Der BVB und die Emotionen: Ein Plädoyer für mehr Personenkult

Gerade eben haben Sprachwissenschaftler „Volksverräter“, eine Vokabel, die der rechte Mob gerne verwendet, um demokratisch denkende und handelnde Menschen zu diffamieren, zum Unwort des Jahres 2016 gekürt. Wie in jedem Jahr kann man über die Wahl trefflich diskutieren, zumal jedem von uns auch noch eine Reihe weiterer Begriffe einfallen, die das „Unwort“-Prädikat verdient hätten. Mir als Anhänger der schwarzgelben Borussia zum Beispiel: „Entemotionalisierung“.

Diese merkwürdige Borussia-Müdigkeit
Entemotionalisierung beklagen viele und gefühlt immer mehr BVB-Fans im zwischenmenschlichen Verhältnis zum Klub ihrer Wahl. Größere Teile des vergangenen Wochenendes habe ich im Kreise von knapp zwei Dutzend Leuten verbracht, die von sich selbst mit Fug und Recht behaupten dürfen, genau das zu sein, was man landläufig unter „eingefleischten“ Fans versteht. Nicht nur Dauerkarteninhaber. Nicht nur Auswärts-Vielfahrer. Sondern darüber hinaus in ihrer Freizeit ehrenamtlich rund um Borussia Dortmund engagierte Menschen, für die Schwarzgelb neben ihren Familien und oft noch vor ihren Berufen DER zentrale Lebensinhalt ist. Fast unisono schilderten sie eine irgendwie merkwürdige, latente BVB-Müdigkeit und machten dieses mit Worten schwer zu beschreibende Phänomen daran fest, dass sich Borussia aktuell nicht mehr so intensiv anfühlt wie noch vor zwei, drei, vier Jahren.

Kommerzialisierung und Übersättigung
Nun sind die Gründe dafür vielfältig. Natürlich hat das etwas zu tun mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Internationalisierung des Fußballs. Selbst wenn sich die Klubführung des BVB noch so große Mühe gibt, die „Nähe zum Borsigplatz“ über die Annäherung an Märkte in Asien und Übersee zu stellen, nimmt die Distanz zwischen der 400-plus-x-Umsatzmillionen schweren Kommanditgesellschaft auf Aktien und der Fan-Basis doch zu. Natürlich hat das auch etwas zu tun mit einer zunehmenden Übersättigung der Anhänger mit dem Grundnahrungsmittel Fußball. Immer mehr und immer aufgeblähtere Wettbewerbe senken das Fieber und killen die Vorfreude – ganz aktuell: Die aberwitzige Entscheidung der komplett entrückten, geld- und machtgeilen FIFA-Bosse, die Weltmeisterschaft 2026 auf 48 Nationen aufzustocken und uns auf diese Weise Vorrunden-Highlights zwischen Burkina-Faso und den Galapagos-Inseln oder zwischen Tibet und Katar zu bescheren. Oder der Wahnsinn, dass Sender wie Sport 1, Online-Portale per Livestream oder sogar die Vereine selbst auf ihren Websites inzwischen jeden noch so müden Test-Kick in Echtzeit übertragen. Wenn ein mittelmäßig spannender Bundesligist in seinem Trainingslager irgendwo in Asien ein freundschaftliches Bewegungsspielchen gegen den FC Kartoffelacker Kathmandu aus der ersten nepalesischen Profiliga austrägt, ist garantiert irgendein Anbieter mit einem Kamerateam vor Ort.

Braucht man das? Braucht man nicht!

Und dann machen viele Fans die Entemotionalisierung natürlich auch am Weggang von Jürgen Klopp fest, der fleischgewordenen Emotion. Klopp hat uns Borussen, zugegeben, sieben Jahre lang verwöhnt. Mit seinem Lachen, seinen Tränen, seinem Humor und Esprit, seinen Wutausbrüchen, seinem Jubel, seiner Hyperaktivität, seinen emotionalen Ausbrüchen, seiner Authentizität. Kurzum: mit seinem Menschsein! Nun ist er weg. Das kann man beklagen. Er ist nun allerdings auch schon seit eineinhalb Jahren weg. Und er wird, ziemlich sicher, so schnell auch nicht zurückkehren. Vielleicht – und die Wahrscheinlichkeit ist eher hoch als gering – wird er überhaupt nie mehr als Trainer an die Strobelallee zurückkehren. Deshalb könnte man jetzt auch allmählich mal aufhören, Klopps Abhandenkommen zu beklagen. Zumal, meine Meinung: Der Trainer muss im Sport durchaus nicht der emotionale Vorturner sein.

