Jahren eine negative Transferbilanz in deutlich dreistelliger Millionenhöhe in den Büchern stehen. Eine 70-Millionen-Euro-Einnahme aus einem de-Bruyne-Verkauf an den FC Bayern würde die Zahlen erheblich schönen.

Über die Spannung in der Bundesliga entscheidet der VW-Konzern

Die Frage, ob der FC Bayern München künftig im Wettbewerb mit Branchengrößen wie Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea und den Manchester-Klubs United bzw. City konkurrenzfähig sein kann, entscheidet also auch Herr Winterkorn. Ebenso entscheidet Herr Winterkorn, ob der VfL Wolfsburg künftig konkurrenzfähig mit dem FC Bayern München sein kann und die Bundesliga im Titelkampf auf mehr Spannung als zuletzt hoffen darf; eben weil den Wolfsburgern erspart bleibt, was in der Vergangenheit Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen, dem VfB Stuttgart und zuletzt dem BVB ereilte: Dass nämlich die Bayern dem jeweils ärgsten Konkurrenten die besten Spieler wegkauften und sich so die lästige Konkurrenz vom Hals hielten.

Gar nicht auszudenken: Was, wenn der FC Bayern oder der VfL Wolfsburg am letzten Spieltag Meister werden und der eine Klub den Erfolg des anderen beeinflussen kann?! Oder beide können Meister werden und spielen auch noch gegeneinander. Oder einer spielt gegen den Audi-Klub Ingolstadt, der seinerseits die Punkte für den Klassenerhalt braucht. Gibt es dann womöglich VW-intern eine Stallorder? Wie in der Formel1? – Ach, stimmt: Dort gibt es ja gar keine Stallorder. Und jeder hält sich selbstverständlich daran . . . Eine überaus bedenkliche Entwicklung.

Was ist schon ein WM-Titel gegen einen Bundesliga-Aufstieg?!

Nicht nur bedenklich, sondern fast schon perfide ist das Spielchen, das Rasendingsbums Leipzig gerade mit dem Deutschen Fußball-Bund treibt. Die Leipziger verpflichteten für die kommende Saison zunächst Bremens Sturmtalent Davie Selke (8 Mio. €) und unlängst auch den Kaiserslauterer Willi Orban (2,5 Mio. €). Das Geld kommt vom österreichischen EnergyDrink-Hersteller Red Bull, der sich den Standort in Ostdeutschland ausgeguckt hat, um ihn im Rahmen einer großangelegten Investitions- und Marketingstrategie in die Bundesliga zu pushen. Kaum hatte Selke in Leipzig unterschrieben, sagte er seine Teilnahme an der derzeit laufenden U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland ab. Und Orban gab Bundestrainer Horst Hrubesch nun einen Korb für die U21-Europameisterschaft vom 17. Bis 30. Juni in Tschechien – „aus persönlichen Gründen“ wie es heißt.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass ein Talent wie Selke, der die U19 im vergangenen Jahr zum EM-Titel schoss, freiwillig auf die Chance verzichtet, Weltmeister zu werden? Bremens Ex-Stürmer Wynton Rufer, Botschafter des Turniers in seiner Heimat Neuseeland, hat dazu jedenfalls eine glasklare Meinung: „Das kann mir niemand erzählen – es sei denn, Selke wäre bescheuert!“

Plausibler als Grund für den Doppelverzicht ist diese Erklärung: Selke und Orban würden, nähmen sie an den Turnieren teil, Leipzigs Sportdirektor und neuem Trainer Ralf Rangnick in der Saisonvorbereitung nicht von Anfang an zur Verfügung stehen. Und Rangnick ist 2015/16 zum Bundesliga-Aufstieg verdammt. Konzerninteressen gehen also offensichtlich vor DFB-Interessen. Wie konsequent RedBull seine Linie durchzieht, wissen viele Extremsportler zu berichten, die von der Brausemarke zu immer waghalsigeren und immer öfter lebensgefährlichen Stunts angetrieben werden. Die ARD hat dieses Vorgehen, das fast an den Science-Fiction-Film „Rollerball“ aus dem Jahr 1978 erinnert (https://m.youtube.com/watch?v=aVUxK1mNups), vor einiger Zeit in der Reportage „Die dunkle Seite von RedBull“ beleuchtet (https://www.youtube.com/watch?v=5I2mrD-PEFE).

Man darf gespannt sein, ob und wie lange sich der DFB von RedBull-Braumeister Dietrich Mateschitz am Nasenring durch die Manege führen lässt.

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19,09 Gründe, warum der BVB ins Pokalfinale einzieht!

DFB-Pokal-Halbfinale, Part I: FC Bayern München – Borussia Dortmund. Manch einer sagt: der deutsche Clásico. Andere würden, wäre da nicht schon #MayweatherPacquiao in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai (schnell den Sky-Frühbucherrabatt sichern!!!), vom „Kampf des Jahrhunderts“ sprechen. Jedenfalls: Es kann nur einen geben. Den BVB!

1. Die Hose, die Jürgen Klopp heute Abend tragen wird, hat – kaum sichtbar, aber doch vorhanden – am linken Bein ein kleines Loch.

2. Für den – kaum zu erwartenden – Fall, dass der FC Bayern den BVB ins Elfmeterschießen zwingen sollte, hat Borussias Zeugwart einen hölzernen Klappstuhl mitgenommen.

3. Batman und Robin.

4. Sämtliche zehn Pokalspiele mit Mitch Langerak im Tor hat Borussia Dortmund gewonnen.

5. Mit Mitch Langerak im Tor ist der BVB gegen den FC Bayern München ungeschlagen.

6. Der kleine Philipp muss um 22 Uhr aus dem Bälleparadies abgeholt werden.

7. Der kleine Mario muss um 22 Uhr aus dem . . .

8. Die Blumen, die Kalle Rummenigge eigentlich für den Abschied von Jürgen Klopp gedacht hat, finden so als Glückwunsch-Strauß zum Finaleinzug doch noch Verwendung.

9. Den Pokal braucht Borussia als Blumenvase.

10. Ein Endspiel zwischen dem FC Audi München und dem VfL Golfsburg würde die Krise im VW-Konzern weiter verschärfen.

11. Dante.

12. Ein Schuss, kein Tor – die Bayern. DIE BAYERN!

13. Ulla liebt Jürgen, aber niemand mag Matthias.

14. Robben können gar nicht Fußball spielen.

15. Die Vitrine von Bastian Schweinsteiger ist voll – in der von Marco Reus ist noch reichlich Platz.

16. FC Bayern 2012/13 = 3 Titel. FC Bayern 2013/14 = 2 Titel. FC Bayern 2014/15 = 1 Titel (und der steht schon fest).

17. Nur ein Pokalsieg des BVB gewährleistet, dass der FC Bayern auch 2015 wieder den Supercup verdaddelt.

18. Nur ein BVB-Erfolg in München garantiert, dass Markus Lanz in seiner Talkrunde komplett durchdreht.

19,09. Der Ball ist rund und der Pokal hat seine eigenen Gesetze!

BVB, Wolfsburg und der Angriff der Kohle-Krieger

(Beitragsbild: Screenshot http://www.derwesten.de)

Borussia Dortmund hat es bereits hinter sich.

Der VfL Wolfsburg hat es noch vor sich.

Nun ist es aber nicht etwa so, als dürfte die VW-Betriebssportmannschaft sich darauf freuen, es noch vor sich zu haben. Denn die Rede wird hier nicht von sportlichen Erfolgen sein.

Sondern von der Folge solcher Erfolge: dem Leerkauf durch den FC Bayern München und andere europäische Spitzenklubs.

Nuri Sahin war der Erste. Dortmunds Mittelfeld-Organisator folgte nach der rauschhaften Meistersaison 2010/11, an deren Ende die Profi-Kollegen ihn zum Bundesligaspieler der Saison wählten, dem Lockruf von Real Madrid. Verständlich, denn die Königlichen galten und gelten zu Recht als der größte Klub unter der Sonne. Sahin vervielfachte sein Nettojahreseinkommen. Dumm nur: Er kam in der spanischen Hauptstadt schon verletzt an, und ehe er überhaupt zum ersten Mal fit war, galt er schon als Fehleinkauf. Via Liverpool führte sein Weg zurück zum BVB, wo er gut spielt. Aber längst nicht mehr so brillant wie ehedem.

