Als Ewerthon kam, sah – und der Kessel explodierte

Wenn Borussia Dortmund am 34. Spieltag der Bundesliga-Saison 2014/15 den SV Werder Bremen empfängt, geht es für beide Teams um viel – die Qualiikation für die Europa League. Am letzten Spieltag der Saison 2001/02 ging es für den BVB sogar um noch viel mehr: die Deutsche Meisterschaft!

Die Partie BVB – Bremen vom 4. Mai 2002 ist zweifelsfrei eines der 25 größten Spiele aller Zeiten im Dortmunder Westfalenstadion. Das Kapitel aus meinem Buch „Jetzt muss ein Wunder her!“ (http://amzn.to/1jRvRhb) habe ich als Appetitanreger in voller Länge in den Blog gestellt. Viel Spaß beim Lesen. Viel Spaß am Samstag im Stadion. Und nehmt ausreichend Papiertaschentücher mit. Ihr wisst schon: Kehli, Klopp . . .

Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1 (1:1)

(4. Mai 2002, 34. Bundesliga-Spieltag)

Nachdem der FC Bayern München 1999 mit 15 Punkten Vorsprung auf Bayer Leverkusen Deutscher Meister geworden war, erlebte die Fußball-Bundesliga zum Start in das dritte Jahrtausend drei Herzinfarkt-Entscheidungen in Folge.

Im Mai 2000 lag in Leverkusen bereits der Champagner im Kühlfach. Bayer musste am letzten Spieltag nur noch bei der Spielvereinigung Unterhaching gewinnen, um endlich den lange überfälligen ersten Titelgewinn perfekt zu machen. Doch die Rheinländer verkrampften, versagten, unterlagen mit 0:2 – nicht zuletzt aufgrund eines Eigentores von Michael Ballack zum 0:1. Bayern zog durch ein 3:1 bei Werder Bremen noch vorbei.

Die Steigerung der Dramatik folgte ein Jahr später. Diesmal gingen die Münchener als Spitzenreiter in die letzte Runde, benötigten aber, weil Schalke das bessere Torverhältnis hatte, einen Sieg in Hamburg. Als der HSV in der 89. Minute (!) durch Sergej Barbarez mit 1:0 in Führung ging, feierten sie im Gelsenkirchener Parkstadion nach dem eigenen 5:3 gegen Unterhaching bereits die Meisterschaft. Im Glauben, auch in Hamburg sei bereits Schluss. Eine Fehlinformation. Vier Minuten später das böse Erwachen. Bei 90 + 4 glich Patrik Andersson mit einem indirekten Freistoß aus zehn Metern Entfernung aus. Wieder waren die Bayern Meister.

Die Saison 2001/02 komplettierte schließlich die Trilogie der Last-Minute-Meisterschaften. Ein schier unglaublicher Krimi mit dem FC Bayern in einer tragenden Nebenrolle. Mit Bayer Leverkusen in der Rolle des tragischen Helden. Mit Borussia Dortmund als unverhofftem Triumphator und mit dem damals 36-jährigen Matthias Sammer als jüngstem Meistertrainer der Bundesliga-Geschichte. „Kompliment an die Mannschaft. Sie hat in dieser Saison Moral, Charakter und Dinge gezeigt, die man ihr nicht zutrauen konnte.“

Was, bei allem Respekt, Unfug war. Zwar hatte Borussia, allen voran mit Christoph Metzelder und Wintereinkauf Sebastian Kehl, einige junge Spieler im Kader. Vor allem aber gestandene Akteure: Jens Lehmann, Jürgen Kohler, Christian Wörns, Dédé, Stefan Reuter, Tomas Rosicky, Jan Koller, Marcio Amoroso, Ewerthon, Jörg Heinrich und so weiter und so fort. Eine Luxustruppe, mit Millionen und Abermillionen hochgezüchtet, von der man einen Spitzenplatz nicht nur erwarten durfte. Sondern musste.

Entsprechend geriet der Saisonstart zu einer schwarz-gelben Demonstration: Vier Siege und 10:0 Tore aus den ersten vier Spielen. Platz eins. Insbesondere der Brasilianer Amoroso, vor der Saison für 50 Millionen D-Mark als bis dahin teuerster Transfer der Bundesliga-Geschichte vom AC Parma (Italien) geholt, verzückte die Liga mit Traumtoren.

Doch mit dem 0:2 bei den Bayern geriet der BVB-Motor ins Stottern. Es folgten eine Derbypleite auf Schalke, bei der ausgerechnet Dortmunds Ex-Held Andreas Möller das goldene Tor gelang, und ein 1:1 gegen Leverkusen. Vorneweg marschierte jetzt der 1. FC Kaiserslautern mit dem Startrekord von 21 Punkten aus den ersten sieben Spielen. Am 10. Spieltag übernahm der FC Bayern die Tabellenführung. Nach vier Spielen noch fünf Punkte vor den Münchenern, hatte Borussia nun schon sechs Zähler Rückstand.

