Die Rückrunde 2014/15 – ein schwarzgelber Ausblick

Mit dem Trainingsauftakt startet bei Borussia Dortmund heute das „Unternehmen Klassenerhalt“. Högschte Zeit für einen Ausblick auf die Rückrunde 2014/15.

18. Spieltag: Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund 0:1 (0:1). Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, ACHT Sekunden sind gespielt, da trifft Neuzugang Kevin Kampl zum 1:0 für den BVB. Das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Leverkusen drängt fortan auf den Ausgleich und schneidet in der Halbzeitpause sogar seitliche Löcher ins Tornetz. Vergeblich!

19. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Augsburg 5:0 (0:0). Das Team von Jürgen Klopp tut sich lange Zeit schwer gegen die starken Gäste. Als sich die Zuschauer bereits mit einem 0:0 abgefunden haben, wechselt der Trainer den Sieg ein: Henrikh Mkhitaryan erzielt bei seinem Kurz-Comeback zwischen der 82. und 87. Minute den schnellsten Viererpack der Bundesliga-Geschichte und bereitet Kampls 5:0 vor.

20. Spieltag: SC Freiburg – Borussia Dortmund 0:2 (0:1). Die Partie beginnt denkbar unglücklich für den BVB. Jakub Blaszczykowski verfehlt in der Anfangsviertelstunde dreimal freistehend das leere Tor – einmal links vorbei, einmal rechts vorbei, einmal drüber. Wie’s besser geht, zeigen ihm: Mkhitaryan und Kampl.

21. Spieltag: Borussia Dortmund – FSV Mainz 05 11:0 (1:0). Es ist das Karnevalswochenende – und der BVB setzt den Mainzer Narren die gleichnamige Kappe auf. Bis zur Pause halten die Gäste noch mit, dann müssen sie dem Promillegehalt im Blut Tribut zollen. Die Borussia bittet zur Prunksitzung und feiert ihren Bundesliga-Rekordsieg. Es ist das erste zweistellige Ergebnis überhaupt in der Bundesliga seit 1984. Herausragend: der neunfache Torschütze Henrikh Mkhitaryan. Die beiden weiteren Treffer erzielt Kevin Kampl.

22. Spieltag: VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 0:3 (0:2). Die Schwaben, inzwischen auf einem Abstiegsplatz, mit Helmut Benthaus als Trainer, Giovane Elber im Angriffs- und den Förster-Zwillingen im Abwehrzentrum, werden von Dortmunds magischem Dreieck mit Mkhitaryan, Kampl und Mkhitaryan phasenweise schwindelig gespielt.

23. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Schalke 03+1 3+1:0 (3:0). Schalke reist nach fünf Niederlagen zum Rückrundenbeginn mit Mirko Slomka und Ralf Rangnick als neuem Trainerduo zum Derby an. Hilft nix! Schon zur Pause hat Kevin dreimal zugeschlagen. Kevin Großkreutz, nicht Kevin Kampl. Den vierten Treffer markiert Felipe Santana bei 90+4 per Eigentor, dreht vor der Südtribüne jubelnd ab – ehe er seinen Fauxpas bemerkt.

24. Spieltag: Hamburger SV – Borussia Dortmund 0:6 (0:3). Seit Trainer Joe Zinnbauer seine Kicker um 7.30 Uhr zum Dienstantritt bittet, ist irgendwie der Wurm drin beim Bundesliga-Dino. Klar, die tarifliche Arbeitszeit von acht Stunden ist bei Anpfiff um 15.30 Uhr bereits um. Und das Überstundenkonto der Hanseaten quillt längst über. Entsprechend kraft- und lustlos agieren sie gegen den BVB, für den Mkhitaryan und Kampl jeweils drei Tore erzielen.