Wir Fans sind verwöhnt und dekadent geworden
Vielleicht, und darüber denke ich in letzter Zeit häufig nach, tragen wir Fans auch selber ein gerüttelt Maß Schuld an diesem Phänomen der Entemotionalisierung. Wir gebärden uns bisweilen wie verwöhnte und verhätschelte Millionärskinder in US-amerikanischen College-Filmen. Weil wir 2011 Meister waren, 2012 das Double gewonnen haben, 2013 im Champions-League-Finale standen und 2014, 2015, 2016 im DFB-Pokal-Endspiel, sind Titel das Maß der Dinge und Finalteilnahmen normal geworden. Manch ein Fan hat inzwischen „keinen Bock mehr, schon wieder nach Berlin zu fahren“. Wie dekadent ist das denn?! Merken wir eigentlich noch was?! Sind wir eigentlich noch Borussen oder schon Bauern? Ein Finale ist IMMER etwas Besonderes. Es ist NIEMALS normal. NIEMALS Alltag. Für die da unten in München vielleicht, aber doch nicht für uns hier oben in Dortmund.

Jürgen Klopp hat in seinem Gastbeitrag für eines meiner Bücher („Jetzt muss ein Wunder her – Die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB“) geschrieben, was ihn am Westfalenstadion und den BVB-Fans am meisten fasziniere, sei die einzigartige atmosphärische Wechselwirkung zwischen dem Geschehen auf dem Spielfeld und der Stimmung auf den Rängen. In Dortmunds Tempel herrsche eben nicht per se eine tolle Atmosphäre, sondern stets in Abhängigkeit vom Spiel. Das sei, so Klopp, in besonderer Weise ehrlich und authentisch. Was er meinte ist: Manchmal spielt die Mannschaft spektakulär gut – und die Stimmung schwappt über vom Feld auf die Fans. Manchmal aber spielt die Mannschaft auch spektakulär schlecht, wie bisweilen im letzten Klopp-Jahr – und die Stimmung schwappt dann trotzdem über, nur umgekehrt von den Tribünen auf den Rasen, weil die Fans spüren, dass ihr Team sie gerade jetzt braucht. Und manchmal schweigt ein ganzes, mit 81.357 Menschen gefülltes Stadion, weil die Nachricht eines dramatischen Todesfalls auf einer der Tribünen die Runde macht und die Sensibilität und der Respekt der Zuschauer ihren Drang zur Anfeuerung überlagern.

Wann sind wir eigentlich zuletzt richtig steil gegangen?
Aber seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst: Wann haben wir Fans von Borussia Dortmund die Hütte letztmals so richtig gerockt? Wann waren wir letztmals so laut, dass dem Gegner schon im Spielertunnel der Darminhalt flüssig geworden ist?
Beim Derby? – Eher nicht!
Beim Sieg über die Bauern? – So richtig steil gegangen sind wir da doch auch nicht.
Gegen Real? – War okay. War aber auch schon einmal anders.

Blöderweise werden wir Trends wie die Kommerzialisierung und die Übersättigung nicht zurückdrehen. Und Klopp ist in Liverpool gerade auch nicht ganz so unglücklich. Die Frage stellt sich also: Was können wir selbst tun, um Spiele von Borussia Dortmund wieder zum emotionalen Orgasmus zu treiben? Meine Antwort: Wir brauchen mehr Personenkult! Das löst das Problem nicht in Gänze, wirkt aber gegen einige Symptome.

Spieler und Trainer kommen und gehen . . . Ja, aber!
Nun ist Personenkult unter BVB-Fans und gerade in der aktiven Fanszene blöderweise einigermaßen verpönt. Viel mehr übrigens als bei den allermeisten anderen Klubs. Nicht etwa, dass die Anhänger hier nicht auch ihre Lieblinge hätten. Äußerst selten aber, dass sie einzelne Akteure, etwa durch Anfeuerung oder individuelle Fangesänge während des laufenden Spiels, herausheben. Wenn überhaupt, dann allenfalls bei ihrer Ein- oder Auswechslung. Und Ikonen wie Jürgen Kohler eine war und Dédé immer noch eine ist, sind die absolute Ausnahme. Selbst Sebastian Kehl reichte da, bei aller Wertschätzung, nicht heran. Hinter alledem steckt eine grundsätzliche Haltung: Niemand ist größer als der Verein! Spieler und Trainer kommen und gehen – doch Borussia Dortmund bleibt bestehen! Diese Maxime ist gewissermaßen unsichtbar in den Beton der Stadiontribünen gemeißelt.