Dann plötzlich schwächelten die Bayern, verloren u.a. in Bremen und Berlin. Leverkusen übernahm die Spitze, kassierte aber am 14. Spieltag in Bremen die erste Saisonniederlage. Und Dortmund? Drehte auf, feierte sechs Siege in Folge und lag nach dem 1:1 in Bremen zu Weihnachten nur einen Zähler hinter Herbstmeister Leverkusen (39) auf Platz zwei – schon fünf Punkte vor Titelverteidiger München.

Die irre Berg-und-Talfahrt sollte sich in der Rückrunde fortsetzen. Bayer blieb in den Startblöcken hängen: drei Niederlagen aus den ersten vier Spielen. So stand Dortmund am 20. Spieltag plötzlich auf Platz eins, hatte eine Runde später nach dem 2:0 gegen Rostock schon vier Punkte Vorsprung. Und geriet, wie schon in der Hinrunde, ins Trudeln, weil die Sammers Mannschaft in den Spitzenspielen versagte. Am Ende würde der BVB aus den direkten Duellen gegen Bayer, Bayern und Schalke bei null Siegen gerade drei von 18 möglichen Punkten geholt haben. Die Mär, nach der Meisterschaften in den so genannten Sechs-Punkte-Spielen entschieden werden – sie war ein für allemal widerlegt.

1:1 in München (Tore: Giovane Elber – Amoroso), 1:1 gegen Schalke (Tore: Ewerthon – Niels Oude Kamphuis) – so ging es weiter. Und dann folgte das Gipfeltreffen in Leverkusen. Ohne Rosicky, ohne Wörns, ohne Heinrich. Ohne Mumm. Ohne Esprit. Ohne Chance. Mit 0:4 kam der BVB unter die Räder; Michael Ballack, Carsten Ramelow, Oliver Neuville und Dimitar Berbatov schossen den Werksklub wieder auf den Platz an der Sonne. Einen weiteren Rückschlag mussten die Borussen am 27. Spieltag hinnehmen. Zwar gewannen sie in Freiburg mit 5:1, weil Dédé, Amoroso und zweimal Koller zwischen der 65. und 70. Minute vier Tore gelangen. Doch nach dem Spiel und der Auswertung der TV-Bilder wurde Torwart Jens Lehmann für vier Begegnungen gesperrt. Er hatte gegen Soumaila Coulibaly übel nachgetreten und anders als in der Hinrunde, als ein Ellenbogencheck gegen Bayerns Elber unbestraft geblieben war, musste er sein Fehlverhalten diesmal büßen.

Mit Ersatzmann Philipp Laux zwischen den Pfosten kassierte der BVB im Saisonschlussspurt weitere Niederlagen in Stuttgart (2:3) sowie am 31. Spieltag in Kaiserslautern (0:1).

Angesichts von fünf Punkten Rückstand bei nur noch drei Spielen, erklärte Borussia Dortmund die Meisterträume offiziell für beendet. Manager Michael Meier, der nach dem Titelgewinn („Wir haben immer daran geglaubt!“) diesbezüglich unter bemerkenswertem Gedächtnisverlust litt, gratulierte Leverkusen zur Meisterschaft und mahnte stattdessen: „Wir müssen nicht mehr nach vorne schauen, sondern nach hinten aufpassen, denn Bayern, Schalke und Hertha sind uns gefährlich dicht auf die Pelle gerückt.“ Auch für die Experten war die Entscheidung drei Runden vor Saisonschluss gefallen. Der „kicker“ titelte stellvertretend für die verbreitete Meinung: „Bye, bye, Borussia!“

Was dann folgte, ist Bundesliga-Geschichte.

32. Spieltag:

Bayern München schlägt Hertha im Verfolgerduell mit 3:0 – die Berliner sind damit aus dem Rennen. Schalke wahrt seine Chance durch ein 2:1 gegen Nürnberg. Leverkusen bekommt die große Flatter, Teil 1. Auf eigenem Platz unterliegen Ballack & Co. dem SV Werder mit 1:2 – auch deshalb, weil Bayer-Torwart Hans-Jörg Butt, sonst ein beinahe todsicherer Elfmeterschütze, mit einem Strafstoß an seinem Bremer Kollegen Frank Rost scheitert.