Shinji Kagawa war der Nächste. Dortmunds torgefährlicher Offensiv-Quirl folgte nach der noch viel rauschhafteren Double-Saison 2011/12 dem Lockruf von Manchester United. Verständlich, denn die Premiere League gilt bei japanischen Kickern als das gelobte Land. Kagawa hatte schon als Kind davon geträumt, einmal für ManU aufzulaufen. Dumm nur: Über-Trainer Sir Alex Ferguson setzte ihn positionsfremd ein. Immerhin aber setzte er ihn gelegentlich ein. Denn Nachfolger David Moyes setzte ihn so gut wie gar nicht mehr ein. Inzwischen spielt Kagawa wieder beim BVB. Wenn er denn spielt. Denn auch Jürgen Klopp setzt ihn seltener ein als gedacht.

Mario Götze war der Nächste. Mit dem Eigengewächs ging nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2013 nicht nur ein begnadeter Kicker. Es verabschiedete sich auch die Fußball-Romantik aus Dortmund. Ausgerechnet Götze, der wenige Wochen zuvor noch erklärt hatte, er könne sich durchaus vorstellen, bis ans Ende seiner Profitage beim BVB zu spielen. Und ausgerechnet zum FC Bayern – für 37 Millionen Euro. Weil, so Götze, er unbedingt unter Trainer Pep Guardiola spielen wolle. Und weil er, ganz nebenbei, sein schon in Dortmund nicht ganz übles Gehalt vermehrfachte. Dass Götze bei den Bayern oft nicht spielt und leistungsmäßig seit dem wechsel ziemlich auf der Stelle tritt: geschenkt!

Robert Lewandowski war der Nächste und vorläufig Letzte. Der Torjäger zog sein Ding bei der Borussia bis zur letzten Spielsekunde sauber durch. Dem Lockruf der bayerischen Euronen aber war auch er längst erlegen. Gehalt verdreifacht. Dass der Pole bei den Bayern nur einer von vielen Stars und das Spiel keineswegs auf ihn zugeschnitten ist, weshalb er nur auf einen Bruchteil seiner Dortmunder Trefferausbeute kommt: geschenkt!

Sahin war weg. Kagawa war weg. Götze ist weg. Lewandowski ist weg. Damit hat Dortmund das Gröbste wohl hinter sich. Aus dem aktuellen Kader sind allein Marco Reus und Mats Hummels für internationale Topklubs von Interesse. Hummels allerdings auch nur, wenn er zur Form vor und während der WM zurück findet. Und Reus? – Will bis März entscheiden, ob er bleibt oder geht. Dass er zu den Bayern geht, scheint eher unwahrscheinlich, bei Hummels darf man es sogar getrost ausschließen.

Kurzum: Die Bayern-Methode, mit Transfers nicht nur sich selbst zu stärken, sondern stets auch den gerade aktuellen Hauptkonkurrenten zu schwächen, hat funktioniert. Der BVB ist als nationaler Herausforderer Nr. 1 vorerst einmal aus dem Rennen.

Diese Rolle reklamiert aktuell der VfL Wolfsburg für sich. Mit dem 4:1 zum Rückrundenauftakt über die Bayern und mit der insgesamt rund 60 Millionen Euro teuren Verpflichtung von Weltmeister Andre Schürrle (FC Chelsea) haben die Wölfe ihren Anspruch in den vergangenen Tagen noch einmal sehr nachdrücklich unterstrichen. Die Kohle von VW verleiht dem Meister von 2009 neuerlich Flügel. Dass die Sportlichen Leitungen in unterschiedlicher Besetzung in den vergangenen Jahren ein Transfer-Defizit in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet haben: geschenkt! Manager Klaus Allofs, der aus seiner Zeit bei Werder Bremen eher in Mangelverwaltung geübt ist, war in den vergangenen Tagen anzusehen, wie groß seine Freude ist, endlich einmal mit Geld um sich werfen zu dürfen.

Keine Frage: Wolfsburg wird bis zum Ende der Saison oben mitspielen und sich mutmaßlich für die Champions-League qualifizieren. Und keine Frage: Der VfL wird im Sommer, um in der CL konkurrenzfähig zu sein, den Kader in der Spitze non einmal verbreitern. Also: ordentlich Geld ausgeben. Und überhaupt gar keine Frage: In München werden sie das alles sehr aufmerksam beobachten. Matthias Sammer. Kalle Rummenigge. Uli Hoeneß. Und wenn sie dann irgendwann das Gefühl haben, dass ein Wolfsburger Spieler sie selbst besser machen und gleichzeitig den aufmüpfigen Konkurrenten schwächen könnte, dann werden sie ihr Scheckbuch zücken.

Ganz oben auf dem Block dürfte schon jetzt Kevin de Bruyne stehen. Der 23-jährige Belgier, den transfermarkt.de auf einen Marktwert von 20 Millionen Euro taxiert und damit eher untertreibt, ist ein Mann der Zukunft. Die Bayern hingegen haben im Kader einige Männer der Vergangenheit: Franck Ribery, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Dante haben ihre beste Zeit jedenfalls nicht mehr vor sich. Das macht dann auch Robin Knoche (22, 9 Mio. €), Ricardo Rodriguez (22, 28 Mio. €), Josuha Guilavogue (24, 10 Mio. €) und Maximilian Arnold (20, 10 Mio. €) interessant. Für die Münchener, aber nicht nur für sie. Spätestens wenn sich die Wolfsburger 2015/16 auf der ganz großen Bühne der Königsklasse zeigen dürfen, werden sie die Blicke aus Spanien und England auf sich ziehen.

Nun ist es nicht ganz so einfach, Wolfsburger Spieler mit Geld wegzulocken, weil Wolfsburg genau davon dank VW selbst genug hat. Doch erstens ist die UEFA dem Werksklub auf den Fersen. Stichwort: Financial Fair-Play. Und zweitens: Wer die Wahl hat, entweder in München, Madrid, Manchester, Barcelona, London zu spielen – oder eben in Wolfsburg, der entscheidet sich womöglich doch eher für . . . – Genau!

Borussia Dortmund hat ihn hinter sich, den Angriff der Kohle-Krieger. Eine Zeit lang hat der BVB die Verluste seiner Leistungsträger sogar kompensieren können. Aktuell kann er’s nicht mehr, die Lewandowski-Lücke ist zu groß. Der VfL Wolfsburg hat den Angriff noch vor sich – und dabei er ist noch nicht einmal Deutscher Meister geworden.

Die Rückrunde 2014/15 – ein schwarzgelber Ausblick

Mit dem Trainingsauftakt startet bei Borussia Dortmund heute das „Unternehmen Klassenerhalt“. Högschte Zeit für einen Ausblick auf die Rückrunde 2014/15.

18. Spieltag: Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund 0:1 (0:1). Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, ACHT Sekunden sind gespielt, da trifft Neuzugang Kevin Kampl zum 1:0 für den BVB. Das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Leverkusen drängt fortan auf den Ausgleich und schneidet in der Halbzeitpause sogar seitliche Löcher ins Tornetz. Vergeblich!

19. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Augsburg 5:0 (0:0). Das Team von Jürgen Klopp tut sich lange Zeit schwer gegen die starken Gäste. Als sich die Zuschauer bereits mit einem 0:0 abgefunden haben, wechselt der Trainer den Sieg ein: Henrikh Mkhitaryan erzielt bei seinem Kurz-Comeback zwischen der 82. und 87. Minute den schnellsten Viererpack der Bundesliga-Geschichte und bereitet Kampls 5:0 vor.

20. Spieltag: SC Freiburg – Borussia Dortmund 0:2 (0:1). Die Partie beginnt denkbar unglücklich für den BVB. Jakub Blaszczykowski verfehlt in der Anfangsviertelstunde dreimal freistehend das leere Tor – einmal links vorbei, einmal rechts vorbei, einmal drüber. Wie’s besser geht, zeigen ihm: Mkhitaryan und Kampl.