Ich kann dieser Einstellung viel abgewinnen. Zumal das einzige mir bekannte Abrücken, die irrationale Überhöhung der Figur Jürgen Klopp, am Ende ungesunde Ausmaße angenommen hatte. Manche hielten Klopp für größer als den BVB. Was natürlich völliger Unfug ist. Und dennoch: In einer Phase, in der Fans aufgrund anderer Effekte, auf die sie wenig oder keinen Einfluss haben, eine Entemotionalisierung beklagen, stehen sie sich mit diesem Anti-Personenkult selbst im Weg. Klar, Fußball ist ein Vereinssport, ist ein Mannschaftssport. Fußball ist aber auch ein Spielersport. Und es ist ja nicht so, als hätte der BVB keine Spieler mehr im Kader, die sich der besonderen Zuneigung der Anhängerschaft erfreuen. Die sich diese Zuneigung auch redlich verdient haben. Etwa, weil sie in schweren Zeiten zum Klub gehalten und/oder mit Borussia Erfolge gefeiert haben. Weil sie nach Experimenten bei anderen Vereinen geläutert zurückgekehrt sind. Weil sie durch langjährige Klubzugehörigkeit Treue nachgewiesen haben. Oder einfach nur deshalb, weil sie sich Spiel für Spiel bedingungslos reinhauen . . .

Es gibt viele Gründe.

Ich meine, Ihr ahnt es, Roman Weidenfeller und Nuri Sahin, Manni Bender und Neven Subotic, Papa Sokratis und Lukasz Piszczek. Ich meine Marco Reus, und ganz besonders meine ich Marcel Schmelzer, der durch seine Körpersprache signalisiert, dass er auch dann noch an den Erfolg glaubt, wenn die 90 Minuten um sind und der BVB zum Weiterkommen noch zwei Tore benötigt. Schmelzer gegen Malaga: Mehr Borussia Dortmund geht nicht!

Erobern wir uns doch die emotionalen Momente zurück!
Nun werdet Ihr möglicherweise sogar sagen: Stimmt! Aber einige der genannten Akteure spielen bei Thomas Tuchel aktuell und vielleicht auch in Zukunft keine große Rolle. Sie bekommen, wenn überhaupt, nur geringe Einsatzzeiten. Und ich sage: Na und?!!! Dann genießen und feiern wir eben jede einzelne Minute mit ihnen und erobern uns über diese – Achtung, Unwort! – „Gänsehaut“-Sequenzen das zurück, was uns offenbar ein Stück weit abhanden gekommen ist: die Identifikation und die hoch emotionalen Momente. Und wenn Weidenfeller aufhört? Und Neven den Klub wechselt? Dann wachsen andere nach. Warum soll nicht Roman Bürki ein Fanliebling der Zukunft werden? Oder Julian Weigl, der es eigentlich ja heute schon ist? Ich glaube – und meinetwegen verprügelt mich dafür –, dass sogar Mario Götze mittelfristig wieder in eine solche Rolle hineinwachsen kann.

Also:

Wenn der Fußball es – hoffentlich nur vorübergehend – nicht (mehr) schafft, uns anzufixen, ist das die eine Sache. Wenn es aber auch die Fußballer nicht mehr schaffen, uns zu emotionalisieren; und wenn wir es umgekehrt nicht mehr schaffen, über die Fußballer den Fußball zu emotionalisieren: Dann erst hätten wir ein wirklich ernsthaftes Problem.

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Weidenfeller, Langerak und das Leistungsprinzip

Es ist noch keine sechs Wochen her, da machten ein paar Medien einfach mal ein Fass auf: Der BVB, so die Stoßrichtung, plane bereits die Zeit nach Roman Weidenfeller – und liebäugle daher mit einer Verpflichtung von Kölns Keeper Timo Horn. Oder von Frankfurts Keeper Kevin Trapp. Oder von Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler. Oder von Hoffenheims Keeper Oliver Baumann. Oder von Freiburgs Keeper Roman Bürki. Oder . . . oder . . . oder. Als (fast) alle Zeitungen, TV-Kanäle und Online-Plattformen das Thema, das keines war, ordentlich durchgenudelt hatten, war so ziemlich jeder Torwart mit dem BVB in Verbindung gebracht worden, der glücklicherweise zwei Hände mit jeweils fünf Finger hat und obendrein über das motorische Geschick verfügt, sich Handschuhe darüber zu ziehen.