Doch der BVB scheint aus dem Patzer des designierten Meisters keinen Nutzen ziehen zu können. Im Westfalenstadion steht es gegen den 1. FC Köln nach 89 Minuten nur 1:1 (Tore: Rosicky/21. – Dirk Lottner/56.). Dann kommt es im Strafraum zu einem Dreikampf zwischen zwei Dortmundern und einem Kölner. Amoroso schiebt Mitspieler Kohler in Gegenspieler Jörg Reeb. Kohler fällt – Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer deutet zur allgemeinen Überraschung auf den Elfmeterpunkt. Amoroso verwandelt, der Rückstand schrumpft auf zwei Zähler. Trainer Sammer schwenkt um: „Lange Zeit wollten wir Meister werden, dann haben wir Leverkusen gratuliert, jetzt sind wir auf einmal wieder im Rennen. Das ist irre und es macht mich wahnsinnig!“ Derweil lässt sich Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zu einer Stichelei hinreißen: „Wenn der BVB Meister wird, dann nur so eine Art Mogelmeister. Der DFB sollte für das letzte Spiel gegen Bremen einen Schiedsrichter ansetzen, der nicht auf die Fallsucht der Dortmunder Spieler hereinfällt.“ Später entschuldigt sich Rummenigge für diesen verbalen Fehlgriff.

33. Spieltag:

Schalke büßt seine kleine Titelchance durch ein 0:2 in Berlin ein. Bayern spielt in Wolfsburg wenig meisterlich, gewinnt aber durch ein Eigentor mit 1:0. Für Torwart Oliver Kahn der ersehnte Anlass, sich viele neue Freunde zu machen: „Wenn die anderen nicht wollen – wir sind bereit. Wenn wir’s auch diesmal wieder schaffen sollten, werden wir uns für diese vierte Meisterschaft in Folge selbstverständlich offiziell im Namen des FC Bayern München bei der deutschen Öffentlichkeit entschuldigen.“ – Die Sympathien fliegen ihm nach dieser Aussage nur so zu. Ähnlich wie Borussia Dortmund nach dem geschenkten Elfmeter gegen Köln. Mit Ausnahme der ausgewiesenen Bayern- und BVB-Fans drückt die Fußball-Nation Leverkusen die Daumen. Doch Bayer bekommt die große Flatter, Teil 2 – und verliert in Nürnberg mit 0:1.

Derweil entscheiden die Schwarz-Gelben eines der rasantesten Duelle der gesamten Saison beim HSV mit 4:3 für sich (Tore: Amoroso 2, Rosicky, Koller – Raphael Wicky, Nico-Jan Hoogma, Erik Meijer). Der Spielverlauf aus Dortmunder Sicht: 2:0 – 2:1 – 3:1 – 3:2 – 4:2 – 4:3. Eine Berg- und Talfahrt, sinnbildlich für den Saisonverlauf. Eines aber macht der BVB an diesem Tag im hohen Norden klar: dass er den sechsten Titel unbedingt will. Und dass er dort, wo Leverkusen rostigen Draht hat, Nerven aus Edelstahlseilen besitzt. So übernimmt Borussia am vorletzten Spieltag die Tabellenführung, einen Punkt vor Leverkusen, zwei vor München.

In Dortmund knistert es in den Tagen vor dem Saisonfinale. Die Atmosphäre ist positiv geladen, die Spannung förmlich mit Händen zu greifen. Zumal der BVB vier Tage nach dem Showdown in der Bundesliga auch noch im UEFA-Cup-Finale gegen Feyenoord Rotterdam steht (und 2:3 verliert).

34. Spieltag:

Die Ausgangslage stellt Mathematiker vor keine nennenswerte Herausforderung: Der BVB muss gegen Bremen gewinnen. Ein Remis reicht aufgrund des schlechtesten Torverhältnisses der drei Kontrahenten nur, wenn auch Leverkusen gegen Hertha und Bayern gegen Rostock nicht gewinnen würden. Bayern gewinnt gegen Rostock 3:2, rückt zwischenzeitlich in der Blitztabelle auf Platz zwei vor, hat dabei aber zu keinem Zeitpunkt des Spiels virtuell die Finger an der Schale.

Leverkusen schon. Und nicht nur die Finger, sondern mindestens eine Hand. Denn Teil 3 der großen Flatter bleibt jetzt, da der Druck auf Dortmund liegt, aus. Ballack bringt Bayer früh in Führung (10.), Borussia gerät nach Amorosos Aluminiumtreffer durch Paul Stalteri mit 0:1 in Rückstand (17.) Zu diesem Zeitpunkt sind die Rheinländer Meister, fehlen dem BVB zwei Tore. Das erste glückt Koller vier Minuten vor der Pause mit einem – allerdings platzierten – Verlegenheitsroller von der Strafraumgrenze.

Ballacks 2:0 für Leverkusen sieben Minuten nach Wiederbeginn macht klar: Schützenhilfe von Hertha hat der BVB nicht mehr zu erwarten. Er muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und er gibt Gas. Bei lausigen zehn Grad drehen die Gastgeber im strömenden Regen auf. Und laufen geradewegs in einen Konter. Bremens Razundara Tjikuzu eilt ganz allein auf Lehmann zu, hebt das Spielgerät über Dortmunds Torwart hinweg, hebt es an die Latte. Fast 70.000 Zuschauern stockt der Atem, denn sie alle wissen. Landet dieser Ball im Netz, ist Borussias Traum 19 Minuten vor dem Ende ausgeträumt.