21. Spieltag: Borussia Dortmund – FSV Mainz 05 11:0 (1:0). Es ist das Karnevalswochenende – und der BVB setzt den Mainzer Narren die gleichnamige Kappe auf. Bis zur Pause halten die Gäste noch mit, dann müssen sie dem Promillegehalt im Blut Tribut zollen. Die Borussia bittet zur Prunksitzung und feiert ihren Bundesliga-Rekordsieg. Es ist das erste zweistellige Ergebnis überhaupt in der Bundesliga seit 1984. Herausragend: der neunfache Torschütze Henrikh Mkhitaryan. Die beiden weiteren Treffer erzielt Kevin Kampl.

22. Spieltag: VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 0:3 (0:2). Die Schwaben, inzwischen auf einem Abstiegsplatz, mit Helmut Benthaus als Trainer, Giovane Elber im Angriffs- und den Förster-Zwillingen im Abwehrzentrum, werden von Dortmunds magischem Dreieck mit Mkhitaryan, Kampl und Mkhitaryan phasenweise schwindelig gespielt.

23. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Schalke 03+1 3+1:0 (3:0). Schalke reist nach fünf Niederlagen zum Rückrundenbeginn mit Mirko Slomka und Ralf Rangnick als neuem Trainerduo zum Derby an. Hilft nix! Schon zur Pause hat Kevin dreimal zugeschlagen. Kevin Großkreutz, nicht Kevin Kampl. Den vierten Treffer markiert Felipe Santana bei 90+4 per Eigentor, dreht vor der Südtribüne jubelnd ab – ehe er seinen Fauxpas bemerkt.

24. Spieltag: Hamburger SV – Borussia Dortmund 0:6 (0:3). Seit Trainer Joe Zinnbauer seine Kicker um 7.30 Uhr zum Dienstantritt bittet, ist irgendwie der Wurm drin beim Bundesliga-Dino. Klar, die tarifliche Arbeitszeit von acht Stunden ist bei Anpfiff um 15.30 Uhr bereits um. Und das Überstundenkonto der Hanseaten quillt längst über. Entsprechend kraft- und lustlos agieren sie gegen den BVB, für den Mkhitaryan und Kampl jeweils drei Tore erzielen.

25. Spieltag: Borussia Dortmund – 1. FC Köln 1:0 (0:0). Zähe Partie. Die Geißböcke stehen mit zehn Mann am eigenen 16er, der BVB prallt 89 Minuten lang immer wieder von dieser Gummiwand ab. Dann trifft Kevin. Großkreutz, nicht Kampl. Beim Torjubel zieht er sein Trikot über den Kopf – und trägt darunter ein FC-Dress. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff gibt er bekannt, dass er zur neuen Saison zu den Domstädtern wechselt.

26. Spieltag: Hannover 96 – Borussia Dortmund 0:4 (0:2). Erneut teilen sich Henrikh Mkhitaryan, der neue Führende in der Bundesliga-Torschützenliste, und Kevin – Kampl, nicht Großkreutz – den Torreigen. Beide stehen allerdings im Schatten von Torwart Zlatan Alomerovic, der nun seit 900 Minuten ohne Gegentor ist und damit Timo Hildebrand als Rekordhalter ablöst.

27. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Bayern München 7:0 (7:0). Es ist Ostern – und die Bayern ziehen in der Woche vor dem Spiel alle Register, um dem BVB ein Ei ins Nest zu legen. Kalle #rummeniggeisso kündigt an, Henrikh Mkhitaryan und Kevin – Kampl, nicht Großkreutz – nach der Saison zum Rekordmeister zu holen. Im Gespräch ist eine Paket-Ablöse von 137 Millionen Euro und ein Netto-Jahresgehalt von 17 Mio. € für den Armenier und 15,5 Mio. € für den Slowenen. Marco Reus, der nach diversen knöchernen Ausrissen in verschiedensten Körperteilen sein Comeback feiert und stinksauer ist, dass der FC Bayern an ihm kein Interesse mehr hat, spielt groß auf und trifft in der ersten Halbzeit sechsmal. Bundesliga-Rekord. Das siebte Tor erzielt Tammo Harder; einem klaren Kopfballtreffer von Mats Hummels verweigert Schiedsrichter Florian Meyer die Anerkennung. Der Ball sei nicht hinter der Torlinie gewesen. Bayern-Trainer Pep Guardiola, der nach der Saison als Sportdirektor zum FC Barcelona zurückkehren wird, erklärt: „Das war eine super-super Leistung des BVB und kacke-kacke von uns.“

28. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 0:1 (0:0). Es ist zum Verzweifeln: Der BVB spielt auf ein Tor, doch der Ball will nicht rein. Dann die 79. Minute: Ecke für Gladbach, Christoph Kramer legt sich den Ball zurecht, er rutscht ihm über den Spann – und fliegt auf der anderen Seite des Spielfeldes zum 0:1 ins Netz. Beim Field-Interview nach Spielende kann sich der Weltmeister an nichts mehr erinnern.

29. Spieltag: Borussia Dortmund – SC Paderborn 5:0 (0:0). Schiedsrichter Wolfgang Stark verweigert fünf regulären Dortmunder Toren durch Immobile, Ramos, Kagawa, Gündogan und Kevin – Großkreutz, nicht Kampl – die Anerkennung. Weil Großkreutz daraufhin einen BVB-Fan auffordert, Stark mit einem Döner zu bewerfen, fliegt er vom Platz. Ihm folgen Sokratis und Subotic. In dreifacher Unterzahl geht die Borussia durch Kampl in Führung. Mkhitaryan erzielt die weiteren BVB-Tore.

30. Spieltag: Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0). Klopp rotiert. Mkhitaryan und Kampl werden geschont. Die Edelreservisten Reus (wechselt nach der Saison zum TSV Winsen) und Immobile dürfen mal wieder von Beginn an ran. Und treffen je einmal. Pflichtsieg. Ach so, der Klassenerhalt ist übrigens längst gesichert.

31. Spieltag: TSG 1899 Hoppenheim – Borussia Dortmund 0:6 (0:4). BVB-Kapitän Mats Hummels, der in der Rückrunde bisher nur zu einem Kurzeinsatz gegen die Bayern gekommen war, feiert nach diversen muskulären Problemen in diversen Körperteilen sein Startelf-Comeback und bringt den BVB per Kopfball in Führung. Blöd für die Gastgeber: Der Ball rutscht durch ein Loch im Netz von außen ins Tor. Danach treffen Mkhitaryan, Kampl, Kampl, Mkhitaryan und Harder.

32. Spieltag: Borussia Dortmund – Hertha BSC 1:0 (1:0). Die irre Aufholjagd in der Rückrunde zeigt allmählich Wirkung. Der BVB schwächelt. Nur gut, dass er sich auf Julian Schieber verlassen kann. Der Ex-Dortmunder erzielt bei 90+4 direkt vor der Südtribüne ein wunderschönes Eigentor. „Endlich habe ich mir den Treffer zurück geholt, den mir Felipe Santana gegen Malaga geklaut hat“, sagt er nach dem Spiel. Michael Zorc bietet Schieber noch am selben Abend einen Drei-Jahres-Vertrag an.

33. Spieltag: VfL Golfsburg – Borussia Dortmund 0:3 (0:1). Es geht um die direkte Champions-League-Qualifikation. Golfsburg ist Dritter, der BVB inzwischen Vierter. Durch die Tore von Mkhitaryan (2) und Kampl schieben sich die Schwarzgelben an den Gölfen vorbei.

34. Spieltag: Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:0 (0:0). Vier Teams kämpfen beim Saisonfinale um die Plätze 2 bis 5. Und der BVB zeigt Nerven. Erst als Klopp den reaktivierten Henrique Ewerthon de Souza – kurz: Ewerthon – einwechselt, fluppt’s. Kaum eine Minute auf Platz, drückt der Brasilianer eine Hereingabe des ebenfalls reaktivierten Dédé zum Siegtor über die Linie. Der BVB wird noch Vizemeister, Leverkusen Dritter; Golfsburg muss in die CL-Qualifikation – Schalke rutscht in die Europa League und meldet daraufhin gleich am Montagmorgen Insolvenz an. Ebenfalls am Montagmorgen wird am Borsigplatz eine überlebensgroße Jürgen-Klopp-Statue aus Bronze enthüllt.

P.S. (1): Die 51 von 51 möglichen Punkten bei 63:0 Toren sind Bundesliga-Rekord.

