Marcel Schmelzer – der Hundertprozentborussiakapitän!

​Schmelle also!

Und nicht Marco Reus.

Die Kapitänsfrage bei Borussia Dortmund, die eigentlich gar keine war, in der nachrichten-armen Winterpause dann aber plötzlich eine wurde, ist beantwortet. Und die Antwort ist korrekt. Nicht, dass Reus als Spielführer eine Fehlbesetzung wäre. Ganz und gar nicht. Er wäre gleichfalls eine Top-Wahl. Aber Marcel Schmelzer ist die Toptop-Wahl. Und das hat Gründe. Zu denen komme ich gleich.

Vorab ein Blick zurück:

Die Liste der Spieler, die BVB-Mannschaften aufs Feld führten, ist gleichermaßen lang wie illuster. Adi Preißler gehört dazu, dann der unlängst verstorbene Aki Schmidt, Stopper Paul, Sigi Held und Hoppy Kurrat – allesamt 66er Europapokal-Helden. Später folgten, um nur einige zu nennen, Lothar Huber, Manni Burgsmüller, Frank Mill, Stefan Reuter, Sebastian Kehl, zuletzt Mats Hummels und zwischendrin natürlich Michael „Suuusiii“ Zorc. Wer auch immer die Armbinde überstreift, heute oder in Zukunft, tritt in große, sehr große Fußstapfen.

Marcel Schmelzers gar nicht mal so große Füße sind ausreichend groß und seine gar nicht mal so breiten Schultern breit genug, um der Verantwortung, die dieses Amt bei einem so traditions- und ruhmreichen Klub wie dem BVB naturgemäß mit sich bringt, gerecht zu werden. Den Nachweis hat er in den vergangenen Jahren immer und immer wieder angewiesen – schon zu Zeiten, da Kehl und Hummels noch Kapitän waren.

Was für Schmelzer spricht:

1.) Seine 100-prozentige Identifikation mit dem Klub. Schmelzer kam mit 17 Jahren als A-Jugendlicher aus Magdeburg zum BVB. Er zog ins Jugendhaus ein, diente sich über die „Amas“ hoch, wo Jürgen Klopp sein Talent erkannte und ihn in den Profikader holte. Schmelle gehörte zu dem Haufen der jungen Wilden, die Fußball-Deutschland insbesondere in den Jahren 2011 bis 2013 mit „Vollgasfußball“ verzückten. Meister 2011, Doublesieger 2012, Champions-League-Finalist 2013. Erst kürzlich gab er erneut ein Treuebekenntnis ab: „Ich möchte als der Spieler in Erinnerung bleiben, er seine gesamte Profilaufbahn beim BVB verbracht hat“, sagte er. Dass Ehefrau Jenny dieselbe enge Verbindung zu Dortmund und zur Borussia lebt, rundet das Bild ab. Gemeinsam engagieren sich die beiden außerdem für den Verein Tierschutzprojekt Italien e.V.

2.) Marcel Schmelzer ist ein Mentalitäts-Monster. Gewiss, wir alle haben schon weniger gute Spiele von ihm gesehen. Und auch wenige gar nicht gute. Ich glaube aber nicht, dass auch nur einem von uns ein Spiel einfällt, in dem Schmelle den Eindruck hinterlassen hat, er habe nicht alles gegeben. Marcel Schmelzer ist der Spieler, der auch dann noch an den Erfolg glaubt, wenn die regulären 90 Minuten abgelaufen sind und dem BVB noch zwei Tore zum Weiterkommen fehlen. Wie an jenem 9. April 2013 im Champions-League-Viertefinale gegen den FC Malaga, als der Linksverteidiger auch nach dem späten 1:2 in schier aussichtloser Situation noch mit jeder einzelnen Körperbewegung signalisierte: Das hier ist noch nicht zu Ende! Nuri Sahin hat mir später mal erzählt, sein „Schlüsselmoment“ in dieser Partie sei der Moment unmittelbar nach Malagas Trefer zum 1:2 gewesen. Er habe Schmelzer, der wegen eines Nasenbeinbruchs mit Gesichtsmaske spielte, in die Augen geschaut. „Wie Schmelle mich in diesem Moment angesehen hat – da wusste ich: Wir können es schaffen! Er hat so fest daran geglaubt, und ich habe von dem Moment an nur noch gedacht: Klopp‘ die Bälle lang nach vorne!“ Kurzum: Mehr BVB, als Marcel Schmelzer in diesen zwölf Minuten zwischen 82. und 94. Minute verkörperte, geht gar nicht!

3.) Wenn man sich die Stadt Dortmund und die Borussia mit allem, was sie ausmachen, als Fußballer vorstellt, käme Marcel Schmelzer dabei heraus. Kein Glamour-Kicker, kein Zauberfüßchen – eher einer, der Fußball arbeitet und dem auch schon einmal ein Ball verspringt. Einer, der seine Höhen hat – der aber auch Niederschläge wegstecken musste. Und wieder aufgestanden ist. Dass Erik Durm sich „Weltmeister“ nennen darf, wenn auch ohne Einsatz, und Marcel Schmelzer nicht, das ist – bei allem Respekt vor Durm – im Grunde ein Treppenwitz der Fußball-Geschichte. Bundestrainer Jogi Löw, in Dortmund auch deshalb ungefähr so beliebt wie Franck Ribery, Arjen Robben und Gerald Asmoah, steht nicht auf Schmelle. Er hat ihn sogar öffentlich abgewatscht, als er befand, man könne sich schließlich „keine Außenverteidiger backen“. Schmelzers Beliebtheit und sein Ansehen bei den eigenen Fans hatte die Löwsche Ignoranz nur noch mehr gesteigert. Motto: Wer Schmelzer nicht will, hat Schmelzer nicht verdient!

4.) Nirgendwo steht geschrieben, dass man ein Lautsprecher sein muss, um Spielführer zu werden. Ein Lautsprecher ist Marcel Schmelzer nicht. Das heißt aber im Umkehrschluss noch lange nicht, dass er nicht sein Wort macht. Schmelles Wort hat Gewicht in der Kabine. Und Schmelle duckt sich nie weg. Wenn andere nach Niederlagen mit Kopfhörern im Ohr hurtig an Kameras und Mikrofonen vorbei durch die Mixed-Zone huschen, stellt Schmelle sich den Fragen der Journalisten. Und wo sich andere in Gemeinplätze flüchten, redet er klare Kante und ist aufgrund seiner Erfahrung inzwischen auch in der Spielanalyse treffsicher. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass „Manni“ Bender, einer also, auf den viele Eigenschaften zutreffen, die auch Schmelzer auszeichnen, kurz vor der offiziellen Verlautbarung unmissverständlich erklärte: „Ich persönlich brauche das Thema nicht und es wird auch größer gemacht, als es ist. Innerhalb der Mannschaft ist es keines. Marcel Schmelzer ist unser Kapitän, fertig aus!“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Marcel Schmelzer ist und bleibt Kapitän von Borussia Dortmund.

Fertig.

Aus!