Stattdessen fällt die Entscheidung auf der anderen Seite. Rosicky auf Dédé, der bringt den Ball per Seitfallzieher vor das Tor, findet am langen Pfosten den nicht einmal 50 Sekunden zuvor eingewechselten Ewerthon Henrique de Souza, kurz: Ewerthon. Der Brasilianer fliegt heran und drückt das Leder via Innenpfosten über die Linie. Für einen Moment scheint die Zeit still zu stehen, dann entlädt sich die Anspannung der Fans in einer Jubel-Explosion, wie man sie nur ganz selten erlebt hat.

In der ARD-Hörfunkkonferenz kommentiert Manfred Breuckmann die entscheidende Szene so: „Die Dortmunder wollten gerade einen Elfmeter. Amoroso kam im Strafraum zu Fall – es war keiner. Jetzt der BVB mit Sebastian Kehl kurz hinter der Mittellinie . . . Was für ein Drehbuch heute Nachmittag . . . Oscar-verdächtig . . . sämtliche Dramatik, die wir brauchen und wollen im Fußball, ist drin . . . Jetzt die Möglichkeit für Dede und Tooooor! Und Tooooor für Borussia. Der gerade frisch eingewechselte Ewerthon . . . Jetzt geht hier die Post ab!“

In der BayArena in Leverkusen verlässt Bayer-Manager Rainer Calmund, als ihn die Nachricht von der Dortmunder Führung erreicht, die Tribüne und schließt sich weinend im Trainerbüro in den Stadionkatakomben ein. Wieder nicht Meister. Wieder nur Vize.

Und für die Mannschaft, die 2001/2002 zweifelsfrei den attraktivsten, offensivsten und spektakulärsten Fußball spielte, blieb es nicht bei dieser einen bitteren Niederlage. Eine Woche nach dem bitteren Ende im Meisterschaftsrennen verlor Bayer auch das DFB-Pokal-Finale gegen Schalke mit 2:4. Weitere vier Tage später bot das Team Real Madrid im Champions-League-Finale im Glasgower Hampden Park einen großen Kampf, zog aber auch hier den Kürzeren – 1:2 (Tore: Lucio – Raul, Zinedine Zidane). Dreimal Zweiter innerhalb von elf Tagen: Der Beiname „Vizekusen“ wurde in jener Saison für alle Zeiten zementiert. Und für Kapitän Ballack und einige Teamkollegen folgte bei der WM in Japan und Südkorea mit der Finalniederlage gegen Brasilien im Sommer der vierte Vizetitel.

Borussia Dortmund wiederum verschleierte der Erfolg den Blick für die Realitäten. Während Manager Meier laut tönte: „Wer den BVB angreift, der greift eine Macht an“, orakelte Präsident Niebaum: „Unsere junge Mannschaft hat die wichtige Erfahrung gemacht, dass sie siegen und erfolgreich sein kann. Das gibt Stärke für die Zukunft.“ Doch erstens war die Mannschaft nicht jung. Und zweitens endete die folgende Saison mit der verpassten Champions-League-Qualifikation und dem frühen UEFA-Cup-Aus sportlich in einem Fiasko, das wirtschaftlich eine Havarie nach sich zog.

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Vor 20 Jahren: Ricken müsste schießen – Ricken schießt – Toooooooooor!!!

Die fabelhafte Fußballliebhaber-App "MitPicke", die Ihr kostenlos downloaden könnt, hat zu den "Wunder"-Spielen BVB - La Coruna und BVB - Malaga ein umfangreiches Themenpaket geschnürt.

Die fabelhafte Fußballliebhaber-App „MitPicke“, die Ihr kostenlos downloaden könnt, hat zu den „Wunder“-Spielen BVB – La Coruna und BVB – Malaga ein umfangreiches Themenpaket geschnürt.

Dortmund im Spätherbst 2014 – eine Stadt trägt Grau. Die sportliche Talfahrt des BVB hat sich in den zurückliegenden Wochen wie ein Depressivum über die Stimmung der Menschen gelegt. Ein wenig wirkt es, als hätten sie, wie einst Timm Thaler, ihr Lachen verkauft.

Auf der Suche nach Erfolgserlebnissen müssen Fans dieser Tage in ihren Erinnerungen kramen. Dort werden sie reichlich fündig – zum Beispiel am 6. Dezember 1994. Nikolaus vor exakt 20 Jahren erlebte das Westfalenstadion eines jener Spiele, die als „legendär“ in die Klubgeschichte eingingen. „La Coruna“ und „Lars Ricken“ – mehr muss man gar nicht sagen . . .