25. Spieltag: Borussia Dortmund – 1. FC Köln 1:0 (0:0). Zähe Partie. Die Geißböcke stehen mit zehn Mann am eigenen 16er, der BVB prallt 89 Minuten lang immer wieder von dieser Gummiwand ab. Dann trifft Kevin. Großkreutz, nicht Kampl. Beim Torjubel zieht er sein Trikot über den Kopf – und trägt darunter ein FC-Dress. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff gibt er bekannt, dass er zur neuen Saison zu den Domstädtern wechselt.

26. Spieltag: Hannover 96 – Borussia Dortmund 0:4 (0:2). Erneut teilen sich Henrikh Mkhitaryan, der neue Führende in der Bundesliga-Torschützenliste, und Kevin – Kampl, nicht Großkreutz – den Torreigen. Beide stehen allerdings im Schatten von Torwart Zlatan Alomerovic, der nun seit 900 Minuten ohne Gegentor ist und damit Timo Hildebrand als Rekordhalter ablöst.

27. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Bayern München 7:0 (7:0). Es ist Ostern – und die Bayern ziehen in der Woche vor dem Spiel alle Register, um dem BVB ein Ei ins Nest zu legen. Kalle #rummeniggeisso kündigt an, Henrikh Mkhitaryan und Kevin – Kampl, nicht Großkreutz – nach der Saison zum Rekordmeister zu holen. Im Gespräch ist eine Paket-Ablöse von 137 Millionen Euro und ein Netto-Jahresgehalt von 17 Mio. € für den Armenier und 15,5 Mio. € für den Slowenen. Marco Reus, der nach diversen knöchernen Ausrissen in verschiedensten Körperteilen sein Comeback feiert und stinksauer ist, dass der FC Bayern an ihm kein Interesse mehr hat, spielt groß auf und trifft in der ersten Halbzeit sechsmal. Bundesliga-Rekord. Das siebte Tor erzielt Tammo Harder; einem klaren Kopfballtreffer von Mats Hummels verweigert Schiedsrichter Florian Meyer die Anerkennung. Der Ball sei nicht hinter der Torlinie gewesen. Bayern-Trainer Pep Guardiola, der nach der Saison als Sportdirektor zum FC Barcelona zurückkehren wird, erklärt: „Das war eine super-super Leistung des BVB und kacke-kacke von uns.“

28. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 0:1 (0:0). Es ist zum Verzweifeln: Der BVB spielt auf ein Tor, doch der Ball will nicht rein. Dann die 79. Minute: Ecke für Gladbach, Christoph Kramer legt sich den Ball zurecht, er rutscht ihm über den Spann – und fliegt auf der anderen Seite des Spielfeldes zum 0:1 ins Netz. Beim Field-Interview nach Spielende kann sich der Weltmeister an nichts mehr erinnern.

29. Spieltag: Borussia Dortmund – SC Paderborn 5:0 (0:0). Schiedsrichter Wolfgang Stark verweigert fünf regulären Dortmunder Toren durch Immobile, Ramos, Kagawa, Gündogan und Kevin – Großkreutz, nicht Kampl – die Anerkennung. Weil Großkreutz daraufhin einen BVB-Fan auffordert, Stark mit einem Döner zu bewerfen, fliegt er vom Platz. Ihm folgen Sokratis und Subotic. In dreifacher Unterzahl geht die Borussia durch Kampl in Führung. Mkhitaryan erzielt die weiteren BVB-Tore.

30. Spieltag: Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0). Klopp rotiert. Mkhitaryan und Kampl werden geschont. Die Edelreservisten Reus (wechselt nach der Saison zum TSV Winsen) und Immobile dürfen mal wieder von Beginn an ran. Und treffen je einmal. Pflichtsieg. Ach so, der Klassenerhalt ist übrigens längst gesichert.

31. Spieltag: TSG 1899 Hoppenheim – Borussia Dortmund 0:6 (0:4). BVB-Kapitän Mats Hummels, der in der Rückrunde bisher nur zu einem Kurzeinsatz gegen die Bayern gekommen war, feiert nach diversen muskulären Problemen in diversen Körperteilen sein Startelf-Comeback und bringt den BVB per Kopfball in Führung. Blöd für die Gastgeber: Der Ball rutscht durch ein Loch im Netz von außen ins Tor. Danach treffen Mkhitaryan, Kampl, Kampl, Mkhitaryan und Harder.