P.S. (2): Der in der Hinrunde erfolglose Henrikh Mkhitaryan wird mit ziemlich vielen Treffern (die genaue Anzahl müsst ihr selbst nachzählen) noch Torschützenkönig.

P.S. (3): In Berlin gewinnt Borussia Dortmund in den folgenden Wochen zunächst den DFB-Pokal gegen den VfR Aalen mit 1:0 n.V. und die Champions League gegen den FC Basel mit 7:0.

10 + 1 Gründe, warum der BVB in München gewinnt

Dreimal haben Borussia Dortmund und der FC Bayern München 2014 bereits gegeneinander gespielt. Dreimal gewann der BVB:

– in der Bundesliga in München mit 3:0 (Tore: Mkhitaryan, Reus, Hofmann)

– im DFB-Pokalfinale in Berlin mit 1:0 (Tor: Hummels)

– im Supercup in Dortmund mit 2:0 (Tore: Mkhitaryan, Aubameyang)

(Anm. d. Autors: Wer bezüglich des Pokalfinals Zweifel hegt – hier werden sie ausgeräumthttp://fliggwerk.com/2014/10/28/ruckblende-als-mats-hummels-den-bvb-zum-pokalsieg-2014-kopfte/)

Am Samstag (1.11., 18.30 Uhr) steigt der vierte deutsche „Clásico“ in diesem Jahr. Grob geschätzt 1000 Gründe sprechen dafür, dass Borussia Dortmund auch diesmal wieder die Oberhand behalten wird.

Hier sind nur die zehn wichtigsten:

Erstens: Der FC Bayern muss kurzfristig auf Thomas Müller verzichten. Das rosarote Dirndl des Stürmers verstößt gegen die Spielordnung. Ein Trachtenkleid in den Trikotfarben (rot-blau gestreift) ist auf die Schnelle nicht aufzutreiben. Das Schiedsrichtergespann streicht Müller daraufhin vom Spielberichtsbogen.

Zweitens: Sportlich läuft es bei den Bayern nun schon im dritten Jahr in Folge so perfekt, dass Matthias Sammer, der fleischgewordene Bluthochdruck, praktisch nichts mehr zu meckern hat. Der Sportdirektor ist in den vergangenen Wochen in einen Wachkoma ähnlichen Zustand gefallen – und das ausgerechnet jetzt, da seine Vertragsverlängerung ansteht. Die Mannschaft beschließt daher, mal richtige Grütze zu spielen, damit Sammer seinem Spitznamen „Motzki“ endlich wieder Ehre machen und Argumente für die Gespräche mit dem Vorstand sammeln kann.

Drittens: Der FC Bayern muss kurzfristig auf Franck Ribéry verzichten. Der Franzose wird auf dem Weg zum Stadion aus dem Mannschaftsbus heraus festgenommen. Später stellt sich heraus: Die bayerische Polizei hat ihn mit einem international gesuchten Radikalislamisten verwechselt.

Viertens: Das Spiel findet unter Flutlicht statt – und da ist der BVB quasi unschlagbar oder jedenfalls in dieser Saison noch ungeschlagen. Klugscheißern, die an dieser Stelle einwenden wollen, dass die mit 0:2 verlorene Partie in Mainz doch auch im Dunkeln endete, sei gesagt: Ja, aber beim Anpfiff war’s noch hell. Basta!

Fünftens: Der FC Bayern muss bereits nach drei Minuten auf Arjen Robben verzichten. Nachdem er zweimal im Tiefflug durch den Dortmunder Strafraum gesegelt ist, zwingt ihn eine Fliegerstaffel der Luftwaffe zur Landung.

Sechstens: Das Spiel wird weder von Nicola Rizzoli noch von Florian Meyer geleitet.

Siebtens: Der FC Bayern muss kurzfristig auf Mario Götze verzichten. Weil der Ex-Dortmunder zum Treffpunkt mit einem Mercedes und im Puma-Shirt erscheint, erzwingen die Bayern-Sponsoren Audi und Adidas seine fristlose Kündigung. Dem Vernehmen nach wird Götze in der Winterpause zum BVB zurückkehren.

Achtens: #rummeniggeisso verrät der BILD kurz vor dem Spiel, er habe das Interesse der Bayern an Marco Reus nur vorgetäuscht, um bei der Borussia Unruhe zu schüren und ein wenig auf dem am Boden liegenden Gegner herum zu trampeln. Blöderweise verrät die BILD das im Kabinengang Marco Reus. Der BVB-Star macht daraufhin das Spiel seines Lebens und erzielt sämtliche sieben Dortmunder Tore.

Neuntens: Der FC Bayern muss langfristig auf Uli Hoeneß verzichten.

Zehntens: Bayern-Siege sind stinklaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig! Die Bundesliga ist stinklaaaaaaaaaangweilig!

Zehntens + 1:

http://www.bundesliga.de/de/bundesliga-tv/partner/fifa-15-ea-prognose-fc-bayern-muenchen-gegen-borussia-dortmund.php

(Bildquelle des Beitragsbildes: Trailer „Die Mannschaft“, Constantin-Film, youtube.com)

Rückblende: Als Mats Hummels den BVB zum Pokalsieg 2014 köpfte

17. Mai 2014

Berlin. Borussia Dortmund hat zum vierten Mal in der Klubgeschichte den Deutschen Fußball-Pokal gewonnen. Im Endspiel vor 74.907 Zuschauern im Berliner Olympiastadion setzte sich der Vizemeister wie schon 2012 gegen den FC Bayern durch. Schütze des goldenen Tores war Nationalspieler Mats Hummels in der 65. Minute. Ein Jahr nach dem Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokalsieg und Champions-League-Triumph bleibt den Münchenern somit am Ende der ersten Saison unter Startrainer Pep Guardiola allein die Meisterschale.

Es war eine Neuauflage des Finals von 2012. Eine Neuauflage des CL-Endspiels von 2013 – aber das Spiel bot nicht annähernd so viel Spektakel und Rasanz wie die beiden großartigen Duelle in den Vorjahren, als der BVB die großen Bayern einmal nach allen Regeln der Kochkunst filetiert und einmal erst in letzter Minute unglücklich verloren hatte.

Im Mittelpunkt: Robert Lewandowski. Der Dortmunder Weltklasse-Torjäger, 2012 beim 5:2 noch dreifacher Torschütze, bestritt sein letztes Spiel im BVB-Trikot, bevor er ausgerechnet zum FC Bayern wechselt. Doch der Pole trat diesmal kaum in Erscheinung; ihm blieb nur die Nebenrolle.

Beide Mannschaften krochen gewissermaßen auf dem Zahnfleisch ins Olympiastadion. Bei den Bayern fiel nach Bastian Schweinsteiger und Thiago (verletzt) sowie dem ausgemusterten Mario Mandzukic kurzfristig auch noch David Alaba aus. Nach gut einer halben Stunde humpelte obendrein Kapitän Philipp Lahm nach einem Zweikampf mit Nuri Sahin vom Platz; für ihn kam der angeschlagene Franck Ribery. Beim BVB fehlten die Langzeitverletzten Neven Subotic, Jakub Blaszczykowski und Ilkay Gündogan.

Und so hatten sich beide Trainer taktisch etwas einfallen lassen. Pep Guardiola schickte sein Team erstmals in einer 3-4-2-1-Formation aufs Feld; Klopp rückte zugunsten eines 4-3-3 vom eingeübten 4-2-3-1 ab. Besser bekam das zunächst den favorisierten Münchnern, die in einer an Höhepunkten armen ersten Halbzeit ein klares Ballbesitz-Übergewicht hatten.

Erst nach dem Wechsel wurde es munterer, denn nun machten auch die Borussen mit. Erst scheiterte noch Thomas Müller an BVB-Keeper Roman Weidenfeller (56.), dann senkte sich auf der Gegenseite ein abgefälschter Freistoß von Marco Reus gefährlich auf die Latte. Nationalkeeper Manual Neuer hatte den Ball falsch eingeschätzt – und irrte auch in der nächsten Szene durch den Strafraum: Freistoß Nuri Sahin, Kopfballverlängerung Lewandowski – und Mats Hummels köpfte das Spielgerät mit einer akrobatischen Flugeinlage ins Tor. Die Bayern reklamierten doppelt, wollten Hummels im Abseits und den Ball nicht hinter der Linie gesehen haben. Beides falsch. der Torschütze stand auf gleicher Höhe und Dantes Rettungsversuch erfolgte klar hinter der Linie. Schiedsrichter Florian Meyer zögerte denn auch keine Sekunde und entschied nach einem kurzen Blick zu seinem Assistenten an der Seitenlinie auf Tor – 1:0 (65.).

