Das Scheitern ist Baustein der BVB-DNA

Da sitzt du dann also im Berliner Olympiastadion. Genau genommen stehst du mehr als du sitzt, was völlig okay ist, weil du Sitzen sowieso für‘n Arsch findest. Noch schlimmer, als bei so einem Spiel zu sitzen, sind nur die Leute hinter Dir mit ihrem „Können Sie sich nicht mal hinsetzen; ich sehe nix!“-Genöle. Aber egal: Es läuft die 75 Minute, vielleicht auch schon die 76. Jedenfalls eine dieser Minuten, in denen dir allmählich aufgeht, dass das wohl nichts mehr wird mit dem Pokalsieg. Weil sich der ruhmreiche BVB zwar nach Kräften müht, den 1:3-Rückstand gegen den weit weniger ruhmreichen VfL Golfsburg noch zu drehen. Es aber einfach nicht schafft, die Murmel irgendwie über die Linie zu bringen. Was, blickt man auf die komplette Saison zurück, irgendwie nicht einmal verwunderlich ist. Aber eben trotzdem Schei…!

Nun sitzt oder stehst du da nicht alleine. Links neben dir sitzt oder steht dein 14-jähriger Sohn. Rechts neben dir sitzt oder steht dein 15-jähriger Sohn. Die beiden sind mindestens genau so enttäuscht wie du selbst – aber sie sind eben erst 14 und 15. Sie finden das nicht nur Schei…, sondern Oberschei… Sie finden, dass der VfL Golfsburg ein Drecksklub ist, weil er ja im Grunde gar kein Klub ist, sondern das Kunstprodukt einiger Fußball-verliebter und Marketing-begabter VW-Manager. Sie finden den Schiedsrichter Felix Brych schei…, weil er dem BVB kurz vor der Pause einen glasklaren Elfmeter verweigert hat, der das 2:3 und damit eine ganz andere zweite Halbzeit hätte bedeuten können.

Ich finde das auch. Das mit Golfsburg. Und das mit dem Schiri. Ich finde nach wie vor, dass schon Herr Rizzoli im Champions-League-Finale maßgeblichen Anteil an der BVB-Niederlage hatte. Ich finde, dass Herr Meyer uns 2014 den Pokalsieg schlicht gestohlen hat. Mir gehen diese Schiris zunehmend auf den Keks.

Meinen Söhnen auch.

Nach dem Spiel brauchten die beiden dann: erstens Trost und zweitens Erläuterungen. Das mit dem Trost war kompliziert, weil ich ja selber welchen hätte brauchen können. Das mit den Erläuterungen klappte besser, weil die beiden zwar einerseits ERST 14 und 15, andererseits aber SCHON 14 und 15 sind.

Und so erklärte ich ihnen auf dem Rückweg zum Hotel, dass man auch mit Niederlagen umgehen muss und es durchaus keine Lösung ist, den penetranten VfL-Anhänger mit seinem nervtötenden „Oohh, Keeeevin de Broooooooooinee“-Gesinge durch strafrechtlich relevante Handlungen zum Schweigen zu bringen. Ich erinnerte sie daran, dass wir Gewalt verabscheuen und sagte Sätze wie: „Es ist kein Misserfolg, ein Finale zu verlieren. Es ist ein Erfolg, ein Finale zu erreichen.“ Ich sagte: Versetzt Euch mal in die Fans anderer großer, traditionsreicher Vereine. Hamburger SV, 1. FC Köln, Hannover 96, Eintracht Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern. Fragt die mal, wie viele Finals sie in den vergangenen Jahren gespielt haben. Oder Jahrzehnten. Oder fragt man einen Schalker, wie es ist, Deutscher Meister zu werden. Oder versucht überhaupt mal einen Schalker zu finden, der Euch diese Frage beantworten kann. Die meisten leben ja längst nicht mehr.

Borussia Dortmund hat in den vergangenen sieben Jahren fünf Endspiele erreicht. Viermal das DFB-Pokal-Finale in Berlin. Einmal das Champions-League-Finale in Wembley. Ich war bei allen fünf Spielen dabei. Meine Söhne bei vier der fünf. Ich habe vier Niederlagen miterlebt, drei davon gegen die Bayern. Meine Söhne haben drei Niederlagen miterlebt. Drei in Folge. Aber eben auch den 5:2-Triumph von 2012. Da war Sohn 1 gerade zwölf und Sohn 2 noch keine elf Jahre alt. Und überhaupt: Sie haben bereits VIER FINALS erlebt. Und zwei Meisterschaften gefeiert. Ein Double! Ich sagte deshalb am späten Samstagabend Sätze wie: Diese BVB-Geschichte der Klopp-Jahre miterlebt zu haben, ist ein Privileg. Bei den Finals im Stadion live dabei gewesen zu sein, ist ein Obermegagiga-Privileg.

Und dann, wir sind fast schon am Hotel, sagte ich den wohl entscheidenden Satz: „Das Scheitern gehört zur DNA von Borussia Dortmund!“ Schwere Niederlagen einzustecken, zu Boden zu gehen, sich durchzuschütteln und wieder aufzustehen, diese Rocky-Balboa-Mentalität: Das macht den BVB erst aus. Zwischen 1966 und 1972 ist Borussia von Europas Thron in die zweite Liga abgestürzt. Das Durchschütteln hat lange gedauert, aber 1976 war der BVB wieder da. Dann war er zweimal fast pleite; 1995 und ‘96 war er – nach zuvor 23 langen Jahren ohne jeden Titel – zweimal Meister, 1997 zurück auf Europas Thron und sieben Jahre später nicht nur fast, sondern ganz und gar pleite. Er hat sich durchgeschüttelt, ist wieder aufgestanden.

Dann kam Jürgen Klopp . . .

Ich erklärte meinen Jungs also: Ein Finale zu verlieren. Oder zwei. Oder drei. Gehört zu den kleineren Problemen, die der BVB in seiner Klubgeschichte zu meistern hatte. Ich erklärte ihnen: Nur weil wir immer wieder auch Misserfolge verkraften müssen, sind wir überhaupt in der Lage, beim nächsten Erfolg das Stadion aufs Neue abzureißen, die Stadt und die ganze Region explodieren zu lassen. Erfolge werden für Borussia Dortmund immer etwas Besonderes bleiben. Jeder einzelne Erfolg knallt maximal. Das, AUCH das, unterscheidet uns vom FC Bayern München.

Wir diskutierten dann noch über die Macht des Geldes, das den Fußball immer mehr regiert. Über die korrupte FIFA, über Rasendingsbums Leipzig/Salzburg und über das jüngste Comeback von Austria Salzburg im österreichischen Profifußball. Über Bayer Leverkusen, die TSG Hoppenheim und den VfL Golfsburg. Retortenklubs, Kunstprodukte. Konzerninteressengesteuert. Wir waren uns einig, dass es keine Lösung wäre, auch so zu werden. Als wir schließlich im Hotel ankamen, war ich mir ziemlich sicher, dass meine Jungs kein RedBull trinken und niemals einen VW fahren werden. Dass sie ganz ohne Bayer-Produkte durchs Leben kommen, bezweifle ich. Und ohne SAP wird’s möglicherweise auch nicht gehen. Das hat der Herr Hopp geschickt angestellt.

Wir sind dann noch zur BVB-Party ins Berliner „Kraftwerk“ gefahren. Auch so ein Privileg. Dort hat Jürgen Klopp seine allerallerallerletzte Rede als Trainer des BVB gehalten. Irgendwann in dieser Rede hat er den Satz gesagt: „Wichtig ist nicht, was man über dich denkt, wenn du kommst. Wichtig ist, was man über dich denkt, wenn du gehst. Danke für das, was Ihr über mich denkt!

Auf dem Weg ins Hotel haben meine Jungs mir verraten, dass sie an dieser Textstelle „fast geweint“ hätten. Schwarzgelbe Abschiedstränen. „Ich auch“, habe ich gesagt. „Aber wir werden auch wieder schwarzgelbe Freudentränen weinen.“ Das war immer so. Auch das gehört zur DNA von Borussia Dortmund

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19,09 Gründe, warum der BVB ins Pokalfinale einzieht!

DFB-Pokal-Halbfinale, Part I: FC Bayern München – Borussia Dortmund. Manch einer sagt: der deutsche Clásico. Andere würden, wäre da nicht schon #MayweatherPacquiao in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai (schnell den Sky-Frühbucherrabatt sichern!!!), vom „Kampf des Jahrhunderts“ sprechen. Jedenfalls: Es kann nur einen geben. Den BVB!

1. Die Hose, die Jürgen Klopp heute Abend tragen wird, hat – kaum sichtbar, aber doch vorhanden – am linken Bein ein kleines Loch.

2. Für den – kaum zu erwartenden – Fall, dass der FC Bayern den BVB ins Elfmeterschießen zwingen sollte, hat Borussias Zeugwart einen hölzernen Klappstuhl mitgenommen.

3. Batman und Robin.

4. Sämtliche zehn Pokalspiele mit Mitch Langerak im Tor hat Borussia Dortmund gewonnen.

5. Mit Mitch Langerak im Tor ist der BVB gegen den FC Bayern München ungeschlagen.

6. Der kleine Philipp muss um 22 Uhr aus dem Bälleparadies abgeholt werden.

7. Der kleine Mario muss um 22 Uhr aus dem . . .

8. Die Blumen, die Kalle Rummenigge eigentlich für den Abschied von Jürgen Klopp gedacht hat, finden so als Glückwunsch-Strauß zum Finaleinzug doch noch Verwendung.