Zorc: „Ich weigere mich, eine Torwart-Diskussion zu führen“

Seit dem vergangenen Freitag wird eine andere, eine neue Diskussion geführt. Am vergangenen Freitag nämlich, im so-called „Schicksalsspiel“ gegen die TSG 1899 Hoffenheim, lief der Tabellenletzte Borussia Dortmund mit Mitch Langerak anstelle von Roman Weidenfeller auf. Jener Langerak, der in den Phantasiegeschichten der Vorwochen übrigens nur die Nebenrolle eines ewigen zweiten Mannes gespielt hatte, dem die Verantwortlichen von Borussia Dortmund wohl kaum zutrauten, jemals die Nummer eins zu werden. Das ging so lange, bis der „Kicker“ Ende November in der ihm eigenen Unaufgeregtheit den BVB-Sportdirektor Michael Zorc mit dem Satz zitierte, er weigere sich, eine Torwart-Diskussion zu führen, weil man ja schließlich „zwei der besten Torhüter der Liga unter Vertrag“ habe. Das Fachmagazin vermeldete sogar – und das macht der „Kicker“ für gewöhnlich nur, wenn er sich sehr sicher ist –, dass der 26-jährige Langerak den 34-jährigen Weidenfeller mittelfristig beerben soll.

Dass der Australier gegen Hoffenheim plötzlich zwischen den Pfosten stand, weil Jürgen Klopp „sein Lächeln auf dem Platz haben“ wollte (mit anderen Worten“: auf seine positive Ausstrahlung setzte), bedeutet noch lange nicht, dass aus dem „mittelfristig Beerben“ ein „sofort Beerben“ wird. Genau die Diskussion aber erhitzt seit Tagen die Gemüter. „Weidenfeller aufs Altenteil?“ – „Weidenfeller ausgemustert?“ – „War’s das für Weidenfeller?“ – so lauten die klick-trächtigen Schlagzeilen. Zudem wird heftigst darüber debattiert, ob es hygienisch in Ordnung war, dass Klopp seinen Weltmeister nicht unter vier Augen, sondern erst in der Mannschaftssitzung informiert hat. Kann man führen, diese Diskussion. Allerdings sollte sie dann nicht von ehemaligen Durchschnitts-Torhütern wie Gerry Ehrmann geführt werden, der am BVB ungefähr so nah dran ist wie Gibraltar an der Qualifikation für die EM 2018. Und auch nicht von Peter Neururer, der  . . . ach, lassen wir das. Der Peter hat’s gerade heute schon schwer genug.

Sportlich war der Wechsel richtig

Eine Diskussion, die man nicht nur führen KANN, sondern führen MUSS, ist die sportliche – und die kommt einmal mehr zu kurz. War der Torwartwechsel gegen Hoffenheim gerechtfertigt? Die Antwort lautet: allemal! War er vielleicht sogar nötig? Die Antwort lautet: offenbar ja! Denn Klopps Hinweis, Weidenfeller sei „nichts vorzuwerfen“, ist nett. Aber falsch.

Richtig ist: Roman Weidenfeller spielt bisher keine gute Saison. Auch wenn sein „Kicker“-Notendurchschnitt mit 2,96 (zum Vergleich: in den Meisterjahren 2010/11 und 11/12 lag er bei 2,76 bzw. 2,80) immer noch vergleichsweise okay ist. Nicht falsch verstehen, der Routinier ist ein toller Torwart. Auf der Linie sowieso. Im Duell Mann-gegen-Mann war er in den vergangenen Jahren einer der besten in ganz Europa. Sein Anteil an den Erfolgen von Borussia Dortmund in der Ära Jürgen Klopp ist maximal. In den beiden Meisterjahren war er der Rückhalt, und ohne Weidenfeller hätte der BVB das Champions-League-Endspiel 2013 wohl nicht erreicht. Dass Bundestrainer Joachim Löw, der dem Dortmunder lange Jahre die kalte Schulter gezeigt hatte, irgendwann nicht mehr an ihm vorbei konnte und ihn sogar als Nr. 2 in den WM-Kader berief, spricht für sich. Nur zur Erinnerung: Als sich Manuel Neuer im DFB-Pokal-Finale 2014 verletzte und eine zeitlang nicht ganz klar war, ob er rechtzeitig fit werden würde, sah es sogar so aus, als würde die DFB-Elf mit Roman Weidenfeller im Tor zumindest in das Turnier starten. Und wenn ich mich recht erinnere, gab es niemanden, der bei dem Gedanken daran sonderlich nervös geworden wäre.