Der FC Bayern mobilisierte nun noch einmal alles, erhöhte den Druck. Doch mehr als eine klare Chance durch Ribery, die erneut Weidenfeller zunichte machte, sprang während der Schlussoffensive nicht heraus. Der Rest war Jubel in Schwarz und Gelb. Wie 2012. Anders als 2013. Die Geschichte des deutschen „Clásico“ ist um ein weiteres Kapitel länger.

Weg mit dem Sternen-Firlefanz – zurück an die Arbeit!

Man sah es ihm an. Joachim Löw hatte richtig Bock. Supersuperbock, sozusagen.

Er hatte Supersuperbock, nach dem Last-Minute-Schock gegen Irland zum Interview ins RTL-Studio zu dackeln – genauer: zu pudeln. Denn wie ein begossener Pudel saß der Bundestrainer zwischen Florian König und Jens Lehmann. Jener König, der sonst Formel 1 und Koch-Shows moderiert. Und jener Lehmann, der schon als Spieler stets sehr speziell gewesen war und nun als Experte renitent und tendenziell respektlos daher kommt. Jener Lehmann, dem es ganz offenkundig mehr als jedem anderen vollkommen egal ist, was andere über ihn denken. Was der schon nach dem 0:2 in Polen für Fragen gefragt hatte. Nachgerade dreist! Eine ganz neue Erfahrung für Joachim Löw, der sich in Warschau vermutlich viel lieber zum verbalen Trostkuscheln zu Katrin Müller-Hohenstein begeben hätte und nun in Gelsenkirchen ahnte, dass er neuerlich vornehmlich kritische Fragen würde beantworten müssen.

Er, der Weltmeister-Trainer!

Wer weiß, vielleicht hat Joachim Löw ja am Dienstagabend auf dem Weg von der Kabine der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum RTL-Studio erstmals darüber gegrübelt, ob es wohl die beste aller Ideen gewesen war, nach der WM weiterzumachen. Statt abzutreten. Auf dem Gipfel des Denkbaren. Vielleicht hat Löw bei sich gedacht: „Mensch, Jogi, hättest Du es mal gemacht wie der kleine Philipp.“ Der Lahm. Das Kapitänchen. Weltmeister geworden. Den Pott geküsst. Abgetreten! Oder der lange Per. Der Mertesacker. Der „Big fuckin‘ German“, wie sie ihn beim FC Arsenal liebevoll nennen. Weltmeister geworden. Abgetreten! Oder der olle Miro. Der Klose. Weltmeister geworden. Weltmeisterschaftsrekordtorschütze geworden. Abgetreten! Alles richtig gemacht. Den Moment eingefroren. Besser kann’s nicht mehr sein!

Joachim Löw wollte das nicht. Abtreten auf dem Höhepunkt. Er wollte weitermachen. Die Mannschaft weiterentwickeln. Sie zur EM 2016 führen. Und dort der erste Trainer seit Helmut Schön (1972 & ’74) werden, der mit der N11 Welt- und Europameister wird. Nun hat er den Salat – und muss mit Kritik leben. Nach nur vier Punkten aus drei Qualispielen mit nur drei erzielten und vier kassierten Toren hat ein herbstlicher Fußballblues den weltmeisterlichen Sternenglanz abgelöst.

Es fehlen nur noch die Klatschpappen

Vielleicht wäre genau das ein erster Schritt aus der Leistungs- und Ergebniskrise: Diesen ganzen WM-Firlefanz endlich mal beiseite zu legen und wieder zur Alltagsarbeit überzugehen. Kein Länderspiel mehr ohne Hochglanzglitter-Sterne-Choreographie auf den Stadiontribünen. Auch am Dienstag in der Gelsenkirchener Dreifach-Turnhalle wurden die Event- und Erfolgszuschauer wieder genötigt, bunte Papptafeln in die Höhe zu halten. Ein Wunder eigentlich, dass beim DFB – anders als beim FC Bayern – noch niemand auf die Idee gekommen ist, versponserte Klatschpappen samt Bedienungsanleitung auf die Sitzschalen zu legen. Von „Fans“ kann bei Spielen der N11 längst keine Rede mehr sein. Fans bringen inzwischen nur noch die Gästeteams mit. Schottische Fans sorgten in Dortmund für Stimmung. Irische Fans in Gelsenkirchen. Deutsche Fans klatschen brav bei Eckbällen und singen gelegentlich „Die Nummer eins der Welt sind wir“ – was angesichts der vitaminarmen Darbietungen auf dem Rasen allerdings zunehmend albern klingt.

Das Märchen ist vorbei . . .

Das WM-Finale liegt inzwischen drei Monate zurück. Drei Monate. Das war vorvorvorvorvor…gestern. Jetzt ist heute. Willkommen zurück in der Realität! Es ist Herbst. Es ist kühl. Es ist regnerisch. Es ist Quali. Die Gegner beißen. Und ja, ihr schlaft wieder zu Hause. Nicht mehr in der Schmuseatmosphäre der Campo-Bahia-WG, die Löw und Teammanager Oliver Bierhoff – einer Kunst- und Phantasiewelt ähnlich – eigens hatten bauen lassen. Das Märchen ist vorbei.

. . . und die Realität geht so:

Nein, es sind nicht nur drei wichtige Spieler zurückgetreten. Ja, es fehlen auch viele wichtige Spieler. Marco Reus und Ilkay Gündogan – aber die fehlten auch schon bei der WM. Christoph Kramer und Andre Schürrle – aber die waren zumindest in Polen noch dabei und bei der WM obendrein nur Ergänzungsspieler. Bastian Schweinsteiger, ja, der fehlt tatsächlich – aber wer weiß, ob er überhaupt noch einmal richtig zurück kommt. Sami Khedira fehlt. Mesut Özil fehlt auch – aber in der Form der letzten Wochen irgendwie auch wieder nicht.

Nirgendwo ein „Wickie“, der mal „Ich hab’s!“ ruft

Will sagen: Gegen Irland standen mit Thomas Müller, Mario Götze und Toni Kroos drei Akteure auf dem Platz, die gemeinhin unter „Weltklasse“ einsortiert werden. Dazu ein Julian Draxler, nach dem vermeintlich halb Fußball-Europa schielt. Vier Kreativ-Kicker also, von denen kaum Kreatives kam. Götze war bemüht, arbeitete mehr als früher und hätte einen Elfmeter bekommen müssen. Müller bot, wie schon in Polen, eine Nicht-Leistung, für die er in einigen durchaus ernst zu nehmen Medien sogar noch die Note „3“ erhielt. Der MüllerBayern-Bonus. Draxler stand neben sich – wie zuletzt meist auch auf Schalke. Und Kroos? Hatte viel Ballkontrolle. Hatte viele Ballkontakte. Erzielte schließlich auch das 1:0. Aber Ideen, Geistesblitze, mal ein genialer Moment, ein öffnender Pass, dazu geeignet, die irische Abwehr zu durchschneiden und zu filetieren? Nichts dergleichen. Man hätte sich einen „Wickie“ herbei gewünscht, der sich eine Weile lang mit dem Zeigefinger unter der Nase reibt und im Moment der plötzlichen Erleuchtung „Ich hab’s!“ ruft.

Es waren die Mittelfeld- und Offensivkräfte, die das @DFB_Team in der Schlussphase von einer Panikattacke in die nächste manövrierten. Vorne wurde nicht mehr attackiert, in der Mitte der Ball hergeschenkt, statt gehalten. Und hinten gerieten sie in Not. Der späte Ausgleich war die Folge einer langen Fehlerkette, an deren Ende der Dortmunder Mats Hummels doof aussah und deshalb verständlicherweise angefressen reagierte. „Man wird mir wieder die Schuld geben, aber ganz ehrlich: In der Situation kann ich auch nur noch versuchen, zu retten.“ Was schwer zu retten war.