9. Den Pokal braucht Borussia als Blumenvase.

10. Ein Endspiel zwischen dem FC Audi München und dem VfL Golfsburg würde die Krise im VW-Konzern weiter verschärfen.

11. Dante.

12. Ein Schuss, kein Tor – die Bayern. DIE BAYERN!

13. Ulla liebt Jürgen, aber niemand mag Matthias.

14. Robben können gar nicht Fußball spielen.

15. Die Vitrine von Bastian Schweinsteiger ist voll – in der von Marco Reus ist noch reichlich Platz.

16. FC Bayern 2012/13 = 3 Titel. FC Bayern 2013/14 = 2 Titel. FC Bayern 2014/15 = 1 Titel (und der steht schon fest).

17. Nur ein Pokalsieg des BVB gewährleistet, dass der FC Bayern auch 2015 wieder den Supercup verdaddelt.

18. Nur ein BVB-Erfolg in München garantiert, dass Markus Lanz in seiner Talkrunde komplett durchdreht.

19,09. Der Ball ist rund und der Pokal hat seine eigenen Gesetze!

Einfach mal danke sagen. Danke, Herr Klopp!

. . . ist das Spiel gewonnen, dann kann man es versteh’n,
der BVB, der BVB wird niemals untergeh’n!

Machen wir’s kurz: Wer heute in der Erwartung ins fliggwerk gekommen ist, die wahrscheinlich eintausendneunhundertundneunte Einschätzung zu Jürgen Klopps Abschied aus Dortmund zu erhalten, kann bei null weiterklicken. Drei, zwei, eins . . . Schön, das Ihr vorbeigeschaut habt. Uuuund Tüss!

Ganz recht: Ich kneife!
Ich drücke mich um eine Meinung herum. Weil ich nämlich keine habe. Keine klare. Was weiß denn ich, ob es nun besser oder vielleicht doch gar nicht mal so gut ist, dass Klopp am Ende dieser zähen Saison nach sieben mehrheitlich überragenden Jahren, nach dem verflixten siebten Jahr also, vorzeitig geht.
Objektiv betrachtet, spricht manches dafür, dass der Trainer in seiner finalen Entscheidung richtig liegen könnte.
Subjektiv fühlte sich der Tag heute scheiße an.
Objektiv betrachtet ist es völlig korrekt, dass Borussia Dortmund seine Pressemitteilung mit „BVB erfüllt Jürgen Klopps Wunsch nach vorzeitiger Vertragsbeendigung“ überschreibt. Pressemitteilungen sind so. In Pressemitteilungen muss selbst „Fukushima“ wie „Erdbeeren mit Schlagsahne“ klingen.
Subjektiv liest sich die Pressemitteilung so:

Klopp. Wirft! Hin!!!
Die. Fetten. Jahre. Sind. Vorbei.
DieWeltgehtunter.DieApokalypsekommtüberdenschwarzgelbenTeilderMenschheit.NiewiederwirdüberdemWestfalenstadiondieSonneaufgehen!

Nur eine einzige Meldung könnte noch schlimmer sein als diese:
„Jürgen Klopp neuer Trainer bei Rasendingsbums Leipzig“
Aber das ist natürlich Unfug, kompletter!

Gottlob kann man an Tagen wie diesem auch noch etwas anderes tun als „Scheiße“ brüllen. Zum Beispiel: Einfach mal „danke“ sagen. Danke, Jürgen Klopp, für eine großartige Zeit! Danke für sechs Jahre Vollgasfußball. Danke für sieben Jahre voller Emotionen. Danke dafür, dass Sie uns Borussen die Idee von der Fußball-Romantik vorgelebt haben. Danke für eine Meisterschaft, ein Double, zwei Supercup-Siege, ein Champions-League-Finale.

Dankenswerterweise, ich habe das verschiedentlich schon erzählt und geschrieben und verzichte deshalb auf neuerliche Details, durfte ich all das auch noch gemeinsam mit meinen Söhnen erleben. Der Große war elf, der Kleine neun Jahre alt, als Borussia 2011 den ersten Titel unter Klopp gewann. Wir waren dabei. Wir waren dabei, als der BVB im Jahr darauf das Double gewann. Das Pokalfinal-Wochenende in Berlin als Papa-Sohn-Ausflug; im Jahr darauf Wembley als Papa-Sohn-Ausflug. Wir waren kein Stück enttäuscht nach dem verlorenen Champions-League-Finale, sondern stolz, das schwarzgelbe Trikot zu tragen. Wir haben zweimal Real Madrid aus dem Stadion gebrüllt, sind gegen Málaga komplett durchgedreht. Wir haben Meisterrasen ausgegraben – und hegen und pflegen ihn noch heute in einem Kübel auf der Terrasse. Wenn meine Jungs irgendwann einmal auf ihre Kindheit zurück blicken, wird Jürgen Klopp darin immer wieder vorkommen. Und vielleicht auch ich. Es werden gute Erinnerungen sein. Die Zeugnisse dieser Erlebnisse hängen als Fotocollagen in unserem Treppenhaus. Meine Frau wollte das erst nicht. Nun ja, sie ist EINE Frau – wir sind DREI Männer.

Jedenfalls, danke für das alles, Jürgen Klopp

Natürlich fragen wir uns seit Saisonbeginn, warum es plötzlich nicht mehr läuft. Wir fragen uns, was passiert ist mit Klopp und mit der Mannschaft und zwischen Klopp und der Mannschaft. Wir fragen uns, wie das alles begann – und wissen es nicht. Aber wir wissen, WANN es begann. Es begann in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 2014 im Berliner Kraftwerk. Wenige Stunden zuvor hatte Borussia Dortmund das DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern München mit 0:2 nach Verlängerung verloren. Wobei: Um der vollen Wahrheit die Ehre zu geben – der BVB hatte gar nicht verloren. Er hatte 1:0 gewonnen. Durch einen Kopfball von Mats Hummels, den alle im Stadion außer den Schiedsrichtern dort gesehen hatten, wo er war: hinter der Linie.
Man hatte den BVB also um den Pokalsieg betrogen, und entsprechend war die Stimmung, als Jürgen Klopp mit der Mannschaft zu vorgerückter Stunde auf die Bühne des Kraftwerks stieg. Mit letzter Kraft hielt der Trainer eine große, eine großartige, aufrüttelnde Trotzrede. Doch wer in die Gesichter der Spieler blickte, der wusste: Die Enttäuschung über diese Niederlage saß so tief, dass es lange, sehr lange dauern würde, sich davon zu erholen. Wahrscheinlich wusste auch Klopp das, und vielleicht hat er sich seither immer wieder mal gefragt, ob er nicht doch einem der Angebote aus England hätte folgen sollen. Jedenfalls: Seither wirkten Trainer und Mannschaft nie wieder als die unzertrennbare Einheit, die sie jahrelang gebildet hatten. Und irgendwie fehlte auch Klopp seither der Zauber, die Magie. Irgendwie hatte man seither das Gefühl, dass er einfach nur ein guter Trainer ist.

Ganz gleich, was in den nächsten Wochen noch passiert: Der letzte Spieltag, das letzte Heimspiel des BVB gegen Werder Bremen, wird tränenreich. Wäre es ohnehin geworden, weil Sebastian Kehl nach 13 Jahren bei der Borussia seine Laufbahn beendet. Nun muss der „Capitano“ sich die Abschieds-Show teilen. Teilen mit Jürgen Klopp. Mir kommen bei dem Gedanken an den 23. Mai jetzt schon die Tränen. Dass an diesem Tag irgend jemand das Stadion ohne gerötete Augen verlassen wird, ist nicht vorstellbar.

Und dann: Kommt ein neuer Trainer. Und das Leben geht weiter. Und dieser neue Trainer wird Thomas Tuchel heißen. Hoffe ich jedenfalls. Weil nach meinem Dafürhalten nur zwei Trainer überhaupt in Frage kommen: Tuchel und Gladbachs Lucien Favre – doch der ist zurzeit nicht zu haben. Tuchel schon. Und Tuchel wäre eine gute Lösung. „Schwieriger Typ“ – sagen viele. Hallo!!! Welcher gute Trainer ist nicht schwierig?! Wer sagt, dass Klopp nicht schwierig ist? Oder Guardiola. Mourinho. Van Gaal. Oder früher: Weisweiler, Lattek, Happel, Rehhagel. Alle schwierig. Und Borussia Dortmund ist ja auch ein schwieriger Verein. Aber eben auch einer, der schwierige Phasen meistert. Das hat der BVB immer wieder bewiesen. Das steht ja sogar in seinem Vereinslied:

. . . aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n,
Borussia Dortmund wird nie untergeh’n!

Der BVB und die Relativitätstheorie

Erfolg ist messbar. Jedenfalls im Sport. Doch auf dem Weg zum Erfolg ist vieles RELATIV – und noch mehr relativiert sich im Laufe einer Spielzeit.

Vom FC Augsburg etwa erzählte man sich unlängst noch, er spiele eine überragende Saison. Die fand Anfang Februar mit dem 1:0 beim kriselnden BVB ihren vorläufigen Höhepunkt. Das Team von Markus Weinzierl kletterte auf Rang vier – punktgleich mit dem Tabellendritten Borussia Mönchengladbach. Von Champions League war plötzlich die Rede. Nicht in Augsburg, wohlgemerkt. Aber um Augsburg herum. Seither hat der FCA aus neun Spielen schlappe 6 von 27 Punkten geholt. Fünf von ihnen, was RELATIV gut ist, gegen Spitzenteams: Wolfsburg, Leverkusen und Schalke. Von Champions League spricht dennoch längst niemand mehr. Nicht in Augsburg und auch nicht mehr um Augsburg herum. Längst ist sogar die Europa League in Gefahr. Ganz gleich, wie’s ausgeht: Am Ende wird der FCA eine starke Saison gespielt haben – eine „überragende“ aber wohl eher nicht.