Aus Anlass des Jubiläums habe ich das „La-Coruna-Kapitel“ aus meinem Buch „Jetzt muss ein Wunder her – Die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB“ als Blogbeitrag eingestellt. Und wenn Ihr weiter herunterscrollt oder auf den folgenden Link klickt, findet Ihr dort unter der Überschrift „Selbst Julio Cesar ist völlig ausgerastet“ auch den Gastbeitrag von Lars Ricken. http://goo.gl/v9Vjzh

Das Buch ist, nebenbei bemerkt, zauberhaftes Weihnachtsgeschenk für BVB-Fans. Bestellen könnt Ihr es z.B. unter http://goo.gl/0WKSn5 und http://goo.gl/QLOC52

BORUSSIA DORTMUND – DEPORTIVO LA CORUNA 3:1 n.V. (1:0, 0:0)

(6. Dezember 1994, UEFA-Cup-Achtelfinale, Rückspiel)

18 ½ Jahre lang galt die Partie gegen La Coruna als der „Hitchcock“ unter den Europapokal-Krimis auf Dortmunder Boden. 18 ½ Jahre – dann kamen die legendären 69 Sekunden im Champions-League-Halbfinale 2012/13 gegen den FC Malaga. Heute genießen beide Begegnungen Kultstatus. Was sie verbindet, ist die hoch dramatische Schlussphase mit zwei ganz späten Treffern und einer nicht mehr für möglich gehaltenen Wendung. Viele Fans, die auch andere große Duelle der Borussia live im Stadion miterlebt haben, beschreiben dennoch das Rückspiel im UEFA-Cup-Achtelfinale der Saison 1994/95 gegen den spanischen Vertreter Deportivo La Coruna als  e i n e n  Allzeit-Höhepunkt.

Beispielhaft zwei kurze Schilderungen aus dem Forum des Internet-Fanzines schwatzgelb.de. Dort schreibt ein User mit dem Nickname . . .

. . . Rupo:

„Ich war 28, mit Kumpels im 11er (Block 11, Südtribüne/Anm. des Autors) und bekomme jedesmal Gänsehaut, wenn ich an den Moment denke, als Bodo Schmidt den Ball gegen das Schienbein bekommt, der Ball nach rechts (von uns aus nach links) rollt, Ricken ihn aufnimmt, Riedle in der Mitte startet, Ricken das völlig egal ist . . . er abzieht (da wussten wir, datt Dingen passt), die Murmel unter der Latte einschlägt, hinter die Linie, Ricken abdreht nach rechts – und wir nach unten auf der Süd 😉 . . . Ich werde DIESES TOR niemals in meinem ganzen Leben vergessen!“

Und auch für Searcher 78 hat sich dieses Spiel, als Vater-Sohn-Erlebnis, für alle Zeiten im Gedächtnis festgefressen:

„Nach dem 1:1 war ich total geknickt, quasi alle Hoffnung verloren. Ich war zu dem Zeitpunkt 16. Neben mir saßen mein Vater und mein Onkel. Als die Spanier noch feiern, meint mein Vater ganz trocken: „Keine Sorge, die packen das noch!“ Ich hab’ ihn ungläubig angeguckt und er war sich wirklich absolut sicher. Dann vergingen die Minuten und das Ende der Verlängerung rückte immer näher. Mein Onkel, der am nächsten Tag sehr früh arbeiten musste, hatte sich auf den Weg Richtung Parkplatz gemacht – ein folgenschwerer Fehler. Die letzten Minuten sind halt Legende, mein Onkel hat beim Jubel zum 2:1 noch überlegt, ob er schnell zurück laufen soll, aber was sollte in den paar Minuten dann schon passieren. Kurze Zeit später ist er beim Ohren betäubenden Jubel, der hinter ihm erklang, vor einen Baum gelaufen und hat sich eine ziemliche Beule geholt. Im Stadion stand mein Vater neben mir mit Tränen in den Augen: ‚Hab’ ich doch gesagt!’ Für mich DAS Spiel überhaupt, ich weiß nicht, wie viele hundert Male ich mit meinem Vater an genau diese letzten Minuten zurück gedacht habe . . ., na ja, seit einiger Zeit denke ich alleine an dieses Spiel zurück, aber ich hoffe, irgendwann einmal meinen Kindern davon erzählen zu können. Ich war auch beim Champions-League-Finale in München und hab’ alle Meisterschaften im Stadion erlebt, aber ich glaube, dieses Spiel wird mir von allen am meisten in Erinnerung bleiben.“

Der deutsch-spanische Liga-Gipfel

Das Duell zwischen Borussia Dortmund und Deportivo La Coruna war im Herbst 1994 nicht irgendein Duell zwischen einem Bundesligisten und einem Primera-Division-Klub. Es war sozusagen der deutsch-spanische Liga-Gipfel. Der BVB, von Präsident Dr. Gerd Niebaum und Manager Michael Meier in den Jahren zuvor mit gigantischem Finanzaufwand und den Italien-Rückkehrern Matthias Sammer, Andreas Möller, Karlheinz Riedle, Stefan Reuter sowie mit Julio Cesar, Flemming Povlsen und Stéphane Chapuisat hochgerüstet, führte die Bundesliga-Tabelle souverän an. Am Ende der Saison sollte der erste Deutsche Meistertitel nach 32-jähriger Durststrecke stehen.