Hummels hat Recht: Schon die WM war keine Gala, sondern knallharte Arbeit

Es war jener Hummels, der darauf verwies, dass auch in Brasilien nicht alles nur Gold und Glanz, sondern zuvorderst knallharte Arbeit und bisweilen auch gehöriges Glück war. Weder gegen die USA noch gegen Algerien noch gegen Frankreich noch im Endspiel gegen Argentinien hatte die deutsche Mannschaft geglänzt. Und sie hatte auch bei der WM, sieht man vom Eröffnungsspiel gegen Portugal und dem nach wie vor unerklärlichen 7:1 gegen Brasilien ab, keine Offensiv-Feuerwerke abgebrannt. Das 1:0-Siegtor gegen die USA fiel durch einen Distanzschuss. Das 1:0-Siegtor gegen Frankreich nach einer Standardsituation durch einen Abwehrspieler. Gegen Algerien und Argentinien fiel in 90 Minuten gar kein Tor. Klingt das nach Spektakel? Nach Rausch und Gala? Wohl eher nicht. Wohl eher, wie Hummels korrekt feststellte, nach „knallharter Arbeit“ und nach funktionierendem Kollektiv.

Genau das funktioniert derzeit nicht. Und wenn weiterhin die vollkommen verfehlte Diskussion über vermeintlich minderbemittelte Außenverteidiger geführt wird (übrigens hatte der zuletzt heftig kritisierte Erik Durm gegen Irland weit mehr starke als schwache Szenen!), wird sich daran auch nichts ändern. Dann wird zwar nicht Gibraltar, wohl aber der entthronte Weltmeister Spanien deutlich aufzeigen, wo die Schwächen liegen.

Mehr zu #GERIRL, zu Mats Hummels – und was er zur Kritik von Joachim Löw sagt:

http://www.derwesten.de/wr/sport/fussball/bvb/bvb-kapitaen-hummels-und-bundestrainer-loew-sind-sich-uneinig-id9938175.html

http://www.spox.com/de/sport/fussball/dfb-team/em-2016-qualifikation/spielberichte/deutschland-irland/mats-hummels-interview-1-1-gegen-irland-unfassbare-dinger.html

http://www.spiegel.de/sport/fussball/em-quali-weltmeister-deutschland-schwaechelt-gegen-irland-a-997230.html

http://www.spiegel.de/sport/fussball/em-quali-deutschland-gegen-irland-mit-spaetem-ausgleich-a-997189.html

http://www.ruhrnachrichten.de/sport/bvb/So-einfach-ist-es-nicht-Hummels-ueber-Erwartungen-und-das-Irland-Spiel;art11635,2511803

1 Immobile + 1 Ramos = 4 Lewandowski

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Pflichspieltore Robert Lewandowski 2 (Bundesliga 2 – Champions League 0 – DFB-Pokal 0 – Supercup 0)

Pflichtspieltore Ciro Immobile 3 (Bundesliga 1 – Champions League 2 – DFB-Pokal 0 – Supercup 0)

Pflichspieltore Adrian Ramos 5 (Bundesliga 2 – Champions League 2 – DFB-Pokal 1 – Supercup 0)

Immobile + Ramos = 4 Lewandowski

So viel vorweg: Dieser Beitrag ist eigentlich Quatsch. Weil es Quatsch ist, den ehemaligen BVB- und jetzigen Bayern-Torjäger Robert Lewandowski mit seinen Nachfolgern Ciro Immobile und Adrian Ramos zu vergleichen. Weil Dortmunds Trainer Jürgen Klopp immer gesagt hat. „Immobile kann Lewandowski nicht ersetzen. Ramos kann Lewandowski nicht ersetzen. Unser Ziel muss sein, Roberts Abgang im Verbund zu kompensieren.“

Warum also dennoch viele Worte um großen Quatsch? – Weil die Diskussion geführt wird. Spätestens nach der Niederlage im Derby auf Schalke als Negativschlusspunkt unter einer schwarzgelbe Gruselwoche mit nur einem kargen Punkt aus den Duellen in Mainz (0:2), gegen Stuttgart (2:2) und in der Dreifachturnhalle zu Gelsenkirchen wurde sie geführt. Zumal Ramos im Derby vor dem 0:2 auch noch ein kapitaler Schnitzer in de Defensive unterlaufen war. Zumal die Offensivmacht BVB schon zweimal (gegen Leverkusen und in Mainz) torlos geblieben war. Da muss man doch allmählich mal die Frage diskutieren: Taugen Immobile und Ramos für höhere und gar für höchste Ansprüche?

Quatsch! Die Frage bedarf genau so wenig einer intensiveren Betrachtung wie jene, ob Robert Lewandowski möglicherweise nicht ins Bayern-System passt. Ob er beim Rekordmeister scheitern könnte – wie so viele vor ihm. Zur allgemeinen Be(un)ruhigung: Wird er nicht! Lewandowski ist ein so herausragender Fußballer, dass Trainer Pep Guardiola ein kompletter Dilettant sein müsste, um seine Qualitäten nicht zum Wohle der Mannschaft wirksam werden zu lassen. Aber selbst ein solcher Weltklassemann braucht ein Mindestmaß an Um- und Eingewöhnung. Er muss das Guardiola-System verinnerlichen – so, wie Ramos und noch mehr Immobile als Liga-Neuling das Klopp-System verinnerlichen müssen. So, wie auch Lewandowski das Klopp-System verinnerlichen musste. So, wie auch Pierre-Emerick Aubameyang das Klopp-System verinnerlichen musste. Aktuell ist der Gabuner übrigens mit sieben Pflichtspieltreffern – 3 in der Liga, 2 im DFB-Pokal, je 1 in Champions League und Supercup – erfolgreichster Torschütze, darüber hinaus in überragender Form, arbeitet ungleich mehr als in seiner Premierensaison defensiv mit und leistet seinen ganz erheblichen Beitrag dazu, den Lewandowski-Verlust im Verbund zu kompensieren.

Aber auch die Bilanz von Immobile und Ramos ist beachtlich. Die Tore des Italieners waren bereits sieben Punkte wert. Gegen Arsenal und Anderlecht erzielte er jeweils das Game-Winning Goal, gegen Stuttgart den späten Ausgleich. Ramos zeichnete für den Siegtreffer gegen Augsburg verantwortlich. Macht in Summe zehn Punkte durch Immobile/Ramos-Treffer. Demgegenüber steht ein einziger Zähler, den Lewandowski seinem Arbeitgeber bislang sicherte – durch sein Tor beim 1:1 der Bayern auf Schalke. Sind Immobile/Ramos am Ende also sogar besser als Lewandowski? – Quatsch! Sie sind anders. Anders gut.

Die Ausbeute des neuen BVB-Sturmduos ist um so bemerkenswerter, weil sie – wie Klopp völlig zurecht anmerkt – „zurzeit die ärmsten Schweine überhaupt“ sind. Will sagen: Ihr Integrationsprozess leidet unter den vielen verletzungsbedingten Ausfällen bei der Borussia. Bislang bestand kaum Gelegenheit, Automatismen einzuüben, Laufwege abzustimmen, Passfolgen zu trainieren. So erklären sich auch spielentscheidende Fehler wie der von Ramos gegen den HSV. Zentrale Figuren wie Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Marco Reus und Henrykh Mkhytarian fehlten zumeist oder fehlen bislang gänzlich. Darunter leidet die Spieleröffnung, die Spielentwicklung. Dem BVB-Spiel fehlt viel Kreativität. Der Ball kommt häufig gar nicht dort an, wo Immobile und/oder Ramos ihn verwerten könnten. Klopp sieht das. Und er weiß auch: Das wird in den nächsten Wochen besser.

Die Fans dürfen sich also durchaus freuen. Auf weitere Tore von Ramos, Immobile und Aubameyang, zu denen sich Tore von Reus, Kagawa und Mkhytarian, auch von Kuba und Ji gesellen werden. Nicht die allerschlechteste Perspektive also

Den Fußball quälen die Geister, die er rief

 Folgende Rechnung:

Der Fußballprofi Michael Mustermann gewinnt in einer Saison mit seinem Klub und der Nationalmannschaft alles, was es zu gewinnen gibt und kommt dabei in jedem Spiel zum Einsatz. Er bestreitet also 34 Bundesliga- und 6 DFB-Pokalspiele, dazu 13 Champions-League-Duelle und 17 Länderspiele. Er steht im nationalen und europäischen Supercup-Finale auf dem Platz und muss zweimal bei der Klub-WM ran. Macht 74 Einsätze. Inklusive Test-/Freundschaftsspielen in der Sommer- und Wintervorbereitung, einige davon sogar in Übersee, kommt er schließlich auf 80 bis 85 Partien.