Von Werder Bremen erzählte man sich unlängst noch, das Team sei nach mehreren vergeblichen Anläufen 2014/15 endgültig und todsicher reif für die zweite Liga. Wie zum Beweis, rutschten die Hanseaten am 16. Spieltag durch ein 1:4 in Gladbach auf den letzten Tabellenplatz ab. Trainer Robin Dutt hatte man zu diesem Zeitpunkt schon geschasst; Victor Skripnik hatte übernommen. Er feierte gegen Aufbaugegner BVB den ersten Sieg, legte gegen Hertha, in Hoffenheim, gegen Leverkusen und Augsburg nach und verlor auch auf Schalke nicht – 16 von 18 Punkten aus sechs Spielen. Plötzlich sprach man an der Weser wieder von der Europa League und tut es noch – auch wenn längst so etwas wie Normalität eingekehrt ist (5 von 18 Punkten aus den letzten sechs Spielen; zuletzt ein RELATIV unglückliches 2:3 beim Schlusslicht Stuttgart). Egal, wie’s ausgeht: Am Ende werden sie in Bremen mit der Saison RELATIV zufrieden sein.

Oder nehmen wir Hoffenheim: Tolle Offensive, dazu endlich auch defensiv stabilisiert. Ein Kandidat für Europa folglich – hieß es in der Anfangsphase der Saison und heißt es noch. Doch inzwischen sind’s schon wieder 45 Gegentore. RELATIV viele. Zuletzt gab’s drei in Köln. Formkurve fallend.

Irgendwo im Niemandsland der Tabelle, hinter Augsburg, Hoffenheim und Bremen, DERZEIT NOCH hinter Augsburg, Hoffenheim und Bremen: der BVB. Der spielt ohne jedes Wenn und Aber eine grausige Saison, und man darf trefflich darüber diskutieren, ob es denn überhaupt als Erfolg zu werten wäre, wenn sich das Team von Trainer Jürgen Klopp auf der Zielgeraden noch für die Europa League qualifizieren würde. Und doch winkt der Borussia ein RELATIV glimpflicher Ausgang einer Spielzeit, über die man eigentlich das Deckmäntelchen des Schweigens ausbreiten müsste.

Beim 1:3 in Mönchengladbach wirkte das Team zuletzt derart vitaminarm und blutleer, dass selbst dem sonst so besonnenen Sportdirektor Michael Zorc der Kragen platzte. Kapitän Mats Hummels patzte in Serie, Ilkay Gündogan trabte neben dem Spiel her als müsse er sich mental auf die TV-Übertragung von Derby ManU -ManCity am Tag darauf vorbereiten. Shinji Kagawa strahlte die Torgefahr einer Rolle Sushi aus – kurz: Es war ein Jammer. Mal wieder.
Trotzdem – und obschon es nach dem 0:1 gegen die Bayern die zweite Pleite in Folge und die 13. (!) insgesamt war – verschlechterte sich die Ausgangsposition nicht. Da auch die Klubs auf den Plätzen sieben bis neun allesamt patzten, beträgt der Rückstand der Borussia auf Rang sieben, der am Ende mutmaßlich für die Qualifikation zur Europa League reichen wird, nach wie vor vier Punkte. NUR vier Punkte. Das ist RELATIV wenig – und objektiv aufholbar, denn der BVB hat nur noch zwei Auswärts- (Hoffenheim!!! / Wolfsburg) bei noch vier Heimspielen gegen Paderborn, Hertha sowie die direkten Konkurrenten Frankfurt und Bremen. Und hätte die Klopp-Truppe in dieser Saison schon ein wenig öfter gezeigt, dass sie Willens und in de Lage ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, wäre man geneigt, ihr zu attestieren: Jungs, Ihr habt es selbst in de Hand!

Platz 7 am Ende – das wäre nach diesem Saisonverlauf RELATIV zufriedenstellend. Zufriedenstellender allemal als es Platz 6 für den FC Schalke 04 wäre. Denn der hat noch bis zum vergangenen Wochenende von der Champions League geträumt. Zufriedenstellender vielleicht sogar, als es Platz 8 für den FC Augsburg wäre. Und würde der BVB dann noch das DFB-Pokal-Finale erreichen (die Chance ist klein, aber der Pokal hat seine eigenen . . . – Ihr wisst schon!); und würde er es womöglich sogar gewinnen: Die Saison 2014/15 wäre im Rückblick eine RELATIV erfolgreiche gewesen. Und würde Borussia schließlich auch noch an Schalke vorbeiziehen, viele Fans würden das „RELATIV“ streichen und durch ein „ABSOLUT“ ersetzen.

Viele Konjunktive, zugegeben. Aber die gehören halt auch zur deutschen Sprache. Und zum Fußball. Jedenfalls so lange der Ball rund ist, ein Spiel 90 Minuten und eine Saison 34 Spieltage dauert.

Der Fußball braucht nicht weniger Klopp – sondern mehr!

Alles fing damit an, dass sich der Pierre, ihr wisst schon, der Junge mit den lustigen Frisuren und den schnellen Autos, diese Batman-Maske aufsetzte und der Marco, ihr wisst schon, der Junge, der auch schnelle Autos hat, aber keinen Führerschein, eine Robin-Maske. Das haben die aber nicht gemacht, weil Karneval war, sondern weil der Pierre bei irgendeinem Fußballspiel ein Tor geschossen hatte. Ganz viele Leute fanden das voll witzig, aber manche fanden das auch voll doof. Der Marcel zum Beispiel. Der fand das kindisch, hat er gesagt – und dass er über so etwas gar nicht lachen kann, weil er vermutlich zu alt dafür sei. Tatsächlich hat der Marcel schon ganz graue Haare und ist so alt, dass er gar nicht mehr arbeiten gehen müsste. Er könnte in Rente gehen – das ist, wenn man sein Geld von der Tante Angela fürs Rumsitzen kriegt. Jedenfalls fand der Jürgen, ihr wisst schon, der mit der „Pöhler“-Kappe, es gar nicht lustig, dass der Marcel das mit dem Pierre und seiner Maske nicht lustig fand. Andererseits, meint der Jürgen, finde der Marcel ja sowieso gar nichts lustig. Und jetzt behauptet der Marcel, der Jürgen sei Schuld daran, dass die anderen ihn nicht mehr mögen und nur noch Bierbecherwerfen mit ihm spielen wollen.

Boah Leute, ich glaube, erwachsen zu sein, ist manchmal ganz schön kompliziert.

Die Anfeindungen gegen Reif sind inakzeptabel

Okay, Spaß beiseite! Die Lage ist ernst, und ich wiederhole daher eingangs und sehr unmissverständlich, was ich die Tage schon einmal bei Facebook gepostet habe: Ich bin kein Marcel-Reif-Fan, halte es gleichwohl für komplett inakzeptabel, wenn Journalisten angefeindet, beschimpft, beleidigt und mit Gegenständen beworfen werden. Das sage ich als Journalist. Ich sage es aber vor allem als jemand, der gegenseitigen Respekt für die wichtigste Voraussetzung zivilisierten Zusammenlebens hält.

In den vergangenen Tagen nun hat sich die Sache umgedreht. Oder anders ausgedrückt: Marcel Reif, der ja ein brillanter Rhetoriker ist, hat es geschickt verstanden, sich selbst in die Rolle des bemitleidenswerten Opfers zu manövrieren – und BVB-Trainer Jürgen Klopp in die des Täters. Denn Klopp hatte nach dem Derby klargestellt, dass er den Masken-Jubel ganz lustig fand. Wie wohl alle – außer Marcel Reif, der aber „in seinem Leben gar nichts mehr lustig“ finde. Damit, so der Sky-Kommentator, habe Dortmunds Coach einigen hirnlosen Anhängern quasi die verbale Legitimation erteilt, ihn beim Pokalspiel in Dresden übelst anzufeinden und mit Bier zu überschütten.

Jürgen Klopp ein Aufstacheln der Fans zu unterstellen, ist natürlich grober Unfug. Dass Klopp sich den verbalen Seitenhieb gegen Reif dennoch hätte klemmen können, hat der Trainer inzwischen eingesehen – und sich entschuldigt.

Doch damit ist noch lange nicht gut. Denn nun stecken allerorten die Klopp-Kritiker ihre Köpfe aus dem Gebüsch und nehmen den BVB-Coach ins Visier. Schließlich sei das ja nicht das erste Mal gewesen . . . und überhaupt, wie der sich den Schiedsrichtern gegenüber immer . . . und wisst ihr noch, damals in Neapel, als er dem vierten Offiziellen um ein Haar die Nase abgebissen hätte . . . und sowieso: Seine großkotzige Art gegenüber Journalisten . . . daran sieht man doch, dass ihm der Erfolg zu Kopf gestiegen ist . . . und so weiter und so weiter.