La Coruna wiederum stieg ab Anfang der 1990er Jahre in den Kreis der spanischen Spitzenteams auf und krönte diese Entwicklung mit der Meisterschaft 2000 sowie den Pokalsiegen 1995 und 2002 – ehe es, wie in Dortmund nach der 2002er Meisterschaft, wieder bergab ging. 1992/93 hatten sich die Galizier als Dritter hinter dem FC Barcelona und Real Madrid erstmals für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert und waren ein Jahr später punktgleich nur aufgrund des etwas schlechteren Torverhältnisses hinter Barca spanischer Vizemeister geworden. Zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens mit dem BVB lag Deportivo gleichauf mit Real Saragossa und Real Madrid an der Tabellenspitze der Primera Division.

Bebeto entscheidet das Hinspiel zugunsten von La Coruna

Da trafen also keine No-Name-Teams aufeinander, sondern zwei aufstrebende Top-Klubs mit Top-Leuten. Der bekannteste im Kader von La Coruna: Bebeto, brasilianischer Nationalspieler, als Sturmpartner von Romario frischgebackener Weltmeister, spanischer Torschützenkönig – und Schütze des 1:0 im Hinspiel gegen den BVB. Da pflasterte er das Leder schon nach 23 Minuten unhaltbar in den Winkel. Dortmund hatte in der Folge Glück, dass Stefan Klos einige tolle Paraden zeigte und der Schweizer Unparteiische Serge Muhmenthaler einem weiteren Treffer der Spanier wegen angeblicher Abseitsposition zu Unrecht die Anerkennung verweigerte. Dortmund hatte aber auch Pech bei einem Lattenkracher von Sammer und einer weiteren Fehlentscheidung des Schiedsrichters, der bei Chapuisats vermeintlichem Ausgleich ebenfalls auf Abseits entschied. Auch damit lag er daneben.

Der BVB musste 14 Tage später, am Nikolausabend, im eigenen Stadion also einen Rückstand umbiegen. Dass er das konnte, hatte er zuvor bereits bewiesen, denn nach glanzlosen Erstrunden-Erfolgen gegen den FC Motherwell aus Schottland (1:0/H, 2:0/A) setzte es in Runde zwei bei Slovan Bratislava eine 1:2-Niederlage. Riedle (2) und Möller sorgten im Rückspiel beim 3:0 für klare Verhältnisse.

Zorc gleicht im Rückspiel aus – doch in der Verlängerung spricht ALLES für die Spanier

La Coruna allerdings war ungleich schwerer zu knacken, und so dauerte es auch bis zur 50. Minute, ehe Michael Zorc mit dem 1:0 in der Addition beider Spiele der Ausgleich gelang. Zweimal trafen die Iberer in der Folge durch Fran (59.) und Salinas (68.) die Latte; der BVB wurde von Borussia zu Fortuna Dortmund. Es ging in die Verlängerung, und in der hatte Deportivo das Geschehen nicht nur im Griff – der Gast holte in der 102. Minute auch zum scheinbar finalen Schlag aus, als Alfredo nach einem Sensationslupfer plötzlich frei vor Klos auftauchte und den Ball zum 1:1 über den Keeper hinweg ins lange Eck setzte. Schockstarre auf den Rängen. Nun benötigte das Team von Ottmar Hitzfeld wieder zwei Tore – und es waren nur noch 18 Minuten zu spielen. Dann 15 . . . 10 . . . 7, 6, 5.

„Ich habe den Spielern schon oft gepredigt, dass selbst zwei Minuten vor dem Ende nichts entschieden und ein Wunder im Fußball immer möglich ist“, sagte Hitzfeld später. Ob der BVB-Trainer auch daran geglaubt hat, sagte er nicht.

Fünf Minuten vor Schluss fehlen dem BVB zwei Treffer. Viele Zuschauer gehen schon . . .

Die meisten Zuschauer jedenfalls hatten den Glauben und die Hoffnung verloren; viele hatten sich bereits auf den Heimweg gemacht und die Sitzreihen auf den Tribünen ließen deutliche Lücken erkennen, als Sammer im Mittelfeld in wilder Entschlossenheit den Ball eroberte, Möller in den Strafraum flankte und wer sonst als „Air“ Riedle zum 2:1 vollendete. Es war die 116. Minute. Nur noch ein Tor. Und noch 4 Minuten . . . 3, 2 . . . Noch ein letztes Mal der BVB. Bodo Schmidt, der Manndecker, fräste sich in zentraler Position durch den spanischen Beton, von seinem Schienbein prallte der Ball Lars Ricken vor die Füße. Der 18-Jährige, als Joker eingewechselt, guckte nicht rechts und nicht links. Er schaute in den Tunnel, und am Ende des Tunnels stand das Tor.