Ein Hammer-Pensum – das jetzt wieder die Kritiker auf den Plan ruft. Zu viele Länderspiele! So lautet ihre Diagnose. Aber stimmt die überhaupt? Eher nicht. Der langjährige Vergleich zeigt: Die Zahl der Begegnungen im Vereinsfußball ist stärker gestiegen als die der Ländervergleiche. Der Grund: Geld! Im Wesentlichen.

Doch der Reihe nach.

Pep Guardiola mag’s martialisch. Verbal, versteht sich. Erst warnte der Trainer des FC Bayern München, Neuzugang Xabi Alonso sei „in wenigen Wochen tot“, wenn er weiter so beansprucht werde. Dann holte der Katalane zum Rundumschlag gegen das System aus: „Wir killen die Spieler, wir verlangen zu viel von ihnen!“ Der Drei-Tage-Rhythmus, in dem viele Profis der Top-Klubs, die in Meisterschaft, Europacup, DFB-Pokal und Nationalmannschaften gefragt sind, auflaufen müssen, sei mörderisch. Guardiolas Forderung: „Die Spieler brauchen Zeit zum Atmen. Das gilt nicht nur für uns, sondern auch für Dortmund und Leverkusen.“

Die Flankendeckung aus Westfalen, selten genug, kam sogleich. Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp, der derzeit das vermutlich größte Lazarett der Klubgeschichte beklagt und nach jedem Spiel neue Ausfälle vermelden muss, leidet unter der häufigen Abstellung von Spielern an die Nationalmannschaften. Zumal ihr Fehlen den Trainingsbetrieb in den Klubs quasi lahmlegt. In Länderspielwochen haben Trainer wie Guardiola und Klopp bisweilen Mühe, eine Elf zusammen zu bekommen – geschweige denn zwei. Strukturiert trainieren, taktische Konzepte einstudieren, Automatismen einüben können sie nicht. Insbesondere das umstrittene Test-Länderspiel nach dem ersten Bundesliga-Spieltag ist dem BVB-Coach und den meisten seiner Kollegen ein Dorn im Auge. Klopp ahnt gleichwohl: „Das Rad drehen wir nicht mehr zurück.“ Jede Klage sei daher verpulverte Energie. „Das kann ich genau so gut meiner Mikrowelle erzählen.“

Ärger: ja! Gejammere: nein – in Dortmund. In München ist das etwas anders, denn in München gibt es Karl-Heinz Rummenigge. Und der hat sich offenkundig zum Ziel gesetzt, die haftbedingte Abwesenheit von Uli Hoeneß zu nutzen, um in dessen Rolle als Lautsprecher der Nation einen verbalen Kreuzzug gegen alles und jeden zu führen. „Die Belastung der Spieler hat ein gesundes Maß längst überschritten. Sie ist am absoluten oberen Limit angelangt. Dafür sind die Dachverbände mit ihrer Flut von Länderspielen verantwortlich“, kritisierte der Bayern-Vorstand unlängst im Vorwort des Klub-Magazins zum Paderborn-Spiel.

Rummenigge, in Personalunion auch Vorsitzender der Europäischen Klub-Vereinigung ECA fordert deshalb den Weltverband FIFA und die UEFA auf, „dieser Entwicklung dringend Einhalt zu gebieten“. Er appelliert, „den Fußball zugunsten der Spieler zu verbessern und dieser Hatz ein Ende zu setzen. Qualität und nicht Quantität muss das Ziel sein“.

Aber hat Rummenigge eigentlich Recht? Hat die Zahl der Länderspiele tatsächlich so dramatisch zugenommen?

Vergleicht man, wie der FCB-Boss, das Jahr 2014 mit den 70-er Jahren, in denen „ein Franz Beckenbauer (und übrigens auch ein Karl-Heinz Rummenigge/der Autor) im Schnitt 8,5 Länderspiele im Jahr“ bestritten hat, ist die Kritik berechtigt. In den vergangenen 25 Jahren aber hat sich die Anzahl der DFB-Einsätze nicht mehr oder zumindest nicht signifikant verändert.

Zwei Beispiele:

– Im Jahr der WM 1990 bestritt die Nationalmannschaft 15 Länderspiele, 1996 waren es 16, 2002 und 2006 je 18 (die Spitzenwerte) – 2014 sind es 17, inklusive der sieben Partien bei der WM in Brasilien.

– Signifikant weniger Spiele waren es früher vor allem im den ungeraden Jahren ohne Turniere. So trat die Nationalelf 1991 nur siebenmal an und 1997 neunmal. Aber: 1993 waren es elf Länderspiele – so viele wie 2003 und 2009 und nur eines weniger als 2007 und 2013.

Die Entwicklung seit 1990 im Überblick:

1990 15 Spiele (davon 7 WM) – 1991 7 Spiele – 1992 14 Spiele (5 EM) – 1993 11 Spiele – 1994 15 Spiele (5 WM) – 1995 12 Spiele – 1996 16 Spiele (6 EM) – 1997 9 Spiele – 1998 17 Spiele (5 WM) – 1999 13 Spiele (3 Confed-Cup) – 2000 12 Spiele (3 EM) – 2001 11 Spiele – 2002 18 Spiele (7 WM) – 2003 11 Spiele – 2004 16 Spiele (3 EM) – 2005 15 Spiele (5 Confed-Cup) – 2006 18 Spiele (7 WM) – 2007 12 Spiele – 2008 16 Spiele (6 EM) – 2009 11 Spiele – 2010 17 Spiele (7 WM) – 2011 13 Spiele – 2012 14 Spiele (5 EM) – 2013 12 Spiele – 2014 17 Spiele (7 WM).

Signifikant zugenommen hat weniger die Anzahl an Länder- als vielmehr die an Klubspielen.

In der Saison 1974/75 musste der FC Bayern gerade sieben Partien bestreiten, um den Europapokal der Landesmeister zu gewinnen. Beim HSV waren es 1983 inkl. Finale neun Begegnungen. Der erste Gewinner der UEFA Champions League, Olympique Marseille, holte den Titel mit dem 11. Spiel – ebenso vier Jahre später Borussia Dortmund. Heute sind es bis zum Titel 13 Spiele – immerhin hat man den Schwachsinn mit Vor- und Zwischenrundengruppen, der dazu führte, dass der FC Bayern 2000/2001 17 (!) Mal ran musste, ehe er den Pott in den Händen hielt, inzwischen wieder abgeschafft.

Immer schon deutlich aufwändiger war die Europa League. Als sie noch UEFA-Cup hieß, gewannen Borussia Mönchengladbach 1974/75, Bayer Leverkusen 1987/88 und der FC Schalke 04 1996/97 sie in jeweils zwölf Spielen – der FC Sevilla benötigte 2013/14 15 Begegnungen.

Dazu wurde aus dem früheren Weltpokal-Finale zwischen Champions-League-Sieger und Südamerikameister eine Klub-WM mit Halbfinale und Finale. Der nationale und der europäische Supercup sowie der nationale Vereinspokal runden das Tableau an Wettbewerben ab.

Das alles dient der Monetarisierung des Premiumprodukts Fußball. Umsatz- und Gewinnmaximierung. Damit die Fans möglichst viele Spiele live sehen können, das Produkt also noch besser vermarktet werden kann, werden die Spieltage auseinander gerissen. Früher spielte die Bundesliga samstags. Der Mittwoch war Europacup-Tag. Heute wird ständig und ohne jeden Rhythmus gespielt. In der Liga mal freitags, mal samstags, mal sonntags; in der Champions League mal dienstags, mal mittwochs – und in der Nationalmannschaft neuerdings irgendwann. Für die Klubs ist gerade die Champions League wie ein Sechser im Lotto. Wer weit kommt, kann 30, 40, sogar 50 Millionen Euro in nur einer Saison aus diesem Wettbewerb ziehen. Niemand beklagt sich darüber, dass er inkl. CL-Finale 13 Spiele bestreiten muss, wo die Bayern 74/75 doch nur siebenmal ran mussten.