Der Sky-Mann mag Klopp nicht

Marcel Reif wird’s mit innerer Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Reif mag Klopp nicht. Schon 2008, der Trainer war gerade von Mainz zum BVB gewechselt, schrieb der Kommentator in seiner Kolumne im Berliner „Tagesspiegel“ wörtlich über Klopp:

Nach seinen jüngsten Auftritten als Rumpelstilzchen wäre es wohl für alle Beteiligten das Beste gewesen, er wäre etwas bodenständiger geblieben und damit in der Zweiten Liga verschwunden.“

Nun verschwand Klopp aber nicht in Liga zwei, sondern schrieb in Liga eins mit Borussia die ganz große Erfolgsgeschichte. Sie handelte von modernem, spektakulärem Fußball, von Titeln, Emotionen und Sympathien, die dem ‚Rumpelstilzchen‘ in Europa und der ganzen Welt zuflogen. Klopp bewegte sich plötzlich auf Augenhöhe mit Mourinho, Heynckes, Guardiola und van Gaal. An Marcel Reif, der ja nicht so ein Aufgeregter ist, sondern ein aufgesetzt Besonnener, ein Schöngeist, einer der über den Dingen nicht etwa steht, sondern gleichmaßen schwebt, muss diese Kloppsche Erfolgsstory genagt haben.

Dabei ist Reif selbst ein viel größerer Polarisierer als Klopp es jemals werden wird. Gewiss, als Kommentator hat er uns Fußball-Fans Sternstunden beschert. Gemeinsam mit Günter Jauch schrieb er beim „Torfall von Madrid“ TV-Geschichte, und als der FC Bayern München 1999 in Barcalona das CL-Finale gegen ManU in der Nachspielzeit aus der Hand gab, fand Reif die richtige Mischung aus Mitgefühl, Distanz und Analyse. Das war großes Kommentatoren-Können.

Reif ätzt wie kein anderer – er verpackt es nur hübsch

Aber: Mit seinem Mix aus Ironie, Arroganz, Sprachverliebtheit, Wissen und Besserwisserei hat sich Reif in all den Jahren eben nicht nur Freunde gemacht. Reif hat fußballerisch limitierte Mannschaften und Spieler verbal der Lächerlichkeit preis- und – gewiss nicht mit Vorsatz, aber faktisch sehr wohl – Trainer zum Abschuss freigegeben. Dass solche Kommentare bei ihm häufig durch die Formulierung „Bei allem Respekt vor . . ., aber . . .“ eingeleitet wurden, änderte an der Wirkung nichts – und der war sich Reif stets sehr wohl bewusst. Vielen Fußball-Fans, und eben nicht nur Dortmundern, geht das seit Jahren zunehmend auf den Keks. Im Gegensatz zu früher können solche Fans das seit einigen Jahren auch zum Ausdruck bringen. In Internet-Foren und sozialen Netzwerken. Reifs ZDF-Kollege Béla Rethy bezeichnet die deshalb unlängst als „asoziale Netzwerke“. Was sie auch sind, wenn (zumal anonym) beschimpft und beleidigt wird. Nicht aber, wenn Kritik geäußert wird. Die muss ein Journalist, auch auf diesem Weg, heutzutage aushalten – so, wie Spieler und Trainer Reifs und Rethys Kritik aushalten müssen.

Doch genug damit – wer noch mehr will, kann hier klicken und wird bestens bedient: http://www.schwatzgelb.de/2015-03-05-unsa-senf-lieber-marcel-reif.html

Dem Fußball fehlen mehr Typen wie Klopp

Noch einmal zurück zu Jürgen Klopp! Die Lehre aus der „Causa Reif“ kann nicht sein, dass die Bundesliga weniger Klopp braucht. Sie braucht, im Gegenteil, mehr Klopp. Mehr Typen. Typen, die auch mal über das Ziel hinaus schießen. Die anecken. Die ihr Inneres nach außen kehren und uns an ihrer Gemütsverfassung teilhaben lassen. Die, meinetwegen, auch einmal erst reden und dann denken. Typen, an denen man sich reiben kann. Typen, deretwegen Fußballfreunde sagen können: Ich finde Dortmund geil und Bayern scheiße! Oder umgekehrt. Wir brauchen solche Typen um so dringender, weil es sie unter den Profis kaum noch gibt. Die sind fast alle dreimal weichgespült, haben zig Medienschulungen durchlaufen und lassen, wenn’s ernst wird, ihren Berater sprechen. Auch bei den Trainern werden die Typen immer weniger. Und bei den Vereinen . . . Ich sage nur VfL Golfsburg, TSG 1899 Hoppenheim, Bayer Leverkusen, Rasendingsbums Leipzig, IngolstadTT . . .

Was wollen wir denn, wenn wir Typen wie Klopp oder Freiburgs Christian Streich nicht wollen?! Wollen wir nur noch Roberto di Matteos. Trainer, die so langweilig daher kommen wie der Fußball, den sie spielen lassen? Oder Typen wie Joachim Löw, so kuschelig-flauschig wie die Kaschmirpullis, die er so gerne trägt. Wollen wir die Konturlosen, die jederzeit Beherrschten?

Nein, danke, ich will die nicht!

Ich will mehr Klopp. Und das nicht nur in der Fußball-Bundesliga. Auch in der Politik wäre mehr Klopp eine Wohltat. Politiker, die sich mal wieder richtig die Meinung geigen und um die beste Lösung ringen, statt faule Kompromisse zu schließen. Warum rennen die Menschen denn wohl zu den Piraten, zur AfD oder, viel schlimmer noch, rechten Rattenfängern wie den Pegida-Dumpfbacken hinterher: Weil die wenigstens eine klare Meinung haben und obendrein auch noch den Mut, sie öffentlich auszusprechen.

Ich will mehr Streitkultur. Die gab’s mal in diesem Land, als Politiker noch Strauß, Brandt, Genscher und Wehner hießen. Es gibt sie nicht mehr, seit Kohl und Merkel das Aussitzen von Problemen zu politischen Maxime erklärten und das Land in den vergangenen drei Jahrzehnten, unterbrochen nur durch eine kurze Phase „Basta“-Schröder, mit ihrer Gluckenhaftigkeit lähmten und erstickten.

Gewiss, der Bogen von Aubameyangs Batman-Maske zu Merkels Tatenlos-Raute ist arg weit gespannt und mancher Zusammenhang mag konstruiert sein. Das Fazit lautet dennoch – frei nach Willy Brandt: Mehr Klopp wagen!

Nur(i) anders stark – über Sahins neue Rolle beim BVB

(Beitragsbild: Screenshot http://www.bvbtotal.de)

Die Schlagzeilen gehörten anderen nach dem 3:0-Erfolg des BVB in Freiburg: Pierre-Emerick Aubameyang natürlich, dem Gabuner, der den ersten Treffer vorbereitet und die beiden anderen selbst erzielt hatte. Marco Reus natürlich, der mit dem 1:0 die Dose geöffnet und sich gegenüber seinem vitaminarmen Auftritt gegen Augsburg stark formverbessert präsentiert hatte. Auch Ilkay Gündogan wurde viel gelobt – vor allem für seinen brillanten Pass zum zweiten Treffer. Und Kuba und Kagawa für ihre Blitzkombination vor dem dritten Tor. Das erinnerte schon wieder sehr an den Dortmunder Vollgasfußball der allerbesten Zeiten zwischen 2010 und 2013.

Einer, der ebenfalls erheblichen Anteil am Sechs-Punkte-Sieg im Breisgau hatte, ackerte offenbar unterhalb des Radars vieler Beobachter: Nuri Sahin!

In den Ruhr Nachrichten erhielt der Mittelfeldspieler die Note 3,5 – im Reviersport sogar nur eine 4. Einer der schwächsten Dortmunder also? Mitnichten! Denn es war Nuri Sahin, der vor dem 2:0 an der Mittellinie den entscheidenden Zweikampf gewann. Seine Balleroberung ermöglichte Gündogan erst den Traumpass auf Aubameyang. Und es war Nuri Sahin, der vor dem 3:0 an der Mittellinie einen Freiburger Pass abfing und somit die Traumkombination über Kagawa – Kuba – Reus – Kuba – Reus – Kagawa – Aubameyang einleitete. Zwei Szenen, für die es nicht einmal einen Assistpunkt gibt. Was wiederum belegt, dass derlei Statistiken ganz nett, aber eben nur bedingt aussagekräftig sind.

Apropos Statistik: Die Partie in Freiburg war erst Sahins vierter Bundesliga-Einsatz in dieser Saison. Seine Premiere feierte er nach der langwierigen Knieverletzung, die er sich während der Sommervorbereitung zugezogen hatte, am 15. (!) Spieltag beim 0:1 in Berlin – ein siebenminütiger Kurzeinsatz. Will sagen: Sahin war in der Hinrunde nicht Teil des Problems. Dafür könnte er jetzt Teil der Lösung sein.

Sein Startelf-Debüt 2014/15 gar er sogar erst zum Rückrundenauftakt in Leverkusen. Dort gehörte er gleich zu den besten Dortmundern. Beim 0:1 gegen Augsburg gehörte er noch zu den besseren Dortmundern. Jetzt die starke Leistung in Freiburg – und die Erkenntnis: Es geht auch mit einer Doppel-Acht.

Dabei war die Skepsis groß, als nach „Manni“ Bender mit Sebastian Kehl auch der zweite etatmäßige „Sechser“ verletzungsbedingt ausfiel. Ein Duo Sahin/Gündogan im zentralen Mittelfeld; zwei Spieler also, die gelernt sogar eher auf der „Zehn“ als auf der „Acht“ zu Hause sind, ganz sicher aber nicht auf der „Sechs“ – kann das funktionieren angesichts der ohnehin labilen BVB-Defensive? Angesichts der Tatsache, dass Gündogan nach mehr als einjähriger Verletzungspause physisch immer noch nicht voll auf der Höhe ist? Angesichts der Tatsache, dass Sahin noch nie der Schnellsten einer war und es auch nicht mehr werden wird?

Es kann!