Weidenfeller wirkt, als sei er mit den Gedanken noch auf der Fähre

So weit, so gut. Doch das alles ist Vergangenheit – und Fußball wird in der Gegenwart gespielt. Die Krise des BVB ist derzeit sogar allgegenwärtig. Und die Krise des BVB ist ein bisschen auch die Krise des Roman Weidenfeller, die ihren Ursprung möglicherweise ausgerechnet in der erfolgreichen Weltmeisterschaft hat. Denn seit Manuel Neuer in Brasilien das Torwartspiel neu erfunden hat, meinen alle deutschen Torhüter (in der Premier League und der Primera Division gibt es diesen Effekt nicht), sie müssten ihren Arbeitsort um 20 Meter nach vorne verlegen. Dort hin also, wo man den Ball, auch als Torwart, nicht mehr in die Hand nehmen darf. Dort, wo man ihn also mit dem Fuß spielen muss. Das kann der Manuel Neuer gut. Roman Weidenfeller nicht so. Weil er’s trotzdem ständig tut, entsteht Unruhe und Unordnung in der Defensive. Das Vertrauen der Mitspieler in den letzten Mann leidet. Und wenn der dann auch noch so gravierend patzt wie vor dem entscheidenden 1:2 in Köln und dem 0:2 in Frankfurt, dann gerät eben auch ein Weltmeister in die Kritik. Weidenfeller wirkt, um es auf den Punkt zu bringen, seit der WM unkonzentriert und fahrig. So, als pendele er mit den Gedanken immer noch mit der Fähre zwischen dem Campo Bahia und dem Festland.

Entscheidungsgrundlage: das Leistungsprinzip 

Wenn Jürgen Klopp sich vor dem Hoffenheim-Spiel gegen Weidenfeller und für Langerak entschieden hat, dann nicht nur aus einem „Bauchgefühl“ heraus. Auch nicht, weil der australische Sonnyboy so fröhlich lächelt. Sondern weil das Leistungsprinzip aktuell für diesen Wechsel sprach. Wohlgemerkt: aktuell – nicht für alle Ewigkeit. Weidenfeller hat eine schwächere Phase, die erste seit Jahren, eine Phase, wie auch Top-Top-Torhüter sie mal haben, aber Borussia Dortmund wird seine Klasse und Erfahrung noch brauchen. In die Zukunft gedacht, gibt es allerdings keinen einzigen Grund, anzunehmen, dass Mitch Langerak den Job im Kasten des BVB nicht mindestens genau so gut erledigen würde wie Horn, Baumann, Bürki, Zieler, Trapp . . .

AKTUALISIERUNG (11.12., 14:00):

In der Pressekonferenz zum Spiel in Berlin hat BVB-Trainer Jürgen Klopp gerade angekündigt, dass Mitch Langerak – „sofern nichts Außergewöhnliches passiert“ – bis zur Winterpause die Nummer eins im Tor von Borussia Dortmund bleiben wird. „Ich hatte gestern“, so Klopp, „ein langes und gutes Gespräch mit Roman Weidenfeller und bin die bisherige Saison mit ihm durchgegangen. Wir arbeiten seit vielen Jahren gut und vertrauensvoll zusammen, und er hat jetzt schon damit begonnen, den Kampf um den Platz im Tor aufzunehmen. In der Wintervorbereitung geht’s von vorne los!“

(Beitragsbild: Screenshot Sport1/facebook)

Links zum Thema:

http://www.sueddeutsche.de/sport/nationaltorwart-beim-bvb-klopp-opfert-weidenfeller-1.2257916

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/617003/artikel_weidenfeller_eine-frage-des-stils.html

http://www.kicker.de/news/video/1541463/video_klopp-sauer-wegen-weidenfeller-debatte.html

http://www.derwesten.de/sport/fussball/bvb/klopp-hat-mit-der-t-frage-beim-bvb-probleme-geschaffen-id10125279.html