Auch das gehört also zur Wahrheit über die zunehmende Belastung der Profis.

Und dies: Weil sie Märkte in Nordamerika und Asien erobert wollen, muten dieselben Klubverantwortlichen, die sich über zu viele Länderspiele echauffieren, ihrem kickenden Personal auch noch sportlich sinnlose und sportmedizinisch bedenkliche Ausflüge zu. So jettete der FC Bayern im Sommer mal eben für zwei Freundschaftsspiele in die USA. Wiederholung in 2015 ist sicher. Dann wird mutmaßlich auch der BVB in den Flieger steigen. Richtung Asien. Die wirtschaftlichen Interessen obsiegen – die Trainer beißen in die Tischkante, die Spieler ins Gras.

Und dies: Anderseits sind die Profis heute ganz anders trainiert als vor 30 oder 40 Jahren. Ihre Fitness wird permanent medizinisch und der Trainingsaufbau sportwissenschaftlich begleitet. Nichts wird dem Zufall überlassen. Kein Vergleich zur Ära Beckenbauer, als viele Spieler rauchten und die Kiste Bier nach dem Training selbstverständlich in die Kabine gehörte.

Schließlich noch dies: Sind 60 bis 70 Spiele, die letztlich ja auch kein Spieler komplett absolviert, wirklich zu viel, wenn Athleten in den US-Major-Sportarten wie Eishockey und Basketball einschließlich Play-Offs an die 100 Partien bestreiten und dabei aufgrund der großen Inlands-Entfernungen auch noch gewaltige Reisestrapazen verkraften müssen?

Man könne das nicht vergleichen, werden Trainer wie Pep Guardiola und Jürgen Klopp anführen. Und sie haben Recht. Derlei Vergleiche hinken so heftig, dass sie zwar plakativ, aber auch unzulässig sind. Nur: Es sind letztlich die Geister, die der Fußball rief; die Geister, die letztlich die Klubs selber gerufen haben, die nun durch Kabinengänge, Rehazentren und Krankenstationen spuken.

Wiesn-Trikots oder Die Lächerlichmachung des Sports

Über Jahrzehnte hinweg war es einfach nur ein Schmähgesang, wenn auch ein besonders gern gesungener:

„ZIEHT DEN BAYERN DIE LEDERHOSEN AUS, Lederhosen aus, Lederhosen aus!“

Und dann, mit einem Mal, ging das wirklich. Plötzlich konnte man ihnen ihr liebstes Kleidungsstück nicht nur im übertragenen Sinne vom Leibe reißen, sondern buchstäblich. Weil irgendein besonders pfiffiger – will sagen: geschäftstüchtiger – MarketingMerchandisingMonetarisierungsMitarbeiter auf die bahnbrechende Idee gekommen war, eigens zur „Wiesn“ (für nicht Freistaatler: zum Oktoberfest) eine Trikotkollektion auf den Fan-Markt zu werfen.

Ein Spanier in Ledertracht: „Habe die Ehre“

So gab es nicht länger nur das Heimtrikot, das Auswärtstrikot – beim USA-orientierten Weltklub von der Säbener Straße gerne auch „Away“-Trikot genannt – und das Champions-League-Trikot, sondern auch das Wiesn-Trikot. Mit großem Promi-Aufmarsch wurde die Bekleidungslinie im Herbst 2013 vorgestellt. Was dann u.a. dazu führte, dass ein peinlich berührter Spanier (Javier Martinez) in einem Trainingsanzug im Trachtenlook zum Medientermin kam und Sätze wie „Habe die Ehre“ stammelte. Jedenfalls liefen die Bayern während der Wiesn-Wochen mit Trikothosen im braunen Lederlook auf. Echtes Leder war’s gleichwohl nicht. Das hätte die Geschmeidigkeit der Bewegungen des kickenden Edel-Personals dann doch beeinträchtigt. Aber immerhin konnte man Schweini & Co. etwas ausziehen, dass zumindest aussah wie eine Krachlederne.

Gerechte Strafe für die Löwen: Noch nie in Tracht gewonnen

Nun muss ich zu meiner journalistischen Schande gestehen, dass ich nicht weiß, ob der ruhmreiche FC Bayern oder gar der unwesentlich weniger ruhmreiche TSV 1860 München zuerst auf die Tracht gekommen ist. Immerhin spielen die „Löwen“ heuer (für nicht Freistaatler: in diesem Jahr) bereits zum dritten Mal nach 2012 und 2013 im Wiesn-Outfit, wobei das Trikot aussieht, als habe jemand eine Tischdecke von der Theresienwiese recycelt. Die gerechte Strafe für derlei Geschmacklosigkeiten: Gewonnen haben die Sechziger in ihren Oktoberfest-Kostümen noch kein einziges Spiel.

1860

(Screenshot http://www.abendzeitung-muenchen.de)

Was die Kicker können, können die Kufencracks schon lange

Was die Kicker können, können wir schon lange – dachten sich in München dann auch die Verantwortlichen des DEL-Klubs Rasenballsport München. Der aktuelle Tabellenführer, mit österreichischen Brausemillionen personell zum Titelanwärter aufgepumpt, hat auf den Trikots – und da wird die Lächerlichmachung des Sports dann endgültig auf die Spitze getrieben – auch noch stilisierten Latz und Hosenträger zur Lederhose. Deutsche Volkstümelei und so-called „Brauchtumspflege“, zur Schau getragen von Wander-Profis, die vornehmlich aus Nordamerika kommen. Wobei man im Fall des DEL-Klubs als mildernden Umstand anführen darf, dass die weiß-blauen Tischdecken-Trikots immerhin hübscher sind als die eigentlichen mit den beiden roten Stieren auf der Brust. Das ändert freilich alles nichts daran, dass der Urvater (oder wahlweise die Urmutter) des Trachtentrikots eine ordentliche Tracht Prügel verdient hat.

DEG

(aus: NRZ Düsseldorf)

Und demnächst: Das Schützen- oder Fischmarkt-Trikot

Konsequent zu Ende denken darf man das alles natürlich nicht. Nachdem einige Klubs, darunter auch der BVB, sich in der Vergangenheit bereits an Winter-, Advents- oder Weihnachtstrikots heran gewagt und solche Experimente inzwischen weitestgehend wieder eingestellt haben, könnte der 1. FC Köln ja zum Start der Bundesliga-Rückrunde zwecks Traditions- und Brauchtumspflege im Narrenkostüm mit Pappnase auflaufen. Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 könnten ja, weil Westfalen gerne Schützenfest feiern, demnächst im grünen Rock mit Orden und Dienstgrad-Abzeichen Eindruck schinden. Dem HSV würde ein Matrosen- oder Fischmarkt-Dress ganz sicher prima stehen – und was der Reeperbahn-Klub FC St. Pauli auf seine Leibchen drucken lassen könnte, darf in diesem FSK0-Text nicht weiter ausgeschmückt werden. Leichter hat’s da ohnehin der SC Paderborn: Der Klub aus der erzkatholischen Bischofsstadt kann sich bei der Motivwahl am Kirchenjahr orientieren. Wobei: Vor Ostern mit dem gekreuzigten Jesus oder vor Weihnachten mit Jesus in der Krippe aufzulaufen, wird auch nicht jedermanns Geschmack sein.

Auch ein Mode-Fan muss nicht jede Mode mitmachen!

Mal wieder im Ernst, ihr Vermarkter, ihr Den-Fans-auch-noch-den-letzten-Cent-aus-der-Tasche-Zieher: Erspart uns diesen Mist! Fußball ist Fußball ist Fußball. Und nicht Kirmes. Oder Zirkus. Oder Karneval. Und auch kein Oktoberfest. Jeder halbwegs ernst zu nehmende Fan wird diese limitierten „Sonder“-Trikots ohnehin nicht anfassen. Und allen Mode-Fans sei gesagt: Man muss nicht jede Mode mitmachen! Wenn eure Klubs sich also schon lächerlich machen, macht ihr euch nicht auch noch selbst zum Kasper!