Auch deshalb, weil Nuri Sahin seine spielerischen Ambitionen zurücknimmt und sich mit defensiverer Denkweise in den Dienst der Mannschaft stellt. Weil er Zweikämpfe führt. Und gewinnt. Weil er sogar in Kopfballduelle geht. Doch was er selbst verinnerlicht hat, ist in den Köpfen vieler Fans und Experten noch nicht so richtig angekommen. Sie haben immer noch den Sahin der Saison 2010/11 vor Augen. Den Zauberfuß, der Borussia Dortmund mit 14 Scorerpunkten zur Deutschen Meisterschaft dirigierte, von den Profikollegen zum „Spieler der Saison“ gewählt und von Real Madrid abgeworben wurde. Sie messen ihn an der Brillanz jener Tage, an seinen Traumpässen in die Tiefe, an seinen präzisen Freistößen. Wenn das der Maßstab ist, ist Nuri Sahin tatsächlich schwächer geworden.

Vielleicht lautet die Wahrheit aber auch: Nuri Sahin ist immer noch stark. Nur(i) anders stark!

Mitte 20 ist er inzwischen. Er wirkt noch immer jungenhaft und ist dabei doch erstaunlich abgeklärt. Einer, der erst denkt und dann spricht und dann auch stets etwas zu sagen hat. Der sich traut, seine Meinung zu vertreten, weil er weiß, dass er sich das erlauben darf. Sein sportliches Leistungsblatt reicht heute schon locker für eine komplette Karriere. U17-Europameister und bester Spieler des Turniers. Jüngster Bundesligaspieler (Debüt für den BVB mit 16 Jahren am 6. August 2005 beim 2:2 in Wolfsburg). Jüngster Bundesliga-Torschütze (am 26. November 2005 beim 2:1-Sieg in Nürnberg). Jüngster türkischer Nationalspieler und -torschütze. Holländischer Pokalsieger mit Feyenoord Rotterdam. Deutscher Meister mit dem BVB und bester Spieler der Saison. Spanischer Meister mit Real Madrid. Nuri Sahin ist nicht nur erfolgreich. Er hat mit 26 Jahren auch schon mehr von der Welt gesehen als andere in ihrem Leben: Meinerzhagen – Dortmund – Rotterdam – Madrid – Liverpool. Nun wieder Dortmund.

Eine Rückkehr in Dankbarkeit und Demut war das im Januar 2013. Bei den Königlichen von Real Madrid hatte er sich nicht durchsetzen können. Auch deshalb, weil er schon verletzt in Madrid aufschlug und als Fehleinkauf galt, bevor er überhaupt erstmals richtig fit war. Vier Einsätze standen schließlich nur zu Buche; deren sieben waren es in Liverpool. So richtig wohl gefühlt hat er sich weder in Spanien noch in England. Wohl fühlt er sich in Dortmund. Beim BVB. Dieser Klub ist seine Heimat. Schwarzgelb ist seine Farbe und „Echte Liebe“ sein Empfinden. Für Borussia übernimmt Nuri Sahin Verantwortung – auf dem Platz wie außerhalb. Ihm glaubt man, dass er unter dem bisherigen Saisonverlauf leidet. „Uns geht die Situation nahe, aber wir sind voll auf die Arbeit fokussiert und wollen die Wende schaffen“, sagte er nach dem Sieg in Freiburg – und fügte ein Versprechen hinzu: „Das wird man auch am Freitag gegen Mainz sehen!“

Wer nicht pfeift, der ist kein Fan!

(Beitragsbild: Screenshot http://www.derwesten.de)

Als ich Ende der 80er Jahre meinen Grundwehrdienst – ja, so etwas gab es damals noch, und ja, so alt bin ich schon – absolviert habe, lernte man gleich in den ersten Tagen den Dreisatz der Bundeswehr:
RUHE BEWAHREN – ÜBERLEGEN – HANDELN!
Eine Maxime, mit der sich auch Borussia Dortmund zwischen September 2014 und Januar 2015 bemerkenswert souverän durch die sportliche Krise manövriert hat. Seit Mittwoch wird’s zunehmend schwieriger mit dem „Ruhe bewahren“.
Nun tragen die Kicker von Borussia Dortmund zwar kein Olivgrün. Spätestens nach der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Augsburg aber haben sie sich vermutlich Tarnanzüge herbeigewünscht. Um den Tatort des jüngsten Grauens unbemerkt verlassen zu können, statt sich den messerscharfen Pfiffen der Zuschauer ausgesetzt zu sehen.
Ja, das Dortmunder Publikum hat gepfiffen. Laut gepfiffen. Sehr laut. Und ja, auch die Südtribüne hat gepfiffen angesichts der vor allem in Durchgang zwei Mitleid erregenden Darbietung eines Teams, das in zumindest ähnlicher Zusammensetzung vor nicht einmal zwei Jahren noch Real Madrid mit 4:1 aus dem Tempel geschossen, das CL-Finale zwar knapp verloren, aber dennoch ganz Fußball-Europa in schiere Verzückung versetzt hat.
Jenes Dortmunder Publikum hat gepfiffen, das die entsetzliche Hinrunde mit fast schon masochistischer Gelassenheit ertragen, die Mannschaft mit Inbrunst unterstützt und dabei zu jeder Zeit versichert hat, dass nichts und niemand einen Keil zwischen Trainer/Team und Fans treiben kann und wird.
Mittwoch dann: Pfiffe! Ein Roman Weidenfeller, der sehr offensiv und ein Kapitän Mats Hummels, der eher halbherzig den Dialog mit den Anhängern suchte. Die Botschaft war unüberhörbar, auch für die anderen Teamkollegen: „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!“
Noch während Weidenfeller auf dem Zaun stand und die Fans auf dem Baum standen, entbrannte in Online-Foren und sozialen Medien die Debatte: Ist es okay, die Mannschaft jetzt auszupfeifen? Oder ist es nicht sogar kontraproduktiv? Sind die, die pfeifen, überhaupt echte Fans? Eine Diskussion, die sich am Tag nach dem Spiel wie ein Flächenbrand über Facebook, Twitter & Co. ausbreitete.
Die Antwort:
Ein echter BVB-Fan DARF nicht nur enttäuscht und frustriert sein. Er MUSS es. Gerade bei den Südtribünen-Besuchern sprechen wir schließlich über Fans, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten eine Dauerkarte haben. Über Fans, die einen guten Teil ihres Jahresurlaubs opfern und sehr viel Geld dafür ausgeben, mit der Borussia in der Bundesliga bis nach Freiburg, München und Berlin zu reisen, im Europapokal bis ans Schwarze Meer oder in die Türkei und im DFB-Pokal bis in die tiefste Provinz. Wir reden über Fans, die sich in St. Petersburg von rechtsradikalen Russen verhauen und in Belgien oder Frankreich von der Polizei schikanieren lassen – nur aus einem einzigen Grund: Um den BVB zu unterstützen. Fans, von denen sich darüber hinaus viele in der aktiven Fanarbeit engagieren und so dazu beitragen, dass die Fankultur in Dortmund lebendig bleibt.
Wie, bitteschön, soll ein solcher Fan, für den Borussia Dortmund zentraler Lebensinhalt ist, angesichts der sportlichen Talfahrt denn nicht enttäuscht und frustriert sein?!
Und wie anders soll er diesem Frust Ausdruck verleihen als durch Pfiffe nach dem Spiel?! Anfeuerung, Unterstützung gut und schön – vom Anpfiff bis zum Abpfiff. Aber wer die Spieler auch nach einer Leistung wie am Mittwoch noch mit Gesängen feiert, schadet ihnen mehr als er ihnen nützt. Weil er sie in falscher Sicherheit wiegt. Weil er eine Wellness-Atmosphäre erzeugt, die den Ernst der Lage unter einem Berg aus Wattebäuschchen verbirgt.
Nein, nein, nach einem Spiel wie gegen Augsburg ist Pfeifen Fanpflicht! Es steht auch in keinerlei Widerspruch oder gar Konflikt zu der Maxime „Einmal Borusse, immer Borusse!“ und zu Liedgut wie „. . . was auch immer geschieht, wir steh’n Dir bei . . .“ Wer behauptet, nur Fans, die niemals pfeifen, seien wahre Fans, verklärt den Fangedanken und macht sich der Bershleierung mitschuldig. Wer seinen Frust in Pfiffen zum Ausdruck bringt, leistet hingegen einen konstruktiven Beitrag zur Zuspitzung der Situation und zum schonungslosen Offenlegen der Probleme.
Dazu gehört, um den Abstieg zu vermeiden und die Zukunft in den Blick zu nehmen, auch eine vollumfängliche Analyse der Probleme. Die Zusammensetzung des Kaders. Die Chemie im Kader. Der Umstand, dass einige Spieler offensichtlich ihren Zenit überschritten haben – u.a. auch deshalb, weil man nach schwersten Verletzungen in aller Regel eben nicht stärker zurückkommt als je zuvor. Der Umstand, dass einige Spieler, die für sich in Anspruch nehmen, internationale oder gar Weltklasse zu verkörpern, in der aktuelle Lage die Verantwortung scheuen und abtauchen. Und ja, natürlich muss man auch die Rolle des Trainerteams hinterfragen. Macht Jürgen Klopp Fehler? Wenn ja welche. Findet er Lösungen? Wenn ja welche. Übersteigt die Zahl seiner Fehler die Zahl seiner Lösungen?
In Leverkusen überwog die Zahl der Lösungen. Der Plan war: Sicher stehen, die einfachen Dinge gut machen, Sicherheit aufbauen. Der Plan ging auf.
Gegen Augsburg war der Plan: Mit einer mutigen Aufstellung (Sahin & Gündogan, nicht Immobile ODER, sondern UND Aubameyang) ein Signal setzen. Mit Gegenpressing Druck erzeugen, den Gegner zu Fehlern zwingen. Chancen kreieren. Das gelang in Halbzeit eins durchaus gut, und es ist nicht Klopp anzulasten, dass Kampl, Reus und Immobile drei fette Möglichkeiten zum 1:0 liegen ließen.
Trotzdem muss sich auch Jürgen Klopp an Ergebnissen messen lassen. Die Haltung „Lieber MIT Klopp in die zweite Liga als OHNE ihn den Klassenerhalt zu schaffen“ klingt romantisch, ist aber kompletter Unfug. Denn ein Abstieg würde ja nicht nur bedeuten, dass der BVB dann eben mal ein Jahr lang gegen Sandhausen und Aalen kickt. Ein Abstieg wäre eine tiefgreifende Zäsur in der Klubgeschichte und hätte Konsequenzen auf Jahre hinaus. Vom Erfolg der Mission Klassenerhalt hängt deshalb so unglaublich viel ab. Und ob es einem nun passt oder nicht, Borussia Dortmund ist ein börsennotiertes Unternehmen und steht als solches auch seinen Aktionären gegenüber in der Pflicht.