. . . und verpassen eines der „Wunder von Dortmund“

Manch einer unter den älteren Zuschauern mag sich in diesem Moment an Herbert Zimmermanns Live-Reportage vom WM-Endspiel 1954 zwischen Deutschland und Ungarn erinnert haben. An sein Unvergessenes „Rahn müsste schießen – Rahn schießt . . .“ Rahn hieß diesmal Ricken. Ricken musste schießen – Ricken schoss – und der Rest klang 1994 im Dortmunder Westfalenstadion genau so wie 40 Jahre zuvor im Berner Wankdorfstadion: „Tooooor!!!“ Mit dem rechten Fuß nagelte Ricken den Ball aus zehn Metern Entfernung via Lattenunterkante ins Netz. Ein Schuss mitten ins pure Glück.

BVB-Fan Vito_Corleone erinnert sich auf schwatzgelb.de:

„Die Süd explodiert, aber es ist keine einfache Explosion, keine Verpuffung. Die Süd bebt wie ich es noch NIE davor und NIE danach erlebt habe. Die Explosion dauert minutenlang, so stelle ich mir einen Multiorgasmus vor, hier multipliziert durch die Tausende auf der Süd, die im gleichen Moment so etwas Unbeschreibliches erleben.“

Sammer fand nicht so schöne Worte, gestand aber mit reichlich Pathos: „Dieses Ergebnis hat bei mir unglaubliche Emotionen freigesetzt. Vergleichbares habe ich erst zweimal erlebt: Beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit Stuttgart und bei der Geburt meiner Tochter Sarah.“ Hitzfeld versuchte das wundersame Geschehen medizinisch zu diagnostizieren: „Wir waren klinisch fast tot, aber mit den allerletzten Herzschlägen haben wir uns aufgerappelt und ein anatomisches Wunder geschafft.“

Für Ricken, der das Angebot seines Trainers, ihm eine Entschuldigung zu schreiben, nicht annahm und stattdessen am nächsten Morgen brav die Schulbank drückte, war es das erste von mehreren legendären Europapokal-Toren. 1996/97 gegen Manchester United schoss er den BVB mit seinem goldenen Tor in Old Trafford ins Finale von München. Dort erzielte Ricken mit seinem 30-Meter-Heber zum 3:1-Endstand gegen Juventus Turin jenen Treffer, den die Fans von Borussia Dortmund anlässlich des 100-jährigen Bestehens im Jahr 2009 zum „Tor des Jahrhunderts“ wählten.

Die Europapokal-Saison 1994/95 trug Borussia Dortmund über Lazio Rom (0:1/A, 2:0/H – wieder durch ein Last-Minute-Tor, diesmal von Riedle) noch bis ins Halbfinale. Dort war Juventus Turin, wie schon in den 1993er UEFA-Cup-Endspielen, eine Nummer zu groß.

An den Jubelorkan vom 3:1 gegen Deportivo La Coruna kam lange Zeit kein Heimtor mehr heran. Erst Ewerthons 2:1-Meistertreffer gegen Werder Bremen am 4. Mai 2002 erreichte wieder vergleichbare Dezibelstärken und löste Vibrationsalarm auf der Südtribüne aus.

Lars Ricken: „Selbst Julio Cesar ist völlig ausgerastet!“

Ein Gastbeitrag von Lars Ricken, Schütze des entscheidenden Tores, zum legendären Europapokalspiel Borussia Dortmund – Deportivo La Coruna (6. Dezember 1994) für das Buch „Jetzt muss ein Wunder her – Die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB.“ http://goo.gl/0WKSn5

Das Buchkapitel findet Ihr hier: http://goo.gl/UD5bdu

Lars Ricken:

„Selbst Julio Cesar ist völlig ausgerastet“ 

„Ganz ehrlich: Was mir zu allererst einfällt, wenn ich an den Abend des La-Coruna-Spiels denke, ist meine damalige Freundin. Die interessierte sich gar nicht für Fußball und war folgerichtig auch nicht im Stadion. Ich kam also sehr spät nach Hause, war der gefeierte Held des Spiels, gerade 18 Jahre alt und emotional natürlich entsprechend aufgewühlt – und meine Freundin forderte mich recht bestimmt auf, doch bitte das Geschirr abzutrocknen, das sie gerade gespült hatte. Ich merkte ganz vorsichtig an: „Du, wir hatten gerade ein Spiel – und ich würde mir das gerne noch einmal im Fernsehen anschauen.“ – „Ach, ja“, sagte sie, „Ihr habt ja gespielt. Habt Ihr denn gewonnen. Schön! Aber wenn Du gespielt hast, musst Du’s doch nicht noch einmal sehen . . .“ – Kurzum: Ich habe dann ein paar Minuten heraus verhandeln können, aber dann musste ich tatsächlich abtrocknen. Und so bin ich seinerzeit von meiner Freundin noch am Abend des Triumphes sehr schnell wieder geerdet worden.