32. Spieltag: Borussia Dortmund – Hertha BSC 1:0 (1:0). Die irre Aufholjagd in der Rückrunde zeigt allmählich Wirkung. Der BVB schwächelt. Nur gut, dass er sich auf Julian Schieber verlassen kann. Der Ex-Dortmunder erzielt bei 90+4 direkt vor der Südtribüne ein wunderschönes Eigentor. „Endlich habe ich mir den Treffer zurück geholt, den mir Felipe Santana gegen Malaga geklaut hat“, sagt er nach dem Spiel. Michael Zorc bietet Schieber noch am selben Abend einen Drei-Jahres-Vertrag an.

33. Spieltag: VfL Golfsburg – Borussia Dortmund 0:3 (0:1). Es geht um die direkte Champions-League-Qualifikation. Golfsburg ist Dritter, der BVB inzwischen Vierter. Durch die Tore von Mkhitaryan (2) und Kampl schieben sich die Schwarzgelben an den Gölfen vorbei.

34. Spieltag: Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:0 (0:0). Vier Teams kämpfen beim Saisonfinale um die Plätze 2 bis 5. Und der BVB zeigt Nerven. Erst als Klopp den reaktivierten Henrique Ewerthon de Souza – kurz: Ewerthon – einwechselt, fluppt’s. Kaum eine Minute auf Platz, drückt der Brasilianer eine Hereingabe des ebenfalls reaktivierten Dédé zum Siegtor über die Linie. Der BVB wird noch Vizemeister, Leverkusen Dritter; Golfsburg muss in die CL-Qualifikation – Schalke rutscht in die Europa League und meldet daraufhin gleich am Montagmorgen Insolvenz an. Ebenfalls am Montagmorgen wird am Borsigplatz eine überlebensgroße Jürgen-Klopp-Statue aus Bronze enthüllt.

P.S. (1): Die 51 von 51 möglichen Punkten bei 63:0 Toren sind Bundesliga-Rekord.

P.S. (2): Der in der Hinrunde erfolglose Henrikh Mkhitaryan wird mit ziemlich vielen Treffern (die genaue Anzahl müsst ihr selbst nachzählen) noch Torschützenkönig.

P.S. (3): In Berlin gewinnt Borussia Dortmund in den folgenden Wochen zunächst den DFB-Pokal gegen den VfR Aalen mit 1:0 n.V. und die Champions League gegen den FC Basel mit 7:0.

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Die Gründe für Borussias „Gala“-Gala – und was das für die Liga bedeutet

BVB – FC Arsenal 2:0

RSC Anderlecht – BVB 0:3

Galatasaray – BVB 0:4

Drei Champions-League-Spiele, drei Siege, dreimal ohne Gegentor. Die Null steht – und vorne läuft’s. Warum nur in der Liga der Besten, warum nicht auch in der Liga der Weltmeister? Da lief’s vorne bislang nicht wie aus den Vorjahren gewohnt, davon, dass die Null steht, kann schon gar nicht die Rede sein.

Will sagen: Nun geht sie wieder los, die Debatte über die zwei Gesichter von Borussia Dortmund. Darüber, ob die Mannschaft nur in der Königsklasse, nicht aber im Bundesliga-Alltag voll motiviert, voll konzentriert, kurz: voll gallig sei. Eine Diskussion, die am Kern der bisherigen Saison allerdings so weit vorbei zischt wie mancher Distanzschuss am Tor.

Nein, es gibt keine zwei Borussias, sondern zwei Sportarten. Die Sportart in der Champions League heißt FUßBALL. Die Sportart in der Bundesliga heißt 11 GEGEN DIE GUMMIWAND. Fußball kann der BVB. Gummiwand kann er nicht so gut.