BVB, Wolfsburg und der Angriff der Kohle-Krieger

(Beitragsbild: Screenshot http://www.derwesten.de)

Borussia Dortmund hat es bereits hinter sich.

Der VfL Wolfsburg hat es noch vor sich.

Nun ist es aber nicht etwa so, als dürfte die VW-Betriebssportmannschaft sich darauf freuen, es noch vor sich zu haben. Denn die Rede wird hier nicht von sportlichen Erfolgen sein.

Sondern von der Folge solcher Erfolge: dem Leerkauf durch den FC Bayern München und andere europäische Spitzenklubs.

Nuri Sahin war der Erste. Dortmunds Mittelfeld-Organisator folgte nach der rauschhaften Meistersaison 2010/11, an deren Ende die Profi-Kollegen ihn zum Bundesligaspieler der Saison wählten, dem Lockruf von Real Madrid. Verständlich, denn die Königlichen galten und gelten zu Recht als der größte Klub unter der Sonne. Sahin vervielfachte sein Nettojahreseinkommen. Dumm nur: Er kam in der spanischen Hauptstadt schon verletzt an, und ehe er überhaupt zum ersten Mal fit war, galt er schon als Fehleinkauf. Via Liverpool führte sein Weg zurück zum BVB, wo er gut spielt. Aber längst nicht mehr so brillant wie ehedem.

Shinji Kagawa war der Nächste. Dortmunds torgefährlicher Offensiv-Quirl folgte nach der noch viel rauschhafteren Double-Saison 2011/12 dem Lockruf von Manchester United. Verständlich, denn die Premiere League gilt bei japanischen Kickern als das gelobte Land. Kagawa hatte schon als Kind davon geträumt, einmal für ManU aufzulaufen. Dumm nur: Über-Trainer Sir Alex Ferguson setzte ihn positionsfremd ein. Immerhin aber setzte er ihn gelegentlich ein. Denn Nachfolger David Moyes setzte ihn so gut wie gar nicht mehr ein. Inzwischen spielt Kagawa wieder beim BVB. Wenn er denn spielt. Denn auch Jürgen Klopp setzt ihn seltener ein als gedacht.

Mario Götze war der Nächste. Mit dem Eigengewächs ging nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2013 nicht nur ein begnadeter Kicker. Es verabschiedete sich auch die Fußball-Romantik aus Dortmund. Ausgerechnet Götze, der wenige Wochen zuvor noch erklärt hatte, er könne sich durchaus vorstellen, bis ans Ende seiner Profitage beim BVB zu spielen. Und ausgerechnet zum FC Bayern – für 37 Millionen Euro. Weil, so Götze, er unbedingt unter Trainer Pep Guardiola spielen wolle. Und weil er, ganz nebenbei, sein schon in Dortmund nicht ganz übles Gehalt vermehrfachte. Dass Götze bei den Bayern oft nicht spielt und leistungsmäßig seit dem wechsel ziemlich auf der Stelle tritt: geschenkt!

Robert Lewandowski war der Nächste und vorläufig Letzte. Der Torjäger zog sein Ding bei der Borussia bis zur letzten Spielsekunde sauber durch. Dem Lockruf der bayerischen Euronen aber war auch er längst erlegen. Gehalt verdreifacht. Dass der Pole bei den Bayern nur einer von vielen Stars und das Spiel keineswegs auf ihn zugeschnitten ist, weshalb er nur auf einen Bruchteil seiner Dortmunder Trefferausbeute kommt: geschenkt!

Sahin war weg. Kagawa war weg. Götze ist weg. Lewandowski ist weg. Damit hat Dortmund das Gröbste wohl hinter sich. Aus dem aktuellen Kader sind allein Marco Reus und Mats Hummels für internationale Topklubs von Interesse. Hummels allerdings auch nur, wenn er zur Form vor und während der WM zurück findet. Und Reus? – Will bis März entscheiden, ob er bleibt oder geht. Dass er zu den Bayern geht, scheint eher unwahrscheinlich, bei Hummels darf man es sogar getrost ausschließen.

Kurzum: Die Bayern-Methode, mit Transfers nicht nur sich selbst zu stärken, sondern stets auch den gerade aktuellen Hauptkonkurrenten zu schwächen, hat funktioniert. Der BVB ist als nationaler Herausforderer Nr. 1 vorerst einmal aus dem Rennen.

Diese Rolle reklamiert aktuell der VfL Wolfsburg für sich. Mit dem 4:1 zum Rückrundenauftakt über die Bayern und mit der insgesamt rund 60 Millionen Euro teuren Verpflichtung von Weltmeister Andre Schürrle (FC Chelsea) haben die Wölfe ihren Anspruch in den vergangenen Tagen noch einmal sehr nachdrücklich unterstrichen. Die Kohle von VW verleiht dem Meister von 2009 neuerlich Flügel. Dass die Sportlichen Leitungen in unterschiedlicher Besetzung in den vergangenen Jahren ein Transfer-Defizit in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet haben: geschenkt! Manager Klaus Allofs, der aus seiner Zeit bei Werder Bremen eher in Mangelverwaltung geübt ist, war in den vergangenen Tagen anzusehen, wie groß seine Freude ist, endlich einmal mit Geld um sich werfen zu dürfen.

Keine Frage: Wolfsburg wird bis zum Ende der Saison oben mitspielen und sich mutmaßlich für die Champions-League qualifizieren. Und keine Frage: Der VfL wird im Sommer, um in der CL konkurrenzfähig zu sein, den Kader in der Spitze non einmal verbreitern. Also: ordentlich Geld ausgeben. Und überhaupt gar keine Frage: In München werden sie das alles sehr aufmerksam beobachten. Matthias Sammer. Kalle Rummenigge. Uli Hoeneß. Und wenn sie dann irgendwann das Gefühl haben, dass ein Wolfsburger Spieler sie selbst besser machen und gleichzeitig den aufmüpfigen Konkurrenten schwächen könnte, dann werden sie ihr Scheckbuch zücken.

Ganz oben auf dem Block dürfte schon jetzt Kevin de Bruyne stehen. Der 23-jährige Belgier, den transfermarkt.de auf einen Marktwert von 20 Millionen Euro taxiert und damit eher untertreibt, ist ein Mann der Zukunft. Die Bayern hingegen haben im Kader einige Männer der Vergangenheit: Franck Ribery, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Dante haben ihre beste Zeit jedenfalls nicht mehr vor sich. Das macht dann auch Robin Knoche (22, 9 Mio. €), Ricardo Rodriguez (22, 28 Mio. €), Josuha Guilavogue (24, 10 Mio. €) und Maximilian Arnold (20, 10 Mio. €) interessant. Für die Münchener, aber nicht nur für sie. Spätestens wenn sich die Wolfsburger 2015/16 auf der ganz großen Bühne der Königsklasse zeigen dürfen, werden sie die Blicke aus Spanien und England auf sich ziehen.

Nun ist es nicht ganz so einfach, Wolfsburger Spieler mit Geld wegzulocken, weil Wolfsburg genau davon dank VW selbst genug hat. Doch erstens ist die UEFA dem Werksklub auf den Fersen. Stichwort: Financial Fair-Play. Und zweitens: Wer die Wahl hat, entweder in München, Madrid, Manchester, Barcelona, London zu spielen – oder eben in Wolfsburg, der entscheidet sich womöglich doch eher für . . . – Genau!

Borussia Dortmund hat ihn hinter sich, den Angriff der Kohle-Krieger. Eine Zeit lang hat der BVB die Verluste seiner Leistungsträger sogar kompensieren können. Aktuell kann er’s nicht mehr, die Lewandowski-Lücke ist zu groß. Der VfL Wolfsburg hat den Angriff noch vor sich – und dabei er ist noch nicht einmal Deutscher Meister geworden.

Die Rückrunde 2014/15 – ein schwarzgelber Ausblick

Mit dem Trainingsauftakt startet bei Borussia Dortmund heute das „Unternehmen Klassenerhalt“. Högschte Zeit für einen Ausblick auf die Rückrunde 2014/15.

18. Spieltag: Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund 0:1 (0:1). Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, ACHT Sekunden sind gespielt, da trifft Neuzugang Kevin Kampl zum 1:0 für den BVB. Das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Leverkusen drängt fortan auf den Ausgleich und schneidet in der Halbzeitpause sogar seitliche Löcher ins Tornetz. Vergeblich!

19. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Augsburg 5:0 (0:0). Das Team von Jürgen Klopp tut sich lange Zeit schwer gegen die starken Gäste. Als sich die Zuschauer bereits mit einem 0:0 abgefunden haben, wechselt der Trainer den Sieg ein: Henrikh Mkhitaryan erzielt bei seinem Kurz-Comeback zwischen der 82. und 87. Minute den schnellsten Viererpack der Bundesliga-Geschichte und bereitet Kampls 5:0 vor.

20. Spieltag: SC Freiburg – Borussia Dortmund 0:2 (0:1). Die Partie beginnt denkbar unglücklich für den BVB. Jakub Blaszczykowski verfehlt in der Anfangsviertelstunde dreimal freistehend das leere Tor – einmal links vorbei, einmal rechts vorbei, einmal drüber. Wie’s besser geht, zeigen ihm: Mkhitaryan und Kampl.

21. Spieltag: Borussia Dortmund – FSV Mainz 05 11:0 (1:0). Es ist das Karnevalswochenende – und der BVB setzt den Mainzer Narren die gleichnamige Kappe auf. Bis zur Pause halten die Gäste noch mit, dann müssen sie dem Promillegehalt im Blut Tribut zollen. Die Borussia bittet zur Prunksitzung und feiert ihren Bundesliga-Rekordsieg. Es ist das erste zweistellige Ergebnis überhaupt in der Bundesliga seit 1984. Herausragend: der neunfache Torschütze Henrikh Mkhitaryan. Die beiden weiteren Treffer erzielt Kevin Kampl.

22. Spieltag: VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 0:3 (0:2). Die Schwaben, inzwischen auf einem Abstiegsplatz, mit Helmut Benthaus als Trainer, Giovane Elber im Angriffs- und den Förster-Zwillingen im Abwehrzentrum, werden von Dortmunds magischem Dreieck mit Mkhitaryan, Kampl und Mkhitaryan phasenweise schwindelig gespielt.

23. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Schalke 03+1 3+1:0 (3:0). Schalke reist nach fünf Niederlagen zum Rückrundenbeginn mit Mirko Slomka und Ralf Rangnick als neuem Trainerduo zum Derby an. Hilft nix! Schon zur Pause hat Kevin dreimal zugeschlagen. Kevin Großkreutz, nicht Kevin Kampl. Den vierten Treffer markiert Felipe Santana bei 90+4 per Eigentor, dreht vor der Südtribüne jubelnd ab – ehe er seinen Fauxpas bemerkt.

24. Spieltag: Hamburger SV – Borussia Dortmund 0:6 (0:3). Seit Trainer Joe Zinnbauer seine Kicker um 7.30 Uhr zum Dienstantritt bittet, ist irgendwie der Wurm drin beim Bundesliga-Dino. Klar, die tarifliche Arbeitszeit von acht Stunden ist bei Anpfiff um 15.30 Uhr bereits um. Und das Überstundenkonto der Hanseaten quillt längst über. Entsprechend kraft- und lustlos agieren sie gegen den BVB, für den Mkhitaryan und Kampl jeweils drei Tore erzielen.

25. Spieltag: Borussia Dortmund – 1. FC Köln 1:0 (0:0). Zähe Partie. Die Geißböcke stehen mit zehn Mann am eigenen 16er, der BVB prallt 89 Minuten lang immer wieder von dieser Gummiwand ab. Dann trifft Kevin. Großkreutz, nicht Kampl. Beim Torjubel zieht er sein Trikot über den Kopf – und trägt darunter ein FC-Dress. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff gibt er bekannt, dass er zur neuen Saison zu den Domstädtern wechselt.

26. Spieltag: Hannover 96 – Borussia Dortmund 0:4 (0:2). Erneut teilen sich Henrikh Mkhitaryan, der neue Führende in der Bundesliga-Torschützenliste, und Kevin – Kampl, nicht Großkreutz – den Torreigen. Beide stehen allerdings im Schatten von Torwart Zlatan Alomerovic, der nun seit 900 Minuten ohne Gegentor ist und damit Timo Hildebrand als Rekordhalter ablöst.

27. Spieltag: Borussia Dortmund – FC Bayern München 7:0 (7:0). Es ist Ostern – und die Bayern ziehen in der Woche vor dem Spiel alle Register, um dem BVB ein Ei ins Nest zu legen. Kalle #rummeniggeisso kündigt an, Henrikh Mkhitaryan und Kevin – Kampl, nicht Großkreutz – nach der Saison zum Rekordmeister zu holen. Im Gespräch ist eine Paket-Ablöse von 137 Millionen Euro und ein Netto-Jahresgehalt von 17 Mio. € für den Armenier und 15,5 Mio. € für den Slowenen. Marco Reus, der nach diversen knöchernen Ausrissen in verschiedensten Körperteilen sein Comeback feiert und stinksauer ist, dass der FC Bayern an ihm kein Interesse mehr hat, spielt groß auf und trifft in der ersten Halbzeit sechsmal. Bundesliga-Rekord. Das siebte Tor erzielt Tammo Harder; einem klaren Kopfballtreffer von Mats Hummels verweigert Schiedsrichter Florian Meyer die Anerkennung. Der Ball sei nicht hinter der Torlinie gewesen. Bayern-Trainer Pep Guardiola, der nach der Saison als Sportdirektor zum FC Barcelona zurückkehren wird, erklärt: „Das war eine super-super Leistung des BVB und kacke-kacke von uns.“

28. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 0:1 (0:0). Es ist zum Verzweifeln: Der BVB spielt auf ein Tor, doch der Ball will nicht rein. Dann die 79. Minute: Ecke für Gladbach, Christoph Kramer legt sich den Ball zurecht, er rutscht ihm über den Spann – und fliegt auf der anderen Seite des Spielfeldes zum 0:1 ins Netz. Beim Field-Interview nach Spielende kann sich der Weltmeister an nichts mehr erinnern.

29. Spieltag: Borussia Dortmund – SC Paderborn 5:0 (0:0). Schiedsrichter Wolfgang Stark verweigert fünf regulären Dortmunder Toren durch Immobile, Ramos, Kagawa, Gündogan und Kevin – Großkreutz, nicht Kampl – die Anerkennung. Weil Großkreutz daraufhin einen BVB-Fan auffordert, Stark mit einem Döner zu bewerfen, fliegt er vom Platz. Ihm folgen Sokratis und Subotic. In dreifacher Unterzahl geht die Borussia durch Kampl in Führung. Mkhitaryan erzielt die weiteren BVB-Tore.

30. Spieltag: Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0). Klopp rotiert. Mkhitaryan und Kampl werden geschont. Die Edelreservisten Reus (wechselt nach der Saison zum TSV Winsen) und Immobile dürfen mal wieder von Beginn an ran. Und treffen je einmal. Pflichtsieg. Ach so, der Klassenerhalt ist übrigens längst gesichert.

31. Spieltag: TSG 1899 Hoppenheim – Borussia Dortmund 0:6 (0:4). BVB-Kapitän Mats Hummels, der in der Rückrunde bisher nur zu einem Kurzeinsatz gegen die Bayern gekommen war, feiert nach diversen muskulären Problemen in diversen Körperteilen sein Startelf-Comeback und bringt den BVB per Kopfball in Führung. Blöd für die Gastgeber: Der Ball rutscht durch ein Loch im Netz von außen ins Tor. Danach treffen Mkhitaryan, Kampl, Kampl, Mkhitaryan und Harder.

32. Spieltag: Borussia Dortmund – Hertha BSC 1:0 (1:0). Die irre Aufholjagd in der Rückrunde zeigt allmählich Wirkung. Der BVB schwächelt. Nur gut, dass er sich auf Julian Schieber verlassen kann. Der Ex-Dortmunder erzielt bei 90+4 direkt vor der Südtribüne ein wunderschönes Eigentor. „Endlich habe ich mir den Treffer zurück geholt, den mir Felipe Santana gegen Malaga geklaut hat“, sagt er nach dem Spiel. Michael Zorc bietet Schieber noch am selben Abend einen Drei-Jahres-Vertrag an.

33. Spieltag: VfL Golfsburg – Borussia Dortmund 0:3 (0:1). Es geht um die direkte Champions-League-Qualifikation. Golfsburg ist Dritter, der BVB inzwischen Vierter. Durch die Tore von Mkhitaryan (2) und Kampl schieben sich die Schwarzgelben an den Gölfen vorbei.

34. Spieltag: Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:0 (0:0). Vier Teams kämpfen beim Saisonfinale um die Plätze 2 bis 5. Und der BVB zeigt Nerven. Erst als Klopp den reaktivierten Henrique Ewerthon de Souza – kurz: Ewerthon – einwechselt, fluppt’s. Kaum eine Minute auf Platz, drückt der Brasilianer eine Hereingabe des ebenfalls reaktivierten Dédé zum Siegtor über die Linie. Der BVB wird noch Vizemeister, Leverkusen Dritter; Golfsburg muss in die CL-Qualifikation – Schalke rutscht in die Europa League und meldet daraufhin gleich am Montagmorgen Insolvenz an. Ebenfalls am Montagmorgen wird am Borsigplatz eine überlebensgroße Jürgen-Klopp-Statue aus Bronze enthüllt.

P.S. (1): Die 51 von 51 möglichen Punkten bei 63:0 Toren sind Bundesliga-Rekord.

P.S. (2): Der in der Hinrunde erfolglose Henrikh Mkhitaryan wird mit ziemlich vielen Treffern (die genaue Anzahl müsst ihr selbst nachzählen) noch Torschützenkönig.