Über diese Anekdote hinaus verbinde ich sportlich betrachtet vor allem drei Dinge mit dem Spiel gegen La Coruna.

Erstens: Natürlich dieses Tor. Mein Treffer zum 3:1 in der 118. Minute, der uns völlig unerwartet doch noch in die nächste Runde brachte. Ich habe in meiner Zeit beim BVB ja das eine oder andere Tor erzielt, darunter auch manches wichtige – aber dieser Treffer ist, zusammen mit dem Heber zum 3:1 im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin, sicherlich derjenige, der mir in der Rückschau am meisten bedeutet. Einfach deshalb, weil es ein wundervolles Gefühl ist, sich mit diesen Toren für alle Zeiten in der Vereinsgeschichte eines so großen und traditionsreichen Klubs wie Borussia Dortmund eingetragen zu haben. Allerdings: In ein Lehrbuch wird es dieses Tor sicherlich nicht schaffen. Die Position und die Schusstechnik waren schon einigermaßen problematisch; ich treffe den Ball weder mit der Innenseite noch mit dem Vollspann, aber ich wollte ihn tatsächlich genau so schießen wie ich ihn dann geschossen habe. Anders wäre er nicht rein gegangen. Überhaupt war das so ein Ball, der von zehn Versuchen vermutlich neunmal irgendwo landet – nur nicht im Tor.

Und noch etwas ist ganz interessant. Ich stand zu meiner aktiven Zeit immer in dem Ruf: „Wenn der Ricken kommt, dann passiert noch was!“ Dabei habe ich in all den Jahren als Profi fast überhaupt keine Joker-Tore gemacht, aber ausgerechnet in den beiden Spielen gegen La Coruna und Juve kam ich tatsächlich von der Bank.

Zweitens: Ich habe ja einige Zeit mit Julio Cesar zusammengespielt, und Julio war als Sportler wie als Mensch immer ein relativ ruhiger, sachlicher und abgeklärter Kerl. Aber wie selbst er nach meinem Tor zum 3:1 regelrecht ausgerastet ist und dann auch ganz schnell als Erster auf mir drauf lag, zeigt, welch wahnsinnige Emotionen in diesem Moment freigesetzt wurden. Das ist eine sehr schöne Erinnerung, auch deshalb, weil Julio Cesar sicher eine der ganz großen Persönlichkeiten ist, die hier in Dortmund gespielt haben.

Drittens ist es absolut faszinierend, wie ein solches Tor dann 19 Jahre später noch einmal ins kollektive BVB-Gedächtnis zurückkehrt – am 9. April 2013 gegen Malaga. Genau das macht doch einen großen Vereins aus, dass es solche verbindenden Erlebnisse und gemeinsamen Ankerpunkte gibt. Jedenfalls: Als Malaga wenige Minuten vor Schluss in Führung ging und wir plötzlich zwei Tore brauchten, leerten sich die Plätze um mich herum doch merklich. Von denen, die sitzen blieben und ausharrten, sagten aber einige: „Mensch, Lars, jetzt brauchen wir noch einmal so ein Wunder wie damals gegen La Coruna.“ – Unter uns: Ich würde mich wirklich nicht als Pessimist bezeichnen wollen, aber geglaubt habe ich an eine Wende gegen Malaga nicht mehr. Ich war, wie die meisten anderen auch, so down, dass ich eigentlich keine Hoffnung mehr hatte. Erst im Nachhinein ist mir aufgegangen, was da nach dem 1:2 eigentlich passiert ist. Die Zuschauer sind noch einmal gekommen, Roman Weidenfeller stürmte mit einer Mischung aus Anfeuerung und Beschimpfung nach vorne, Jürgen Klopp verzog sich nicht etwa deprimiert auf die Trainerbank, sondern coachte weiter, als könne von einem drohenden Ausscheiden gar keine Rede sein. Diese Kette von Reaktionen war schon echt stark und ein Paradebeispiel für den Charakter dieses Teams und des Umfelds.

Gerade in solchen Momenten spielt unser Stadion immer wieder eine wichtige Rolle. Man merkt das schon an der Ehrfurcht der gegnerischen Teams, wenn sie den Rasen betreten und vor der gelben Wand stehen. Das flößt definitiv Respekt ein, und diese besondere Atmosphäre in Dortmund gewinnt dem BVB auch immer wieder den einen oder anderen Punkt. Für mich noch entscheidender und der große Unterschied zu vielen anderen Klubs ist aber, wie unsere Zuschauer sich verhalten, wenn es mal nicht so gut läuft. Wir haben diese Zeiten ja auch erlebt. Bei uns bleiben dann eben keine Blöcke aus Protest leer; unsere Fans drehen dem Spielgeschehen nicht den Rücken zu – sie sind auch und manchmal gerade dann für die Mannschaft da, geben Gas und versuchen zu helfen. Das ist wirklich einzigartig!“