Im Klartext: Die Gegner in der Königsklasse spielen mit. Der FC Arsenal definiert sich seit Jahren über technisch versierten, kombinationsfreudigen Ballbesitzfußball. Der RSC Anderlecht war naiv genug, die Flucht nach vorne anzutreten, und „Gala“ musste nach nur einem Punkt aus zwei Partien bereits ein gewisses Risiko eingehen. Hinzu kommt: Alle Mannschaften in der CL, selbst Borissow, Maribor und Ludogorets, spielen in ihren Heimatligen eine dominante Rolle. Sie sind es gewöhnt, selbst initiativ zu werden. Sie sind nicht geübt darin, sich hinten reinzustellen. Das kommt einem Team wie dem BVB, der für sein blitzschnelles Umschaltspiel Räume benötigt, natürlich entgegen.

Punkt zwei: Von wegen Jürgen Klopp hat keinen Plan B! Der Trainer, der nach dem Köln-Spiel schwer enttäuscht und für den Moment auch ein wenig ratlos wirkte, hatte eben doch Rat. Weil die etatmäßigen Linksverteidiger Marcel Schmelzer und Erik Durm verletzt sind und die erste Alternative Kevin Großkreutz zuletzt etwas überspielt wirkte, nahm Klopp in Istanbul eine Anleihe bei Bundestrainer Joachim Löw. Der war mit dem Schalker Benedikt Höwedes, einem gelernten Innen- und Gelegenheits-Rechtsverteidiger, auf der linken Außenverteidigerposition Weltmeister geworden. Klopp verlieh seiner zuletzt wackligen Viererkette in Istanbul mit Sokratis auf Links deutlich mehr Stabilität. Der Grieche ist – genau: gelernter Innen- und Gelegenheits-Rechtsverteidiger.

Zweite Überraschung in der Startelf: Nicht Ciro Immobile spielte in der Spitze und auch nicht Adrian Ramos, sondern Pierre-Emerick Aubamayang. Der Gabuner, seit Wochen in Topform, allerdings meist über den rechten Flügel kommend, spielte in vorderster Linie seine Schnelligkeit und seinen Torriecher aus und netzte in der Anfangsphase zweimal eiskalt ein. Hinter ihm agierte eine Reihe mit drei „Zehnern“: Kagawa in der Schaltzentrale, Reus links, Mkhitaryan rechts, wobei die drei viel rochierten und Galatasaray auch durch Tempowechsel das Verteidigen schwer machten.

Und was bedeutet das für die Partie am Samstag gegen Hannover 96: Leider NICHTS – sieht man einmal davon ab, dass die „Krise“ medial vorerst nicht zur drohenden Apokalypse aufgeblasen wird. Und sieht man außerdem davon ab, dass der klare Zu-Null-Erfolg natürlich ein Stück Sicherheit und Selbstvertrauen zurück gibt. Letztlich aber wird am Samstag wieder 11 GEGEN DIE GUMMIWAND gespielt. Diese andere Sportart. Weil sich die Niedersachsen, nach zuletzt drei Niederlagen selbst in der Mini-Krise, wie schon der HSV, Stuttgart und Köln mit zehn Mann um den eigenen Strafraum aufbauen, auf Dortmunder Fehler warten und auf gelegentliche Konter setzen werden. Der BVB, namentlich Spieler wie Kagawa, Reus und Mkhitaryan, aber auch Ilkay Gündogan, der in Istanbul im Zusammenspiel der Edeljoker das 4:0 durch Ramos brillant vorbereitete, wird Geduld haben und beizeiten den Türöffner finden müssen. Das gelang gegen eine taktisch so ausgerichtete Mannschaft in dieser Saison erst einmal: beim 3:1 gegen Freiburg.

Es wird höchste Zeit für den zweiten Heimsieg. Denn die nächsten Gegner heißen FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach. Wobei: Die spielen ja auch lieber Fußball als Gummiwand.