P.S. (3): In Berlin gewinnt Borussia Dortmund in den folgenden Wochen zunächst den DFB-Pokal gegen den VfR Aalen mit 1:0 n.V. und die Champions League gegen den FC Basel mit 7:0.

Weidenfeller, Langerak und das Leistungsprinzip

Es ist noch keine sechs Wochen her, da machten ein paar Medien einfach mal ein Fass auf: Der BVB, so die Stoßrichtung, plane bereits die Zeit nach Roman Weidenfeller – und liebäugle daher mit einer Verpflichtung von Kölns Keeper Timo Horn. Oder von Frankfurts Keeper Kevin Trapp. Oder von Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler. Oder von Hoffenheims Keeper Oliver Baumann. Oder von Freiburgs Keeper Roman Bürki. Oder . . . oder . . . oder. Als (fast) alle Zeitungen, TV-Kanäle und Online-Plattformen das Thema, das keines war, ordentlich durchgenudelt hatten, war so ziemlich jeder Torwart mit dem BVB in Verbindung gebracht worden, der glücklicherweise zwei Hände mit jeweils fünf Finger hat und obendrein über das motorische Geschick verfügt, sich Handschuhe darüber zu ziehen.

Zorc: „Ich weigere mich, eine Torwart-Diskussion zu führen“

Seit dem vergangenen Freitag wird eine andere, eine neue Diskussion geführt. Am vergangenen Freitag nämlich, im so-called „Schicksalsspiel“ gegen die TSG 1899 Hoffenheim, lief der Tabellenletzte Borussia Dortmund mit Mitch Langerak anstelle von Roman Weidenfeller auf. Jener Langerak, der in den Phantasiegeschichten der Vorwochen übrigens nur die Nebenrolle eines ewigen zweiten Mannes gespielt hatte, dem die Verantwortlichen von Borussia Dortmund wohl kaum zutrauten, jemals die Nummer eins zu werden. Das ging so lange, bis der „Kicker“ Ende November in der ihm eigenen Unaufgeregtheit den BVB-Sportdirektor Michael Zorc mit dem Satz zitierte, er weigere sich, eine Torwart-Diskussion zu führen, weil man ja schließlich „zwei der besten Torhüter der Liga unter Vertrag“ habe. Das Fachmagazin vermeldete sogar – und das macht der „Kicker“ für gewöhnlich nur, wenn er sich sehr sicher ist –, dass der 26-jährige Langerak den 34-jährigen Weidenfeller mittelfristig beerben soll.

Dass der Australier gegen Hoffenheim plötzlich zwischen den Pfosten stand, weil Jürgen Klopp „sein Lächeln auf dem Platz haben“ wollte (mit anderen Worten“: auf seine positive Ausstrahlung setzte), bedeutet noch lange nicht, dass aus dem „mittelfristig Beerben“ ein „sofort Beerben“ wird. Genau die Diskussion aber erhitzt seit Tagen die Gemüter. „Weidenfeller aufs Altenteil?“ – „Weidenfeller ausgemustert?“ – „War’s das für Weidenfeller?“ – so lauten die klick-trächtigen Schlagzeilen. Zudem wird heftigst darüber debattiert, ob es hygienisch in Ordnung war, dass Klopp seinen Weltmeister nicht unter vier Augen, sondern erst in der Mannschaftssitzung informiert hat. Kann man führen, diese Diskussion. Allerdings sollte sie dann nicht von ehemaligen Durchschnitts-Torhütern wie Gerry Ehrmann geführt werden, der am BVB ungefähr so nah dran ist wie Gibraltar an der Qualifikation für die EM 2018. Und auch nicht von Peter Neururer, der  . . . ach, lassen wir das. Der Peter hat’s gerade heute schon schwer genug.

Sportlich war der Wechsel richtig

Eine Diskussion, die man nicht nur führen KANN, sondern führen MUSS, ist die sportliche – und die kommt einmal mehr zu kurz. War der Torwartwechsel gegen Hoffenheim gerechtfertigt? Die Antwort lautet: allemal! War er vielleicht sogar nötig? Die Antwort lautet: offenbar ja! Denn Klopps Hinweis, Weidenfeller sei „nichts vorzuwerfen“, ist nett. Aber falsch.

Richtig ist: Roman Weidenfeller spielt bisher keine gute Saison. Auch wenn sein „Kicker“-Notendurchschnitt mit 2,96 (zum Vergleich: in den Meisterjahren 2010/11 und 11/12 lag er bei 2,76 bzw. 2,80) immer noch vergleichsweise okay ist. Nicht falsch verstehen, der Routinier ist ein toller Torwart. Auf der Linie sowieso. Im Duell Mann-gegen-Mann war er in den vergangenen Jahren einer der besten in ganz Europa. Sein Anteil an den Erfolgen von Borussia Dortmund in der Ära Jürgen Klopp ist maximal. In den beiden Meisterjahren war er der Rückhalt, und ohne Weidenfeller hätte der BVB das Champions-League-Endspiel 2013 wohl nicht erreicht. Dass Bundestrainer Joachim Löw, der dem Dortmunder lange Jahre die kalte Schulter gezeigt hatte, irgendwann nicht mehr an ihm vorbei konnte und ihn sogar als Nr. 2 in den WM-Kader berief, spricht für sich. Nur zur Erinnerung: Als sich Manuel Neuer im DFB-Pokal-Finale 2014 verletzte und eine zeitlang nicht ganz klar war, ob er rechtzeitig fit werden würde, sah es sogar so aus, als würde die DFB-Elf mit Roman Weidenfeller im Tor zumindest in das Turnier starten. Und wenn ich mich recht erinnere, gab es niemanden, der bei dem Gedanken daran sonderlich nervös geworden wäre.

Weidenfeller wirkt, als sei er mit den Gedanken noch auf der Fähre

So weit, so gut. Doch das alles ist Vergangenheit – und Fußball wird in der Gegenwart gespielt. Die Krise des BVB ist derzeit sogar allgegenwärtig. Und die Krise des BVB ist ein bisschen auch die Krise des Roman Weidenfeller, die ihren Ursprung möglicherweise ausgerechnet in der erfolgreichen Weltmeisterschaft hat. Denn seit Manuel Neuer in Brasilien das Torwartspiel neu erfunden hat, meinen alle deutschen Torhüter (in der Premier League und der Primera Division gibt es diesen Effekt nicht), sie müssten ihren Arbeitsort um 20 Meter nach vorne verlegen. Dort hin also, wo man den Ball, auch als Torwart, nicht mehr in die Hand nehmen darf. Dort, wo man ihn also mit dem Fuß spielen muss. Das kann der Manuel Neuer gut. Roman Weidenfeller nicht so. Weil er’s trotzdem ständig tut, entsteht Unruhe und Unordnung in der Defensive. Das Vertrauen der Mitspieler in den letzten Mann leidet. Und wenn der dann auch noch so gravierend patzt wie vor dem entscheidenden 1:2 in Köln und dem 0:2 in Frankfurt, dann gerät eben auch ein Weltmeister in die Kritik. Weidenfeller wirkt, um es auf den Punkt zu bringen, seit der WM unkonzentriert und fahrig. So, als pendele er mit den Gedanken immer noch mit der Fähre zwischen dem Campo Bahia und dem Festland.

Entscheidungsgrundlage: das Leistungsprinzip 

Wenn Jürgen Klopp sich vor dem Hoffenheim-Spiel gegen Weidenfeller und für Langerak entschieden hat, dann nicht nur aus einem „Bauchgefühl“ heraus. Auch nicht, weil der australische Sonnyboy so fröhlich lächelt. Sondern weil das Leistungsprinzip aktuell für diesen Wechsel sprach. Wohlgemerkt: aktuell – nicht für alle Ewigkeit. Weidenfeller hat eine schwächere Phase, die erste seit Jahren, eine Phase, wie auch Top-Top-Torhüter sie mal haben, aber Borussia Dortmund wird seine Klasse und Erfahrung noch brauchen. In die Zukunft gedacht, gibt es allerdings keinen einzigen Grund, anzunehmen, dass Mitch Langerak den Job im Kasten des BVB nicht mindestens genau so gut erledigen würde wie Horn, Baumann, Bürki, Zieler, Trapp . . .

AKTUALISIERUNG (11.12., 14:00):

In der Pressekonferenz zum Spiel in Berlin hat BVB-Trainer Jürgen Klopp gerade angekündigt, dass Mitch Langerak – „sofern nichts Außergewöhnliches passiert“ – bis zur Winterpause die Nummer eins im Tor von Borussia Dortmund bleiben wird. „Ich hatte gestern“, so Klopp, „ein langes und gutes Gespräch mit Roman Weidenfeller und bin die bisherige Saison mit ihm durchgegangen. Wir arbeiten seit vielen Jahren gut und vertrauensvoll zusammen, und er hat jetzt schon damit begonnen, den Kampf um den Platz im Tor aufzunehmen. In der Wintervorbereitung geht’s von vorne los!“

(Beitragsbild: Screenshot Sport1/facebook)

Links zum Thema:

http://www.sueddeutsche.de/sport/nationaltorwart-beim-bvb-klopp-opfert-weidenfeller-1.2257916

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/617003/artikel_weidenfeller_eine-frage-des-stils.html

http://www.kicker.de/news/video/1541463/video_klopp-sauer-wegen-weidenfeller-debatte.html

http://www.derwesten.de/sport/fussball/bvb/klopp-hat-mit-der-t-frage-beim-bvb-probleme-geschaffen-id10125279.html